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Der Held im Schatten: Eine Liebeserklärung an Fabian Klos

Während Lewandowski einen Rekord nach dem anderen bricht und Erling Haaland sich aufmacht, schon jetzt die größten Fußstapfen zu zertreten, kickt eine der größten Legenden der Bundesliga eher im Schatten. Fabian Klos. Stürmer, Liebling, Legende. Eine Liebeserklärung von unserer Autorin Eva-Lotta Bohle.


Ein Bekannter von mir meinte mal: „Fabian Klos ist so jemand, den hasst du ein bisschen als Fan der gegnerischen Mannschaft, aber eigentlich willst du so jemanden auch für dein Team haben“.
„So jemanden“ – das kann bei Fabian Klos vieles heißen: Seine Qualitäten als Stürmer, dass er eigentlich immer ein fairer, aber meinungsstarker Spieler zu sein scheint – auch nach Abpfiff – oder dass er ein ehrlicher Mensch ist.

Wir streben so langsam dem Ende der Bundesligasaison 2020/21 entgegen und ich muss mich allmählich damit abfinden, dass nicht nur meine erste Bundesligasaison seit über 10 Jahren ohne Fans über die Bühne gegangen sein wird, sondern auch die von Fabian Klos – und damit eventuell seine erste und letzte Saison als Bundesligaspieler. Klos hat mal gesagt, dass der Aufstieg in die Bundesliga ein Ziel sei, dass er sich niemals selbst gesetzt und doch erreicht habe. Sein Wunsch, in der höchsten deutschen Spielklasse ein Tor zu erzielen, hat sich Klos beim Spiel gegen Leipzig im November erfüllt, das erste Tor auf der Bielefelder Alm schoss er gegen den VfB Stuttgart im Januar 2021 – vor einer leeren Südtribüne. Und das ist ein Moment, den sich sowohl Klos als auch Arminia-Anhänger*innen anders vorgestellt hatten. Den ich mir anders vorgestellt habe.

Als Klos 2011 zum Drittligaverein Bielefeld wechselte, habe ich nicht gedacht, dass er fast 10 Jahre später erstens immer noch für Bielefeld und zweitens in der Bundesliga spielt. Denn sind wir mal ehrlich, Vereinstreue ist im modernen Fußball nicht so angesagt und im Jahr 2011 sah es eher danach aus, als würde Bielefeld für Auswärtsspiele bald nur noch durch Nordrhein-Westfalen reisen und Partien gegen Bayern München wären höchstens noch im Pokal möglich. Aber Klos entwickelte sich Jahr für Jahr immer mehr zur Vereinslegende, sowohl auf als auch neben dem Platz, erlebte hier Auf- und sehr bittere Abstiege mit und führte Bielefeld eben im letzten Jahr zurück in die Bundesliga. Hätte mir jemand vor fünf oder auch zwei Jahren erzählt: ‚Hör mal, ihr spielt wieder Bundesliga, aber wegen einer weltweiten Pandemie dürfen keine Fans ins Stadion‘, hätte ich den- oder diejenige gefragt, ob er oder sie eine ganz spezielle Sorte von Sadismus in sich trägt. Oder ob der Fußballgott Anhänger von der Stadt in der Nähe von Telgte ist. Und doch ist das nun seit mehr als einem Jahr die traurige Realität.

Ich bin ehrlich: Ich hasse alles an Geisterspielen, egal ob Bielefeld spielt oder irgendein anderes Team. Ich verstehe die Notwendigkeit dahinter, ertragen kann ich sie trotzdem nicht mehr lange. Ich habe den Aufstieg nicht im Stadion miterleben können, das erste Bundesliga-Spiel nicht, das erste Tor von Klos, die erste bittere Niederlage und auch Klassenerhalt oder Abstieg werde ich höchstwahrscheinlich nicht im Stadion verfolgen. Alles wäre irgendwie erträglicher, wenn ich wüsste: Wir bleiben in der Bundesliga, Fabian Klos bekommt noch seine ausverkaufte „Alm“ in der Bundesliga – und vor allem bekommt er ein Abschiedsspiel, dass er sich dann nach 10 Jahren wirklich verdient hat. Und das macht mich momentan trauriger als jede Niederlage, weil so habe ich mir das alles nicht vorgestellt.

Von Eva-Lotte Bohle