Claudia Neumann hat gerade alles, aber sicher keine Langeweile. Mit der Initiative „Fußball kann mehr“ und der Europameisterschaft laufen gerade zwei große Projekte auf Hochtouren. Dennoch nahm sich die ZDF-Reporterin Zeit für ein ausführliches Gespräch mit FUMS-Redaktionsleiter Thomas Poppe und sprach mit ihm unter anderem über Frauen im Fußball, Favoritenrollen während der EURO und Fallrückzieher wie Fischer.


Hallo Frau Neumann, wir wollten auf Insta und Twitter posten, dass wir mit Ihnen über die EM sprechen und Sie dabei verlinken…
Twitter, was ist das? (lacht) Ich gehöre ja zu einer Generation, die das am Anfang verpennt haben. Und heute finde ich eine andere Form der Kommunikation für mich sinnvoller.

Es gibt auch keinen „Claudia Altmann“-Fake-Account zum „mal reinschauen“?
Ich habe natürlich Möglichkeiten, wenn es journalistisch wichtig ist. In der Tat ist es ja so, dass Informationen auch mal über Social-Media-Kanäle gestreut werden, bevor Medien informiert werden und da stellen wir uns im Team auf. Zur Euro gehen wir mit einer Doppelspitze, schön paritätisch. Mein Redakteur Jens Momma blinzelt da hin und wieder durchs Netz.

Es wird viel über Claudia Neumann als Kommentatorin gesprochen, aber Sie sind schon als kleines Kind Fußball-Fan gewesen. Wie kam das?
Reiner Zufall. Ich bin nur mit Jungs um mich herum aufgewachsen, habe zwei Brüder. Es gab auch Mädels in meiner Generation, die sich dann schlau gemacht haben, wo sie mit anderen Frauen spielen können. Das war für mich nicht so entscheidend. Ich habe mich immer über dieses Spiel definiert und das durch alle Altersklassen auch mit Jungs gemacht. Natürlich gab es Widerstände, quasi im eigenen Haus, weil sich das damals nicht schickte. Später habe ich Sport studiert, Leistungskurs Fußball belegt, um einfach weiter spielen zu können. Im Berufsleben gabs dann die klassischen Redaktionskicks, bis die körperlichen Gebrechen zu groß wurden (lacht).

Warum haben Sie dennoch den schwierigeren Weg gewählt statt Turnen zu kommentieren?
Es ist tatsächlich die Liebe zu diesem Sport. Ich komme aus dem Ballsport, habe eine Faible und ein gewisses Talent für alle möglichen Ballsportarten. In der Schule war Basketball groß, weil der Hauptlehrer Basketball-Fan war und das habe ich auch gespielt in Mädchenteams. Das war mir dann oft nicht gut genug. (lacht) Stattdessen habe ich mit Tennis begonnen, spiele das noch leidenschaftlich, weil es auch mit Bandscheibenvorfällen und Knorpelschäden einigermaßen geht. Vom Turnen verstehe ich übrigens nichts.

Aber warum tut sich Fußballdeutschland so schwer mit diesem Thema?
Es ist historisch gewachsen. Fußball ist von vielen Menschen mit den damaligen Erkenntnissen von Sport und physischen Wissenschaftlern als klassischer Männersport deklariert worden. Deutlich mehr als andere Ballsportarten und vor allem im Europa. Wir sehen ja in den USA, dass es da komplett anders lief, weil dort mit Football, Baseball oder Eishockey vermeintlich körperlich anspruchsvollere Sportarten dominierten. Der Fußball in der Genese fast als ideal für Frauen empfunden wurden. Wenn in den 70ern noch Bedenken bestehen und ein Verband sogar ein Verbot beschließt, dann trägt das sich durch eine Gesellschaft und man adaptiert die Haltung.

Die Haltung, dass Frauen in die Küche gehören und Kinder bekommen sollen?
Wir sind noch nicht weit davon entfernt, dass Frauen ohne Erlaubnis der Männer nicht arbeiten durften. Das ist ein historisches Rollenbild, welches in den letzten 30 Jahren zum Glück bröckelt. Aber nicht schnell genug. Selbst ich, die sich früher auch nicht so sehr mit diesen Themen auseinandergesetzt hat, sondern einfach nur ihr Ding gemacht hat, erkenne, mit welcher Ignoranz eine vermeintlich moderne Gesellschaft vorgegangen ist. Wir glauben, dass wir über den Sport und den Fußball vieles transportieren und vermitteln können. Das treibt uns gerade um, ein Bewusstsein zu vermitteln, dass aus historischen Ungerechtigkeiten heraus argumentiert wird. Wir erleben eindrucksvoll bei den jüngeren Generationen, dass sie viele Bedenken überhaupt nicht mehr nachvollziehen können.

Wie sind Sie in der Zeit der Widerstände so weit gekommen?
Ich kann für mich wirklich sagen, dass ich immer Unterstützer hatte. Nicht mehr und nicht weniger als die männlichen Kollegen gleichen Alters. Aber ich habe auch die Defizite in anderen Bereichen gesehen. Ich bin in eine Zeit hineingewachsen, als das Privatfernsehen durch die Decke geschossen ist und hatte tolle Redaktionsleiter, die es als Herausforderung und Geschenk gesehen haben, mit einer jungen Frau arbeiten zu können, von der sie schnell herausgefunden haben, dass sie sich in der Basiskompetenz nicht von den männlichen Kollegen unterschieden hat. Beim Schritt zum Live-Kommentar haben alle Beteiligten diskutiert, wie weit die Gesellschaft nun wohl sei. Das erschien uns in der Zeit um 2007/08 zunächst beim Frauenfußball deutlich smarter. Das Letzte war dann – und da muss man auch unterscheiden – ein großer öffentlicher Sender, ein Männerturnier mit Millionenpublikum. Da war die Aufmerksamkeit riesig und die Skeptiker empfanden es offenbar als Einbruch in ihr ureigenes Refugium „Oh, da ist ja ne Frau, die will uns 90 Minuten den Fußball erklären“. Und das ist dann einhergehend mit der Systematik von Social Media explodiert. Damit mussten wir dann alle umgehen, aber das waren sehr bewusste und reflektierte Schritte. Nichts kam überraschend, denn das Phänomen des Fußball-Kommentatoren Bashings war ja auch meinen männlichen Kollegen ein ständiger Begleiter.

Jetzt reden wir schon wieder lange über „die Rolle der Frau im Fußball“. Nervt Sie das manchmal oder sind Sie sich ihrer Rolle bewusst und wissen, dass wir an den Punkt kommen müssen, dass diese Fragen nicht mehr gestellt werden, sie aber bis dato wichtig sind?
Das ist das Ziel. Ich sage es immer mit einem gewissen Quantum an Beschämung: Ich habe mich mit der Thematik lange nicht mit beschäftigt. Obwohl ich in meiner Berufslaufbahn – gerade als es bei „ran“ losging – immer mal wieder die ewig gleichen Fragen mitbekommen habe. Damals hat sich aber viel auf die ersten Moderatorinnen kapriziert, was mir sehr recht war. So richtig hat sich das erst in den letzten Jahren beschleunigt und das hat mit dem rasanten gesellschaftlichen Wandel zu tun. Das ist gut so und deswegen nervt es mich jetzt überhaupt nicht mehr. Ich realisiere jetzt die Verantwortung, nehme sie auch gerne wahr, weil ich den Sinn darin erkenne. Und, weil ich mich mit anderen Frauen und Männern committed habe, die sich schon deutlich länger mit der Notwendigkeit von Gleichberechtigung und Diversität im Fußball auseinandersetzen. Die haben mir die Augen geöffnet, was da alles brach liegt und welch große Chancen für uns hier als Speerspitzen bereit liegen, die wir ergreifen müssen.

Wie kann man den Gleichstellungsprozess beschleunigen?
Wir plädieren bei „Fußball kann mehr“ (Neue Plattform auf Initiative eines Bündnisses mehrerer Protagonist*innen aus der Sport- & Medienbranche, Anm. d. Red.) für einladen, holen, aber fördern! Nicht im Sinne von „Männer haben es nicht nötig“. Der Pool der Männer, die sich die großen Aufgaben im Fußball auf allen Ebenen zutrauen, ist riesig. Der der Frauen, die Führungspositionen im Fußball anstreben eher klein, weil sie lange Zeit nur verschlossene Türen wahrgenommen haben. Man muss die Ausstrahlung verändern und kreative Lösungen finden um Männer und Frauen gleichermaßen an die Aufgaben heranzuführen. Aber erstmal muss man ein krasses Ungleichgewicht ausbalancieren. Niemand von uns hat Interesse, begabte und talentierte Männer auszugrenzen, das ist ganz wichtig.

Mit Katja Kraus, Bibiana Steinhaus, Helen Breit und vielen weiteren Mitstreiterinnen, haben sie geballte Expertise bei „Fußball kann mehr“. Waren Sie sich sofort über alles einig?
Wir haben ganz lange an unseren Zielen gearbeitet, sehr kontrovers diskutiert. Ich war zum Beispiel früher immer eine Gegnerin der Quote, weil ich genau den gleichen Fehler gemacht habe, wie die meisten Menschen aus meiner Erfahrung jetzt: Sich nicht aus mehreren Perspektiven diesem Thema anzunehmen und zu denken „Quote bedeutet verpflichtend eine Frau zu bevorzugen ohne auf Qualität achten“. Fehler! Ich sehe das heute komplett anders und da haben mir die deutlich jüngeren Frauen wie Helen Breit oder Sandra Schwedler die Augen geöffnet. Ich hab dazu gelernt, aber das war ein echter Prozess. Genauso mit der Festlegung auf genderneutrale Sprache. Ich gehöre weiter zu denen, die keinen moralischen Zeigefinger mag und finde, dass man die Leute langsam mitnehmen muss. Aber die Ausgangslage ist die, dass nicht der, der sich gequält fühlt, weil er sie anwenden soll, sondern der, der sich ausgeschlossen fühlt, weil sie nicht angewendet wird, für mich Priorität hat. Andersrum sollten wir nicht so herumschimpfen mit Menschen, die es erst mal nicht so hinbekommen, weil es eine Umstellung ist. Wenn ich live kommentiere, schaffe ich es auch nicht immer stringent, es ist ein Lernprozess. Ich arbeite daran, aber ich wäre die Letzte, die mit dem Finger auf andere zeigt und sagt „Du bist ein Vollhorst!“ Wenn mir jemand sagt, dass er sein Leben lang zum Beispiel unter Rassismus gelitten hat, dann ist das für mich das entscheidende Kriterium und nicht, ob ich etwas für richtig halte. Diesen Perspektivwechsel haben glaube ich zu viele Leute noch nicht gemacht.

Frauen im Fußballball als Abziehbild unserer Gesellschaft.
Genau. Und das ist ja das Schöne, dass der Fußball von den Verbänden ausgehend eine gesellschaftliche Aufgabe hat. Nicht nur in Sachen Diversität. Fußball kann eine Vorreiterrolle einnehmen, das ist angekommen bei den Entscheidungsträgern und diese Karte müssen wir noch viel offensiver spielen – auch in anderen Sportarten. Wir sind mit „Fußball kann mehr“ öffentlich geworden, zufällig als der DFB in der größten Krise steckte und da hat der Boulevard ein paar Kausalitäten hergeholt, die so nie beabsichtigt waren.

Wie läuft es bisher mit der Umsetzung der Ziele?
Wir haben die Rolle angenommen aus einer unabhängigen Position heraus Druck zu machen, den von allein ist über Jahrzehnte nicht passiert. Die Unzufriedenheit existierte ja auch innerhalb der Verbände, nur waren da die Kräfteverhältnisse so eindeutig, dass Frauen nichts ausrichten konnten. Unsere Ziele haben wir dann in 8 Forderungen klar formuliert. Für das dann vakante DFB-Präsidentenamt hätten wir eine Doppelspitze als ideales Zeichen von gelebter Diversität gesehen. Die gültigen Satzungen gaben das aber nicht her. Wir hatten viele Unterstützer, aber selbst die haben in ihren Gremien keine Mehrheit für eine Satzungsänderung bekommen, weil das Netzwerk der alten Führung so durchtränkt war. Alle Einflüsse von außen wurden ganz bewusst abgewendet, aber es ist ja dennoch etwas passiert auf dem DFB-Bundestag. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, 30% Frauen im neuen Präsidium.

Mit der EM steht ja direkt noch ein schönes Ereignis an. Viel Arbeit, viel Vorfreude?
Wenn wir den ganzen administrativen Kram weglassen, ist die Vorfreude riesig. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Vorbereitung im Frauenfußball deutlich intensiver ist, weil ich weniger gucken kann, weniger mitbekommen habe als im Männerfußball und mir erst wieder eine richtige Basis draufschaffen muss. Das letzte Turnier ist drei Jahre her, da hat sich die Hälfte der Kader verändert, und valide Infos gibt’s auch nicht wie Sand am Meer.  Die erste Woche ist immer total anstrengend, aber ich bin gut reingekommen und jetzt up to date. England ist für mich übrigens Top-Favorit auf den EM-Titel.

Oliver Bierhoff hat das Halbfinale ausgerufen, Joti Chatzialexiou fänd das Finale toll und Sie sagen, England gewinnt…
Oliver Bierhoff hat das Zitat Anfang des Jahres als Anspruch für alle DFB-Mannschaften ausgerufen. Halbfinale muss immer der Anspruch für alle DFB-Mannschaften bei Turnieren sein. Das fand ich eine vernünftige Aussage, weil er immer darauf hinweist – gerade bei Männern – dass der Nachwuchs in den nächsten 1-2 Jahren ein Problem bietet. Dass Joti Chatzialexiou mit dem Eindruck des Schweiz-Spiels die Erwartung noch mal hochschraubt, finde ich super. Eine deutsche Mannschaft sollte immer mit einem solchen Selbstverständnis in ein Turnier fahren. Das ist allerdings ein wenig zerbröselt. Nadine Angerer hat während der 2013er-EM gesagt, dass die Mannschaft die positive Arroganz verloren hat. Es lief nicht mehr wie geschnitten Brot, die jüngere Spielerinnengeneration musste eine eigene Identität entwickeln. Wenn eine so erfolgsverwöhnte Nationalmannschaft plötzlich nicht mehr gewinnt, ändert sich vieles, in interner und externer Wahrnehmung. Auch in diesem Jahr ging schon einiges daneben, es ist schwierig einzuschätzen zu was dieses Team bei der EM fähig sein wird.  

Sie betonen gerne, dass Sie Journalistin sind. Wie schwarz-rot-gold können, wollen und dürfen Sie die deutschen Spiele kommentieren?
Grundsätzlich sehe ich mich in erster Linie wirklich als Journalistin, Fußballspiele zu kommentieren ist ja nur ein Teil meines Jobprofils. Ich benutze nicht „wir“, weil ich nichts zum Erfolg oder Misserfolg dieser Mannschaft beitrage. Ich feiere mich auch nicht, wenn sie gewinnen, sondern die Mannschaft. Natürlich darf man als Deutscher Kommentator oder Kommentatorin mit der Mannschaft mitfiebern. Trotzdem kann mich eine Topaktion der Gegner auch mitreißen und ich habe vor allem totale Wertschätzung dafür, versuche aber natürlich aus der deutschen Sicht mitzudenken. Es ist ein schmaler Grat, klar. Vielleicht in Deutschland ein wenig überbetont. Wenn jemand „wir“ oder „unsere Mannschaft“ sagt, soll mir das auch egal sein.

Der Frauen-Fußball findet aktuell mehr Aufmerksamkeit als je zuvor…
Na ja, es ist jetzt bereits das fünfte Turnier, bei dem ARD und ZDF alle Spiele übertragen. Ich habe in Portalen gelesen, „die übertragen nur die Deutschen, ansonsten braucht man ein DAZN-Abo“ – das stimmt natürlich nicht. Wir übertragen alle Spiele, einige allerdings im Stream. Die Diskussion um den Stellenwert des Onlineangebots muss man jetzt auch mal führen. Klar, älteren Leuten – und ich gehöre ja fast dazu – muss man vielleicht erklären, wie man den Stream verfolgen kann, aber der ist für jeden frei zugänglich. Ich persönlich würde noch gerne mehr im TV sehen, quasi als Botschaft für mehr Sichtbarkeit des Frauensports im Allgemeinen. Ich habe meine Argumente vorgetragen – auch im Zusammenhang mit dem, was wir gerade in der Gesellschaft erleben. Aber es gibt eben auch eine andere Perspektive, nämlich die, dass bestehendes Programm rausfällt. Das muss man bei all den aktuellen Debatten auch berücksichtigen. Es ist eine große Herausforderung für alle Programmverantwortlichen eine gute Lösung für alle zu finden. Das respektiere ich voll und ganz.  

Spielern sind 20 Millionen zu wenig Gehalt, die WM ist im Winter in Katar und Ablösesummen sind weiter unfassbar hoch. Kann die nicht eingehaltene, aber groß versprochene Demut der Männer eine Chance für die Frauen sein?
Viele haben gehofft, dass es sich nach Corona extremer auswirkt. Die Stadien sind schon wieder recht voll gewesen. Viele super konstruktive und kritische Fans, die Finger in Wunden gelegt haben, aber als es darauf ankam, waren sie doch wieder im Stadion. Wir leben und lieben alle den Fußball, da ist eine ultimative Konsequenz ziemlich hart. Und das ist, was ich vorhin schon angeschnitten hatte: Es gibt so unterschiedliche Betrachtungsweisen. Wenn man – und das muss man auch im Profifußball der Männer – den Fußball als Wirtschaftsunternehmen sieht, dann gibt es ein paar andere Kriterien. Ablösen und Gehälter? Schrecklich, wie das so explodieren konnte, spätestens 2016 mit Neymar. Das ist eine fatale Entwicklung und die wieder einzuholen, ist wahnsinnig kompliziert. Die einen argumentieren zurecht: „Wenn wir nicht abgehängt werden wollen in Europa, müssen wir…“, auf der anderen Seite will man den Frauenfußball ja auch professionalisieren und er soll auch mehr Wirtschaftlichkeit erreichen. Dann warnen die anderen schon wieder, dass man bei den Frauen nicht die Fehler des Männerfußballs machen sollte.

Wie sehen Sie die Equal Pay Debatte?
Ich finde, die Verantwortlichen im DFB haben es versäumt, eine klare Botschaft zu senden. Die Headline „Rekordprämie“ führt ein bisschen auf die falsche Fährte. Die absoluten Zahlen sind von Turnier zu Turnier immer gestiegen, auch weil die Prämienausschüttung der Veranstalter stetig angewachsen ist. Bei Frauenturnieren ebenso wie bei Männerturnieren. In Relation gibt es kaum Annäherung. Das haben andere Nationalverbände deutlich besser hinbekommen. Ein echtes Signal im Sinne der Gleichberechtigung gesetzt.

Und die Männer gehen nach Hause und kassieren im Verein wieder eine Million im Monat…

Also erstmal muss man differenzieren zwischen Verbandbezahlung und Vereinsverdienst. Das sind zwei paar Schuhe. Wir reden hier ausschließlich über Ausschüttungen des gemeinnützigen Dachverbandes. Ich habe das auch mit Kollegen diskutiert, da gibt es auch andere Haltungen, aber ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass man kein gutes Ergebnis erzielt hätte wenn man mit den Mannschaftsräten diskutiert hätte, gemeinsam mit den Frauen hier und Thomas Müller oder Manuel Neuer dort. So in der Art „ihr bekommt mit, was in dieser Gesellschaft los ist, könnt ihr euch vorstellen auf ein paar Prozent zugunsten der Frauen zu verzichten und wir geben es als gemeinsames Zeichen eines gemeinsamen deutschen Fußballbundes raus“. Das hätte in meinen Augen großen Charme gehabt.

Lassen Sie uns zum Ende hin noch ein paar andere Fragen klären, die uns auf dem Herzen liegen. Grafit, Grafitsch oder Grafite?
(lacht) Kann ich genau beantworten: Das hängt von der Region in Brasilien ab. Das ist wie bei uns mit der Mundart. Wir hatten uns auf Grafitsch geeinigt. Unsere Experten – unter anderem Béla Réthy, der in Brasilien aufgewachsen ist – haben das damals klären lassen.

Sie haben mal ihre Hater mit „Die meisten waren noch nicht geboren, als ich schon Fallrückzieher versenkt habe“ angesprochen – bitte erzählen Sie mehr von diesem Fallrückzieher.
(lacht) Das war eine spontane Reaktion, die ich in der Leichtigkeit des Seins während der EM´16 in Paris, als alles über mich einbrach und jeder etwas wissen wollte, gesagt habe. Auch, dass ich mich ganz sicher jetzt nicht vom Eiffelturm stürzen würde. Ich habe nie Wettbewerbsfußball gespielt, weil es das bei mir in der Nähe nicht gab und ich auch nicht so sehr darauf aus war. Ich liebte den Fußball, wenn er schön aussah. Von Kind an habe ich angefangen, ein Spiel als schön zu identifizieren. Wir haben die wenigen Spiele, die im Fernseher liefen, erst geschaut und dann nachgespielt. Es gab Spielformen, auf ein Tor und nur Volley zählt und ähnliche Geschichten. Daraus habe ich abgeleitet, wie schön Flugkopfbälle und andere akrobatische Aktionen sind. Und dann kam Klaus Fischer in mein Leben, der die schönsten Fallrückzieher Ende der 70er verwandelt hat. Das war für mich die Vollendung der Ästhetik und ich habe es geübt bis zum Schwindelanfall – zum Teil allein zu Hause, indem ich mir die Bälle selbst an der Hauswand aufgelegt habe. Da ging vieles daneben, aber wenn das Ding mal rein geht, ist es ein sehr erhabenes Gefühl. Einer ist mir sogar auf dem ZDF-Lerchenberg-Fußballplatz gelungen bei unserem Redaktionskick, da hätte ich sagen müssen „Danke meine Herren, das war es!“ Besser wurde es nicht mehr.

Sie sind für viele Mädchen und Frauen Vorbild. Gab es für Sie auch eine Claudia Neumann?
Gar nicht. Ich habe mir über die Thematik als Kind keine Gedanken gemacht. Ich habe mich als halber Junge gefühlt, war recht burschikos unterwegs und bin es auch zum Teil heute noch. Ich bin da ziemlich authentisch, glaube ich. Auf dem Bolzplatz war Wolfgang Overath mein erstes Idol, dann Dieter Müller, Klaus Allofs, Pierre Littbarski, mit Querverweis auf Klaus Fischer, ich bin ja Kölnerin. Bei den Kommentatoren und Reportern kann ich nicht von Vorbildern sprechen, aber ich habe es geliebt, wenn ich es schauen durfte, zuhören konnte und habe sehr darauf geachtet.

Sie bleiben im Fahrstuhl stecken und dürfen sich drei Menschen aus der Fußballwelt aussuchen, die dabei sind…
Das ist übrigens ein echter Albtraum von mir, im Fahrstuhl stecken zu bleiben. Jetzt in dieser Phase würde ich gerne mit Martina Voss-Tecklenburg steckenbleiben, um alles zu reflektieren, dann mit Lise Klaveness (Präsidentin des norwegischen Verbands), die ich hoffentlich bei der EURO treffe und ich glaube, dass ich auch Oliver Bierhoff gerne noch mal ein paar Argumente in andere Richtung liefern würde.

Schlussfrage: Fußball macht Spaß – weil…
…es ein tolles Spiel ist, dass alles hat, was Sport auszeichnet. Es gehört individuelle Klasse dazu, die mich so fasziniert, taktische Dinge, die ich total spannend finde, die Emotionen, die es in anderen Sportarten gibt, aber die ich im Fußball schon sehr früh erlebt habe. Und dann das Gemeinschaftsgefühl, das Teamwork und wenn du dann in einem ausverkauften Stadion sitzt und diese Wellen zwischen den Menschen überspringen, die sich das anschauen und denen, die da unten top Leistungen bringen – da bekomme ich auch mit 95, wenn ich noch lebe, Gänsehaut. Also es ist immer so, dass ich auch im Stadion in gewissen Situationen eine Gänsehaut bekomme, weil es einfach direkt rein ins Herz geht. Das ist das, was uns alle eint, die wir dieses Spiel lieben. Ich möchte damit andere Sportarten nicht downgraden, aber die Beziehung, die mich von der Kindheit an geprägt hat, hervorheben.

Lob, Kritik, Feedback, User-Meinung, Lottozahlen:

  1. Leider wird dem Zuschauer/Zuschauerin bestimmt auch weiterhin vorgesetzt.
    Bei der Arroganz des Senders und dieser Frau.
    Die Gebühren fließen ja – da kann Superkraft Neumann weiter machen und jedes Spiel kaputtreden und die Zuschauer nerven – auch die weiblichen. Aber da kommen ja wieder die üblichen Totschlagargumente vom ZDF.
    Ich bin ja nur ein "dummer/doofer" Zuschauer – der sich nicht weitergebildet hat – der nicht länger zur Schule gegangen ist
    So viel Überheblichkeit vom Sender und Frau Neumann muss doch belohnt werden – oder????

  2. Ed geht nicht darum das C. Neumann eine Frau ist, es gibt auch bei Männern viele Kommentatioren die mir nicht gefallen.
    Um nochmal auf Frauen zurückzukommen z.Bp. gefällt mir Cristina Gräfe als Kommentatorin

  3. Frau Neumann sagt immer noch MANNschaft, ich bin empört! Warum bleibt sie stur beim Falschen?
    Mit Blick auf die Gleichstellung von Männern und Frauen schreit dieser Sprachgebrauch zum Himmel!
    Die Etymologie ist doch eindeutig!
    Sie sagt doch hoffentlich auch Sinti und Inuit, oder?
    Mit empörten Grüßen,
    Johann Voß
    Tel. 01727958464
    www.johannvoss.de

    1. Schon mal was von übetriebenem Gendern gehört, in Zukunft sollte sie bestimmt sagen ——die Deutschinnen spielen und die Kinderinnen dürfen auch zuschauen…………. es gab das generische Maskulinum, es gab………………..

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