Vor gar nicht all zu langer Zeit, da hatten Matthias Sammer und Anna Sara Lange hier bei uns ihre eigene gemeinsame Rubrik hatten. SIE Charmeoffensive, ER Eisblock. Gestern Abend beim Spiel Bayern vs. Juve hatte nun Sky-Moderator Patrick Wasserziehr die Aufgabe, den FCB-Sportdirektor zu befragen. War auch ziemlich gut. Wir haben mal das Gesprächsprotokoll aufgezeichnet.


Champions League | Achtelfinale Rückspiel | Bayern München vs. Juventus Turin

Wasserziehr: Herzlich Willkommen Matthias Sammer. Franz Beckenbauer hat eben unnachahmlich festgestellt: Einen Lionel Messi haben die Bayern nicht, sie hätten einen Arjen Robben gehabt. Aber der kann heute nicht. Wegen einer Erkältung. Reicht eine Erkältung, um so ein Spiel abzusagen? Oder steckt mehr dahinter?

Sammer: Jaaa, da steckt bisschen mehr dahinter. Ähhh…Erkältung, das wär nicht das Problem gewesen. Er hat Adduktoren. Probleme. Ist keine Riesengeschichte, aber lässt ihn eben für heute und für Samstag wahrscheinlich auch nicht zur Verfügung stehen. Da brauchen wir bisschen Geduld. Ist keine große Geschichte. Geht aber nicht.

Wasserziehr: Wann sind die aufgetreten, die Adduktorenprobleme? Wo hat er sich das geholt?
Sammer: Öhhhhh am…Sonntag.
Wasserziehr: Bei?
Sammer (irritiert): Beim Training.

Wasserziehr: Ok? Sie gucken so.
Sammer: Ja, äh. Wir haben jetzt nen Spieler. Ich glaub wir haben jetzt 30 Sekunden Interview…

Wasserziehr: Ne…Drei Minuten.
Sammer: Über zwei Minuten, der nicht dabei ist. Deshalb guck ich bisschen grimmig. Deshalb muss ich mich mit denen beschäftigen, die da sind. (…) Wenn wir vom Arjen allein abhängig sind, dann haben wir sowieso ein Problem.

Wasserziehr: Das hat sich ja sowieso geändert, sie haben ja Alternativen. Und eine ist heute Franck Ribery. Was wollen Sie von ihm sehen?
Sammer (schmunzelnd): Ich will ne Mannschaft sehen. Ich will eine ähhh ähhh Ausstrahlung sehen und ähh eine Mentalität die geprägt ist ähhh natürlich von Selbstbewusstsein, Bescheidenheit und natürlich: wir wollen unser Spiel spielen. (…) Wir wissen, dass das Spiel vorne in der Box und hinten in der Box entschieden wird. Wir brauchen eine Killermentalität (…).

Wasserziehr: Was sind die Lehren aus der letzten halben Stunde des Hinspiels?
Sammer:
Ja. Ähh eigentlich genau das, was ich in der vorigen Frage beantwortet hab. Nämlich im Strafraum konsequent zu sein, leichte Fehler zu vermeiden, leichte Standards zu vermeiden. (…) Ein Spiel geht nun mal 90 oder 120 Minuten. Ich weiß nicht, ob es heute Elfmeterschießen gibt. Also erst wenn du über der Ziellinie bist kannst du dir sicher sein. Kein Vorwurf aber da haben wir im Hinspiel schon ein zwei Fehler zu viel gemacht.

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Wasserziehr: Pep Guardiola will das Triple unbedingt. Hat Uli Hoeneß am Sonntag gesagt. Wie viel Druck macht sich Guardiola selbst?
Sammer (den Stehkragen seiner Trainingsjacke zuziehend): Ich freu mich erst einmal, wenn der Uli das sagt aber ich bin jeden Tag mit Pep ähhhhhh zusammen und ich kann das nicht bestätigen. Das muss ich ganz klar sagen.

Wasserziehr: Aber Uli Hoeneß ist ja nicht irgendjemand…

Sammer: Ja, aber ich heiß ja Sammer. Sammer. Und bin jeden Tag mit ihm zusammen. Und ich schätze den Uli Hoeneß sehr. Aber es stimmt nicht. Es stimmt einfach nicht. Wir wollen alles gewinnen. (…). Aber unser erstes großes Ziel ist die vierte Meisterschaft. Das ist Geschichte. Das hat in Deutschland noch keiner geschrieben. Wir wollen die anderen Ziele nicht hergeben. (…) Man bekommt immer das, was man verdient hat. Auch bei uns intern, in keiner Sitzung ist das Argument, dass wir das Triple holen müssen. Ich – Sammer. Uli hat das gesagt. Er will das ja auch. Er gönnt das dem Verein und deshalb ist das richtig. Aber wir leben das nicht mit Worten vor sondern mit Taten.

Wasserziehr: Matthias Sammer, vielen Dank.


Fazit: Matthias Sammer hat seinem Ruf als Rudi Völler 2.0 mal wieder alle Ehre gemacht. Zwischen handgestoppten 23 „Ähhh’s“ und einem „Öhhhh“ war nicht nur der „Wir haben doch hier nur 30 Sekunden“-Einwurf weltklasse, sondern vor allem die klare Breitseite gegen Uli Hoeneß. Er, Uli, Ich, Sammer. I, Robot. Will Smith dürfte sich neben Schnellfeuerwaffe Sammer fühlen wie ein kleiner Schuljunge. Aber das ist eine andere Geschichte…


(csa) (Fotos: Screenshot Sky)

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