Kaum sind die Stadien wieder offen, macht der 1. FC Köln auch schon wieder dicht – zumindest für ungeimpfte Fans. Ab dem übernächsten Bundesligaspiel kommen (mit Einschränkungen) nur noch Geimpfte und Genesene ins Rhein-Energie-Stadion – das 3. „G“ steht dann maximal für Geißböcke. „Berechtigte Sicherheitsmaßnahme“, „cleverer Impfanreiz“ oder „Impfpflicht durch die Hintertür“? Ein Kommentar von Solveig Haas.


Beim Spiel des 1. FC Köln gegen Hertha BSC am 15. August gilt noch die aktuelle Corona-Verordnung des Landes NRW: 1.000 getestete Fans dürfen ins Stadion, außerdem 15.500 Geimpfte oder Genesene. Danach aber soll ein negativer Corona-Test nicht mehr ausreichen, um ein Spiel live sehen zu dürfen. Gleichzeitig sollen Fans die Möglichkeit bekommen, sich direkt am Stadion impfen zu lassen – hilft für den Spieltag aber nichts, denn frühestens 14 Tage nach der zweiten (oder, lässt man sich mit Johnson & Johnson impfen, einzigen) Impfung gilt man als vollständig geimpft. Damit richtet der 1. FC Köln sich nach einer Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn. In einem Interview mit dem Münchner Merkur hatte der Minister vorgeschlagen, dass es für »Bereiche, die nicht zur Grundversorgung gehören«, einen Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene geben könnte. Daran möchten die Vereinsverantwortlichen sich wohl relativ streng halten. Nur für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können und das auch nachweisen, soll es Ausnahmen geben.

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle sagte der BILD-Zeitung, Impfen sei der Schlüssel zurück zu einer veränderten Normalität – ohne die werde es auf Dauer schwierig. Und ich glaube, genau das ist der Knackpunkt. Es steht allen frei, das Impfangebot wahrzunehmen, wenn es da ist. Aber Fußball ist nun mal kein Menschenrecht – ihn zu nutzen, oder vielmehr als Verein das eigene Hausrecht zu nutzen, um eine Impfkampagne voranzutreiben, von der die Verantwortlichen offenbar überzeugt sind, halte ich für sehr klug.Vor allem, so wie der 1. FC Köln es handhabt: Mit gleichzeitigem Impfangebot vor Ort und den nötigen Einschränkungen, wenn es um Menschen geht, die noch nicht geimpft werden können.

Aber es gibt auch Gegenstimmen. Jan Mayer zum Beispiel, Geschäftsführer der TSG Hoffenheim, ist kein Fan der Idee. „Das wäre eine Impfpflicht durch die Hintertür. Wir sollten uns hier nicht für politische Zwecke instrumentalisieren lassen“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Abgesehen davon, dass es ein bisschen lustig ist, dass ausgerechnet die TSG Hoffenheim sich nicht für Impfkampagnen instrumentalisieren möchte, überschätzt Mayer da aber auch die Wichtigkeit und den Einfluss des Fußballs. Ungeimpft nicht ins Stadion zu dürfen mag zwar für den einzelnen Fußballfan schlimm sein. Aber es wird wie gesagt niemanden in grundlegenden Menschenrechten so sehr einschränken, dass er oder sie sich zu einer Impfung gegen den eigenen Willen gezwungen sähe.

Dass der Staat keine Impfpflicht verordnen kann, ist gut und wichtig für unsere Demokratie. Aber gerade der Fußball, der ohnehin mit die größten Privilegien in dieser Pandemie genoss, ist verpflichtet, möglichst verantwortungsvoll mit diesen Privilegien umzugehen. Wenn für die Vereinsverantwortlichen dazu gehört, möglichst nur Geimpfte zu Spielen ihrer Mannschaft zuzulassen, dann ist das ein nachvollziehbarer Schritt. Es ist ein Schritt dahin, dass bald wieder alle ins Stadion dürfen, dass bald wieder die Fanblocks voll und der Support uneingeschränkt sein kann, weil wir die Corona-Pandemie mit unserem Bedürfnis nach Fußball-Normalität nicht noch gefördert haben. Ein kleiner Schritt, aber vielleicht ein großes Signal.

Ich glaube nämlich, zur kurzfristigen Pandemiebekämpfung werden die Einschränkungen des 1. FC Köln keinen allzu großen Beitrag leisten. Als motivierende Maßnahme aber, können sie sinnvoll sein. Wo Menschen sich für eine Bratwurst impfen lassen, lassen sie sich vielleicht auch für einen Besuch im Wohnzimmer ihres Herzensvereins impfen. Und ganz ehrlich – es ist doch auch egal, warum! Wir brauchen die Herdenimmunität, um irgendwann zur Normalität zurückzukehren. Wenn Menschen sich impfen lassen, um ein Fußballspiel besuchen zu können, dann ist das eben so. Und wenn der Fußball so seinen Beitrag leisten kann, dann ist das eine gute Sache.


Von Solveig Haas

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  1. Getestete mit Schnelltest sind das große Problem. Da gibt es viele falsche Tests. Das Risiko von Ansteckungen ist da für alle anderen viel zu hoch.. Sicher genug ist nur ein PCR Test. Den sollte man aber erlauben. Das würde dann auch den Ungeimpften eine Teilnahme erlauben.

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