Hinter dem 33. Spieltag der Saison 19/20 ist ein fetter Haken und die Mannschaft mit den meisten Spielen in der 1. Fußball-Bundesliga seit Gründung – Werder Bremen – steht am Abgrund. Der zweite Abstieg für die Grün-Weißen (nach 1980) scheint so gut wie besiegelt, den Hauch einer Chance hat die Kohfeldt-Truppe aber noch. Unser FUMS-Klofeldt Cord Sauer hätte normalerweise nochmal sämtliche Strohhalme rausgekramt, um sich am letzten Spieltag daran zu klammern, doch irgendwie ist diesmal alles anders: Werder, das war’s.


Schuldig im Sinne der Anklage: Den 33. Spieltag habe ich größtenteils im Garten meiner Schwiegereltern mit Kaffee und Erdbeerkuchen verbracht. Das ging erstaunlich gut bis zum ersten Blick aufs Smartphone, bis zum ersten Blick auf die Spielstände. 16:40 Uhr, zweite Halbzeit in der Fußball-Bundesliga. Werder in Mainz, ein weiteres Alles-oder-Nichts-Spiel, 0:2. Die Themen vorher: Urlaubsziele 2020, Schmusegewohnheiten der Katzen, Grillgut, bisschen Politik, klar. Die Gedanken nach 16:40 Uhr: Wetten, das war’s…?

Das wird nix mehr mit Werder in dieser Saison. Das ist spätestens jetzt klar wie die viel zitierte Kloßbrühe und das ist vermutlich auch gut so. All das Hoffen, Zittern und Schönreden – vorbei. Besser für die eigenen Nerven, besser für die Mitmenschen, besser für den Seelenfrieden. Chancen hatten die Bremer genug. Die aktuelle Spielzeit allerdings ist voller Enttäuschungen. Schlechteste Heimbilanz ever, schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, schlechteste Torausbeute, schlechte Ergebnisse gegen eigentlich klar zu schlagende Gegner, schlecht, schlecht, schlecht. Das alles natürlich mit dem – Ironie off – besten Trainer der Vereinsgeschichte. Könige Otto und Schaaf mal hart ausgeklammert. Was wurde Florian Kohfeldt hochgejubelt, hochgehandelt, nachdem er zunächst wochenlang konsequent falschgeschrieben wurde? Wie Kohfeldt den Kampf annahm, das Team nie aufgab und stets neu motivierte, hatte wirklich Champions-League-Niveau. Nicht zuletzt seine sehr, sehr guten Pre- und Post-Match-Interviews. Half alles nichts: Werder, das war’s.

Werder-Fans scherzen über mögliches Düsseldorf-Unentschieden: Zack, Tor!

Um es kurz klar zu stellen: Die Entscheidung der Klubführung, diesen Weg konsequent mit Kohfeldt zu gehen – ohne Trainerwechsel, ohne Aktionismus und trotz enorm hohem Handlungsdruck, verdient meinen größten Respekt. Genau diese Besonnenheit und Ruhe wünsche ich mir viel öfter vor allem auch von jenen Klubs, die „Unruhe“ unsichtbar im Vereinswappen stehen haben (das hier geht raus an euch, FC Schalke, HSV, VfB Stuttgart). Werder-Family, grün-weißer Sumpf und Stallgeruch hin oder her. Äußere Einflüsse immer wichtig, lassen sich aber auch hinzuholen, ohne den Chefcoach in Krisenzeiten vor die Tür zu setzen. Ob das in dieser Saison bei Werder passiert ist? Vielleicht zu wenig. Fest steht: Diese Saison kannst du nicht beschissener malen: Verletzungspech (nie krasser erlebt), Corona-Pause und kein Fan-Support (noch nie erlebt) – fehlt eigentlich nur noch das Karriereende von Legende Claudio Pizarro (unvorstellbar). Oh, wait. Wetten, das war’s…?

Dass RB Leipzig, VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim (oben) mitspielen, während Werder nun zu 95% runter muss, tut weh. Der Blick auf die Konkurrenz? Zeitverschwendung. Das hat sich Grün-Weiß schön selbst verbockt. Still remember the 0:5 im Weserstadion gegen Mainz 05 kurz vor Weihnachten. Aber auch all die 0:1-Niederlagen gegen Paderborn, Köln, Düsseldorf, Wolfsburg, BAYERN. Wo es immer so hart umkämpft war, immer so knapp, immer so bitter. „So spielt kein Absteiger“, habe ich in den vergangenen Monaten oft gesagt. Offenbar ist aber völlig egal, WIE ein Absteiger spielt. Diese Saison hatte mein Herzensklub keine Scheiße am Schuh, diese Saison war mein Herzensklub von Kopf bis Fuß mit Scheiße vollgeschmiert. Und das Zeug geht so schwierig wieder ab. Werder, das war’s.

Wenn es kommende Woche wieder eines der berühmt-berüchtigten Wunder von der Weser geben sollte gegen den 1. FC Köln, löscht sich dieser Text hier von selbst, klar. Aber eine Frage hätte ich noch: Fortuna Düsseldorf, direkter Konkurrent um den Relegationsplatz, gastiert nächsten Samstag an der Alten Försterei und ihnen reicht bereits ein Remis – vom Wunder von Berlin habe ich, Stand jetzt, noch nie etwas gehört. Ihr etwa?


Von Cord Sauer
(hat vom ständigen Daumen drücken in dieser Saison offenbar so derbe Folgeschäden davon getragen, dass er keine vernünftige Texte mehr schreiben kann, Anm. d. Red.)

Total wichtig jetzt: Werder-Fans können ihr Bier im Stadion selber zapfen!

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