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Heute wurden die Quali-Begegnungen der diesjährigen French Open ausgelost. Mit Dabei sind auch zwölf Spieler:innen aus Deutschland.


Das sind die Partien:

Alles zu den French Open gibt es auch hier im Podcast:


Zieh dir das mal rein!

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Javi Martínez: Mein letzter Lieblingsspieler

Mit Javi Martínez verlässt der einst teuerste Einkauf der Bundesliga-Geschichte den FC Bayern. Doppelter Triple-Sieger, Schlitzohr, Mentalitätsmonster, aber vor allem Liebling unseres Bayern-Bazis Thomas Poppe, der dem Spanier eine letzte Lieblingserklärung auf den Weg mitgeben möchte.


Es kommt nicht mehr so oft vor, dass ich ein Freundebuch ausfüllen muss. Müsste ich es tun, stünde bei Augenfarbe „blau“, bei Lieblingsessen „Kochkässchnitzel“ und bei Lieblingsspieler „Javi Martínez“. Nach neun Jahren ist die Ära des Basken in München vorbei und bei mir wird das Feld mit dem „Lieblingsspieler“ künftig leer bleiben.

Manchmal sind es die vielen kleinen Zufälle, die gemeinsam große Wirkung haben. Dass die Bayern die beiden Finals 2012 verloren, dass Jupp Heynckes als Ex-Coach von Bilbao ein besonderes Auge auf den Verein hatte, dass es eine festgeschriebene Ablöse gab, die zwar mit 40 Millionen brutal hoch, aber eben doch mit dem Festgeldkonto bezahlbar war, dass andere Teams wie Liverpool ihn nicht mehr reizten. Lange vor „Thiago oder nix“ von Pep gab es ein „Javi oder nix“ von Jupp. Und Jupp bekam seinen Willen, seinen feinfüßigen Arbeiter, den perfekten Entlaster für Bastian Schweinsteiger. Martínez bekam die 8, weil die 24 belegt war und den Rucksack „teuerster Einkauf der Bundesliga-Geschichte“.

Heute sagt er „das war kein Druck, das war Motivation!“ und man glaubt es ihm. Man glaubt ihm irgendwie alles, was er sagt und wenn er immer wieder betont, wie sehr ihm der Erfolg der Mannschaft am Herzen liegt, was für eine Ehre die lange Zeit in diesem Verein war und wie stolz er auf seinen Anteil an jedem einzelnen der 24 Titel ist. Javi Martínez hätte auch ohne Murren den Bus gefahren, die Trikots gewaschen und alle Kickschuhe geputzt, wenn es der Mannschaft geholfen hätte. Das sagt er nicht, aber das fühlt man. Als Kovac ihn im Oktober 2019 auf der Bank sitzen lies, obwohl gefühlt die komplette Abwehr fehlte, weinte er am Spielfeldrand in den Armen von Co-Trainer Flick. Auf die Idee in Interviews zu jammern oder Spielzeit zu fordern, wäre er trotzdem nie gekommen. Alles für den Dackel, der in dem Fall der FCB war.

2013, im Finale von Wembley, war es der BVB, der zunächst dominierte. Und es war Javi Martínez, der diese Drangphase beendete, ankurbelte, motivierte und das Spiel drehte, bevor es einen Rückstand zu drehen gab. Heute ist Robben Mr. Wembley. Martínez legt keinen Wert auf solche Titel. Sein Tor im Supercup gegen Chelsea 2013 „haben die Fans geschossen“. Mit Mitte 20 war er „amtierender Alles“: Europa-, Welt- und Klub-Weltmeister, Uefa-Supercup, Triple-Sieger. Gleichzeitig. Und dann kam der Supercup 2014 und dieser verdammte Volleyschuss, bei dem das Knie von Javi irgendwo an Marcel Schmelzer kaputt ging. Wie immer kämpfte er. Wie immer lächelte er dabei. Wieder zurückkommen. Wieder dem Team helfen. Nicht immer war danach Bedarf, aber wenn dann war er da. Javi Maschínez. Der Anti-van Bommel, der sympathische Aggro-Leader, der feine Fuß, das Mentalitätsmonster, der Typ, der laut Pep auch mit nur einem Bein spielen würde. Und er blieb immer mein Lieblingsspieler. Egal war kam und ging.

In Bayern hat man traditionell nur eine Lederhose. Javi hat 12. Auch damit seine Freunde alle eine haben, wenn sie zum Wiesn-Besuch kommen. Teamplayer – sogar beim Feiern. Wie kann man so jemanden nicht mögen? Mein erstes Foto mit einem Bayern-Spieler war mit Nachwuchskicker Christian Ziege. Da war ich neun Jahre alt. 30 Jahre später mache ich eigentlich keine Selfies mehr mit Stars, sondern freue mich, wenn mein kleiner Sohn sein Idol treffen darf. Javi Martínez ist der letzte aktive Kicker, bei dem ich wieder der Typ wäre, der aufgeregt um ein gemeinsames Foto bittet. Vielleicht schreib ich ja bei Lieblingsspieler trotzdem weiter Javi Martínez hin. Javi oder nix.


Von Thomas Poppe
(Will den Stern des Südens niemals untergehen sehen, Anm. d. Red.)

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