Der FC Bayern marschiert von Sieg zu Sieg. Grund genug für uns, unserem Edel-Bazi Thomas Poppe noch mal die Szenen vom Finale Dahoam aufzuzwingen und ihn die Prime-Doku „Schw31ns7eiger Memories – Von Anfang bis Legende“ schauen zu lassen. Sein Fazit: Ernüchternd, wie die beiden Tage nach der FUMS-Weihnachtsfeier.


Was früher das Unterarmtattoo war, ist heute für Fußball-Profis die eigene Doku. Eine der ersten war die über Thomas Broich, der sich von Aljosha Pause so tief in die Seele blicken ließ, wie es davor vielleicht noch kein ehemaliger Bundesliga-Spieler tat. Entsprechend groß war die Hoffnung, ein solches Brett auch zu dem Überspieler meiner Generation vor die Nase zu bekommen. Mit Til Schweiger als Produzent war dann zumindest schon mal sicher: Die Inneneinrichtung im Hintergrund bei den Interviews wird High End.

Und so war es dann auch. Perfekt ausgeleuchtet und viel zu gut geschminkt erzählen ehemalige Wegbegleiter von Jugend bis Jupp über die längst bekannte Mentalität des „Fußballgottes“, wie ihn die Südkurve in München bis heute nennt. Hermann Gerland gefällt, Ballack und Kahn lassen in die Hackordnung im Herrenfußball blicken. Dazu gib es neben Szenen als FCB-Spieler auch Privatmaterial vom Papa, während Bruder Tobias und Buddy Felix Neureuther nette Häppchen aus der Kinderzeit verraten. Die letzten Tage in Chicago bilden die Rahmenhandlung, dazwischen die klassischen Stationen, die ohnehin jeder kennt, der die letzten 16 Jahre auch nur im Ansatz mit Fußball zu tun hatte. Das ist ok, aber fühlt sich eben an wie ein Bildband mit sehr großen Fotos und sehr kleinen Bildunterschriften. Finale Dahoam, Triple, die Turniere mit dem DFB. Kennt man alles. Schön, es mal wieder zu sehen.

Schweinsteiger-Doku wie ein Babybecken: Wenig Tiefgang

Nicht, dass ich erwartet hätte, dass das Dauergerücht einer Affäre zwischen Mario Gomez und Schweinis damaliger Langzeitfreundin Sarah Brandner aufgedeckt oder aus der Welt geräumt wird. Aber die sieben Jahre der deutschen Beinahe-Beckhams mit keiner Silbe zu erwähnen, mutet dann eben doch auch etwas seltsam an. Wäre diese Doku ein Schwimmbad – sie käme in Sachen Tiefe nur selten aus dem Babybecken heraus, um mal ein Bein in den Nichtschwimmerbereich zu strecken. Da hockt ein Christian Falk von der SportBILD, den Schweinsteiger mal in einer PK heftig anging, weil er von ihm als „Chefchen“ betitelt wurde. Aber über den Vorfall: Kein Wort! Dann gab es da einst diese Aktion, als Schweinsteiger als Nachwuchskicker ins FCB-Trainingsgelände eindrang und mit seiner „Cousine“ im Whirlpool badete. Auch dazu: Kein Wort. Dabei wäre die Doku der perfekte Platz für genau solche Stories gewesen.

So sind die coolsten Insights für mich dann die, die nur über Bande mit Schweinsteiger zu tun haben. Hoeneß hat das Finale 2014 allein in der Zelle geschaut, Neuers Abschlagvorlage auf Klose war kein Zufall und bei der Ankunft in Chicago wurde Papa Schweinsteiger am Flughafen vergessen. Dass Bastian Schweinsteiger ein großartiger Fußballer und ein bescheidener, bodenständiger Mensch war und ist, hatte eigentlich noch nie jemand angezweifelt. Nicht mal die Bayern-Hasser. Am Ende gab es dann doch noch mal einen gigantischen A-ha-Moment. Kevin Großkreutz ist Weltmeister, Lionel Messi nicht. „Schw31ns7eiger Memories – Von Anfang bis Legende“ ist das, was man erzählt, wenn man mit Leuten zusammenhockt, die man noch nicht lange kennt, aber recht sympathisch findet. Gerade genug, um unterhaltsam zu sein, aber bloß nicht zu viel. Ab und zu hängt dann auch Schweiger seine Keintornase ins Bild, der das ganze Teil zu dem machte, was man eben schon von seinen Filmen kennt. Solide Hochglanz-Unterhaltung ohne viel Tiefgang. Wer solche Bilder der Karriere eines großartigen Kickers sehen will, wird auf seine Kosten kommen. Mein Fazit: L31DER NICHT SO GU7 .


Von Thomas Poppe
(hat weder Unterarmtattoo noch ne eigene Doku, aber Matthias Schweighöfer arbeitet sicher schon dran, Anm. d. Red.)

design&umsetzung: stark&kreativ