Wenn wir den Männer-Frauen-Vergleich sowie Themen wie Leistungsdruck oder Ungleichbehandlung übertragen auf andere Sportarten – welches Bild ergibt sich da für dich? Im Sommer bist du bei den Olympischen Spielen in Tokio vor Ort…
Ja. Ich glaube, dass Menschen für andere Sportarten außer Fußball wesentlich offener sind. Beim Fußball ist man sehr vorprogrammiert und erwartet bestimmte Bilder. Und wenn man das Haar in der Suppe sucht, findet man immer irgendwo etwas, das einem nicht gefällt. Ich habe sehr viel Respekt vor dem, was da in Tokio passiert, aber ich habe nicht die große Angst davor, so angegriffen zu werden wie beim Fußball.

Ist dir im Fußball Schlimmeres widerfahren?

Es gibt immer so ein paar Dinge. Aber ich will da gar nicht herumjammern. Natürlich gibt es Nachrichten per Instagram oder Facebook, wo du sagst: Das verkackt mir jetzt mal richtig den Tag. So etwas will man nicht. Und du sagst dir immer wieder: Ist ja nur eine Minderheit, die es so negativ siehst. Ich lege auf Social Media nicht allzu viel wert und trotzdem kann dich da mal jemand auf dem falschen Fuß erwischen.

Haben sich die Rückmeldungen und Nachrichten in den Sozialen Netzwerken aufgrund deines Wechsels von Sky zu SWR und WDR verändert?

Ja. Es haben viele geschrieben, dass sie es schade finden, dass ich nicht mehr da bin. Aber grundsätzlich wird es ruhiger. Für eine Sportschau-Zusammenfassung bin ich noch nicht vermöbelt worden, das ist schon besser (lacht).

Bist du mit allen nötigen Abonnements versorgt eigentlich? Man braucht da mittlerweile ja einige, um sämtliche Fußballangebote verfolgen können…

Ja, ich habe alles. Aber es ist unmöglich, alles zu schauen. Ich schaue mir die Sportschau an und ab und an das Aktuelle Sportstudio, aber oft schaue ich auch Sky. Um zu gucken, was die alten Kollegen machen, aber auch, weil du da natürlich alles live hast. Also – fast alles.

Machst du dir Gedanken, welcher Player künftig in den Markt dringen und ein potenzieller neuer Arbeitgeber werden könnte? Stichwort Amazon…
Natürlich informiert man sich, aber ich bin jemand, der es gerne so hat und mag, wie es ist. Also die Spieltagszerstückelung fand ich jetzt eher nicht so gut. Wenn alles geregelt ist – Sky hat seinen Part, die Öffentlich-Rechtlichen haben ihren Part – toll. Ich mag es gerne, wenn das so bleibt. Das heißt nicht, dass ich immer das Gleiche brauche und langweilig bin, die Dynamik im Markt ist sehr wichtig. Aber ich weiß: Ich kann daran nichts ändern, also muss ich es nehmen, wie es ist. Für mich als Journalistin sind die Öffentlich-Rechtlichen gerade das Beste, was mir passieren konnte. Weil es schon immer mein Wunsch war, dort zu landen.

Thema Podcastisierung des Landes: Wo bleibt eigentlich dein eigener Podcast?
Ich höre nur den von Barbara Schöneberger (lacht). Der ist sehr unterhaltsam, ich kann ihr gut zuhören. Immer, wenn ich länger im Auto bin, dann höre ich rein. Oder Reisepodcasts. Aber Sportpodcasts höre ich eigentlich gar nicht.

Wäre es nicht interessant, losgelöst von Arbeitgebern, Senderchefs sein eigenes Ding machen zu können? Eigene Ideen umsetzen und nicht ständig irgendwelche Vorgaben und Aufträge erfüllen müssen?
Man soll niemals nie sagen. Es gibt ein paar Formate, wo ich sagen würde: Das könnte zu mir passen. Ich bin eigentlich kein unkreativer Mensch, aber es ist nun auch nicht so, dass ich sage: Ich muss zwingend mit den neuen Medien etwas eigenes machen. Es gibt vielmehr Sportarten oder Dinge, wo ich in Zukunft noch gerne dabei sein möchte.

Wie blickst du auf – sagen wir mal, die aktuellen Hype-Sportarten – e-Sports, Football, Darts?
e-Sport ist nicht so meins. Ich kenne mich da wenig aus, kann ich auch nicht. Ich kann gerade noch mit der Nintendo Switch umgehen, wo ich mit meinem kleinen Neffen SuperMario spiele. Ich habe auch nicht den Anspruch, sich überall auskennen zu müssen. Und ich habe meine Schwierigkeiten damit, e-Sports als Sport zu bewerten. Sport ist für mich Bewegung. Ich weiß, dass e-Sportler da auch sehr viel reininvestieren, sich kontinuierlich verbessern. Darts beispielsweise sehe ich da deutlich eher als Sport, weil es etwas anderes ist, als den ganzen Tag vor der Konsole zu sitzen.

Abschließend: Hast du Lieblings-Interviewgäste? Protagonisten, bei denen du dich immer wohlgefühlt hast im Gespräch, oder wo es immer lustig war? Du kannst natürlich auch von Interview-Partnern berichten, die das komplette Gegenteil dargestellt haben…

(lacht) Da muss ich aufpassen jetzt. Mit Tayfun Korkut war es immer nett, mit dem konnte man sich gut unterhalten. Benno Möhlmann ebenfalls, der erinnert mich immer an meinen Vater – sowohl optisch als auch charakterlich. Ich war oft in Frankfurt. Es war nicht so, dass er immer nur nette Dinge gesagt hat, aber wenn er da war, wusste ich: Wird gut. Novak Djokovic war schon auch cool. Und Arsene Wenger.

Man kann echt sagen, du hast schon ein paar Nasen getroffen….

Ja, aber das war es dann auch schon.

Glauben wir nicht. Vielen Dank für das Gespräch.



Interview: Cord Sauer
Fotos: Ben Obst 📸

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