Die DFL kämpft, wenn man den jüngsten Aussagen von Christian Seifert Glauben schenken mag, ums Überleben. Dabei wäre die Corona-Krise, in der wir uns gerade befinden, auch ein Chance, die Cash-Cow Bundesliga zum Kälbchen zu machen und wieder back to the roots zu fahren. Eine Träumerei von FUMS Head of Humor Thomas Poppe.


Nennt mich naiv, nennt mich dumm und es ist vielleicht auch zu verkürzt gedacht – aber ich habe eine absurde Vision von der Krise als Chance für den deutschen Fußball. Ein Chance, die Mühlen der Monetarisierung zumindest ein wenig zu stoppen und Wege zu gehen, die sich viele Fußball-Fans seit Jahren wünschen. Ja, die fehlenden Spieltage werden der Liga und den Vereinen Millionen kosten. Ja, einige Teams könnten deswegen in heftige Schieflage geraten. Ja, es hängen auch viele Arbeitsplätze an diesem System. Weiß ich alles. Genau jetzt bietet sich aber eine Chance, die Vereine zu „zwingen“ mit Dingen wie Salary Cups und Gehaltsobergrenzen, auf einfachste Weise siebenstellige Summe sparen zu „dürfen“. Genau jetzt könnten Vereine an einen Tisch kommen und Rettungsfonds für die kleinsten Clubs gründen, weil die ganz Großen auch dank diverser Geldspeicher auf Niedrigstpegel jene Krisenzeit überstehen und Marktführer bleiben werden. Genau jetzt wäre die Chance, back to basic zu fahren. Hin zu einem DFB und einer DFL, die wieder Vereine werden, statt Wirtschaftsunternehmen.

Keine Angst, mir sind die Konsequenzen bewusst. Wenn andere Ligen jenes Szenario nicht mitspielen würden (klar wie Kloßbrühe), würden die großen Spieler nicht mehr zu halten sein und keine neuen Stars mehr in die Bundesliga kommen. Damit wäre Deutschland international – zumindest im Vereinsfußball – auf viele Jahre Mittelmaß. Und weiter? Sind es nicht die Superligen und die immergleichen Duelle der Champions League, die ein Großteil der Fans mittlerweile so satt hat? Hätten in dem hier skizzierten Szenario nicht Liga und Pokal noch so viel mehr an Wert gewonnen? Wäre der Prozess des „sich wieder an die Großen ran arbeiten“ nicht ein Weg, den man über viele Jahrzehnte mit großer Freude beobachten könnte? Wenn das kleine Bayern München die Großen aus Madrid ärgert…?!

Bundesliga: Existenzangst nach drei Monaten Pause?

Lasst mal sämtliche Gedanken rund um die Geisterspiele in zwei Wochen weg, bis es Gewissheit gibt, wie sehr der ganze Irrsinn die nächsten Monate beschränkt. Macht euch Gedanken, ob der beliebteste Sport in einem System stecken darf, dessen Existenz angeblich durch drei Monaten Pause komplett bedroht ist. Handelt klug und besonnen und macht Dinge, die vor allem auch im Sinne der unzähligen Mitarbeiter sind, die fünfstellige Jahresgehälter statt sechsstellige Monatsgehälter verdienen. Lasst ein Ligasystem entstehen, dass das Spiel, seine Spieler und seine Fans im Vordergrund sieht und dadurch automatisch dicke Umsätze generieren wird. So oder so. Es werden Menschen ihre Jobs verlieren. Überall und auch im Fußball. Viele Vereine werden die aktuelle Zeit vielleicht nicht überstehen, vielleicht von Liga 3 in Liga 10 stürzen oder komplett verschwinden. Wer glaubt, ein paar Geisterspiele ändern daran etwas, ist mindestens so naiv wie Aki Watze in der Sportschau, dem offenbar die BVB-Aktie gerade so wichtig ist, wie Preppern Nudeln und Klopapier.

Wenn Seifert Angst um den Fußball hat, dann hat er in Wahrheit Angst um eine Gelddruckmaschine. Der Fußball wird nicht sterben. Ob Lewandowski und Werner oder irgendwelche Jungs aus der Regionalliga, deren Namen wir noch nicht kennen, die Gesichter der höchsten deutschen Spielkasse sein werden, wird dem Spiel selbst nichts antun. Mal von der spielerischen Qualität abgesehen. Eventuell muss ein gigantische Cash-Cow zum Schlachter und es wir nur noch ein kleines Kälbchen bleiben. Ich weiß, es ist wahrscheinlich naiv und dumm und zu kurz gedacht – aber besondere Zeiten erfordern besondere Träumereien.


Von Thomas Poppe
(nach dem Erbau der FUMS-Paywall auf dem besten Weg zur Cash Cow, Anm. d. Red.)

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