Esther Sedlaczek
WDR/Annika Fußwinkel

Bei Esther Sedlaczeks letztem Jahr von „aufregenden Monaten“ zu schreiben, wäre untertrieben. Im August moderierte sie nach zehn Jahren bei Sky erstmals die Sportschau, im Dezember kam das zweite Kind und die Rückkehr nach der Babypause war überschattet vom Krieg in der Ukraine. Wir haben mit ihr über den Spagat zwischen Familie und Job gesprochen, über wichtige Momente ihrer Karriere und zudem die Frage geklärt, wann sie DFB-Präsidentin wird.


Stell dir vor, du wärst 2010 zu einer Wahrsagerin gegangen und sie hätte folgendes gesagt: „Ich sehe dich 2022 als zweifache Mutter die Sportschau moderieren, Benzin kostet 2,20 Euro, alle tragen Maske und im Winter ist eine WM in der Wüste…
Nichts davon hätte ich ihr geglaubt. Die zwei Kinder vielleicht. Über die Sportschau hätte ich mich sehr gefreut. Aber beim Rest hätte ich sie gefragt, wie das gehen soll. Ungläubig geschaut und wäre nicht wieder gekommen.

Du hast an Silvester ein Bild mit dem 2. Kind gepostet inklusive dem Satz „Meine Definition von Glück und schlaflosen Nächten“. Wie schlaflos sind die Nächte mittlerweile?
Es war von Anfang an nicht so schlimm. Jede Mutter bzw. jedes Elternpaar weiß, dass es immer eine Umstellung ist von „halbwegs durchschlafen“ bis „gar nicht durchschlafen“. Mein Sohn schläft ganz gut, aber trotzdem hast du die ganze Zeit die Antennen ausgefahren. Wir kommen langsam dorthin, dass man auch mal eine Nacht durchschlafen kann. Ich sehe auf jeden Fall schon ausgeschlafener aus als vor zwei Monaten.

Baby, Kleinkind und Sportschau – das geht nicht ohne Support, oder?
Man muss so eine Entscheidung wirklich mit Überzeugung treffen. Ich habe mich entschieden, nach relativ kurzer Zeit wieder zu arbeiten. Ich liebe meinen Job, der mir unglaublich Spaß macht und der mir einen Ausgleich gibt. Aber ich muss ganz klar sagen, dass es ohne Unterstützung nicht gehen würde. Man muss dies immer wieder sagen, weil man sonst auch ein falsches Bild suggeriert. Dass alles so einfach funktioniert mit Kindern und Arbeit und „ich bin die Super-Mum“. Nein, bin ich natürlich auch nicht. Ich habe Hilfe wenn ich bei der Sportschau bin und meinen Sohn dabei habe. Und natürlich meinen Mann. Wir unterstützen uns gegenseitig. Es ist eine Organisationsfrage und man muss es natürlich auch vom Kind abhängig machen. Denn die Priorität liegt ganz klar auf unseren Kindern. Mir ist ganz wichtig: Heutzutage heißt es immer „Mensch, die bekommt Karriere und Kind unter einen Hut!“ Mir werden da ganz oft die Mütter vergessen, die beides komplett alleine stemmen. Das ist keine einfache Aufgabe! Und ich könnte meinen Job vor der Kamera ohne Unterstützung nicht machen.

Deine erste Sendung nach der Babypause war gleich ganz speziell. Ein Teil musste dem Brennpunkt zum Krieg in der Ukraine weichen. Nimm uns mal mit durch diesen Tag.
In der Vorbereitung dachte ich mir schon, dass das Thema Fußball gerade nicht an Unbedeutsamkeit zu überbieten ist. Dann habe ich aber auch gemerkt, dass es total hilft, sich mal ein wenig abzulenken. Ich glaube, wir haben fast alle ununterbrochen die Nachrichten geschaut. Mich hat das sehr beschäftigt. Wenn man Kinder hat, beschäftigt einen das vielleicht noch mehr. Wie die Zukunft aussieht, wie sich alles in Europa entwickelt und ob wir tatsächlich noch Krieg im Land erleben. Das sind alles Dinge, die dir durch den Kopf gehen. Und dann beschäftigst du dich plötzlich mit Fußball. Es hat mir in dem Moment aber gut getan und ich habe mir das dann auch für die Zuschauer gewünscht. Es ist ja auch wichtig, dass man sein Leben weiter lebt und sich mal auf andere Gedanken bringt.

Wie haben sich deine Prioritäten durch deine beiden Kids geändert? Läuft Peppa Wutz öfter als Bundesliga?
Mein Tochter wird im Mai Drei, sie hat gerade den Elsa-Trip und ist auch Paw Patrolerin. Das geht schon in der Früh los, wenn ich sie in den Kindergarten bringe. Da läuft auf der Rückfahrt weiterhin die Kindermusik und du denkst dir „Ich könnte jetzt auch etwas anderes hören“. Es ändert sich viel – auch mit Blick auf die eigene Arbeit.

Hast du ein Beispiel?
Ich bin jemand, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, der sich aber schon mit eigenen Fehlern auseinander gesetzt hat. Wenn ich mich beispielsweise versprochen oder eine blöde Frage gestellt habe. Daran hatte ich manchmal zu knabbern. Mittlerweile denke ich mir „Es ist mein Job, es ist nicht immer alles gut, aber es macht am Ende des Tages einfach verdammt viel Spaß“. Wenn man dann zu Hause ist, kann man eine Sendung, die nicht so gut lief, viel besser abschütteln und sich sagen „Hier, um euch geht es!“. Dieser Ausgleich ist super schön. Viele Eltern haben immer gesagt „Wenn du ein Kind hast, dann wirst du schon wissen, was wichtig im Leben ist“. Es ist wirklich so. Die Prioritäten und die Balance zwischen Privatleben und Arbeit verschieben sich und ich kann meinen Job noch mehr genießen, weil ich ihn mit mehr Leichtigkeit nehmen kann.

Wie schaust du privat denn dann noch Fußball?
Das Schöne war immer, dass meine Tochter recht spät Mittagsschlaf gemacht hat und wir in dieser Zeit Konferenz schauen konnten. Mittlerweile schaut sie auch mal eine Halbzeit mit. Wir verbieten das Fernsehen nicht, aber wir dosieren es. Der Fußball ist trotzdem ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und macht mir Spaß. Ich finde es sehr schön, sie früh dafür zu begeistern. Aber wenn sie keinen Bock hat, dann sagt sie nach zehn Minuten auch „Lass uns raus gehen“. Dann wird der Fernseher natürlich aus gemacht. Ich versuche so viel zu schauen, wie möglich ist, aber es ist natürlich viel weniger geworden, seit ich Kinder habe.

Ist es dann zum Beispiel am Mittwochabend der Bachelor statt Champions League?
Es ist tatsächlich immer Fußball. Das Schöne ist, dass mein Mann auch sehr Sport- und Fußball begeistert ist.

Was stimmt dich zuversichtlich, dass dieses Jahr doch noch ein gutes wird?
Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, weil man immer wieder an den Punkt kommt, an dem man sich fragt, wann das alles aufhört. Von Corona geht es in die nächste Katastrophe. Dann steht eine sehr fragwürdige WM in Katar an. Jetzt haben wir in der Formel 1 Bombeneinschläge neben der Strecke gehabt. Ich glaube, man muss vor allem schauen, dass man für sich selbst einen Weg findet, so gut es geht damit umzugehen. Darauf zu vertrauen, dass auf einmal alles wieder wie vorher ist, wäre naiv zu glauben. Deswegen ist es für mich wichtig, das Beste daraus zu machen. Ich habe für mich beschlossen, das Leben so lebenswert wie möglich zu machen gestalten und es mit Familie, Kindern und Freunden so gut es geht zu genießen, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Gestern waren wir am See, das Wetter war toll, die Kinder haben gespielt – das sind die Momente, die ich umso mehr genieße.

2022 ist auch, wenn ein Sonnenschein schon demütig macht…
Am Ende kommen wir so aber vielleicht auch zurück zu den Basics. Weg von diesem Konsumverhalten und dem „immer höher und weiter“. Uns Gedanken machen, was wichtig im Leben ist. Das größte Haus? Das dickste Auto? Der beste Job? Die erfolgreiche Karriere oder sind es die simplen Dinge im Leben? Wohl eher Letztes. Als die Kinder gestern Abend geschlafen haben, weil sie im positiven Sinne fix und fertig waren vom Tag – das hat mich glücklich gemacht.

Wir reden jetzt hier gerade auch schon wieder über Krieg, Corona, Politik. Wie findest du den Trend, dass auch Spieler und Trainer immer mehr zur Weltlage befragt werden?
Es ist etwas, was uns alle betrifft und dass die Meinung der Profis von Interesse ist, verstehe ich. Es interessiert mich ja auch, wie das jemand sieht, der diesen Sport betreibt. Man sollte allerdings aufpassen, den Profi-Fußballern eine Verantwortung aufzuerlegen, der sie nicht gerecht werden können. Am Ende sind sie Profisportler, die ihren Sport auf einer großen Bühne ausüben. Ich werde auch zu solchen Themen gefragt, dann heißt es immer ‚Vorbildfunktion‘ – aber man sollte diese Rolle auch nicht zu groß werden lassen. Sie sind in aller erster Linie Sportler.

Du selbst hast nach mehr als 10 Jahren bei Sky den Schritt zur Sportschau gewagt, machst aber auch kein Hehl daraus, dass da auch ein großes weinendes Auge dabei war. Was vermisst du ein Jahr danach noch?
Es geht gar nicht so sehr um das Vermissen. Der Zeitpunkt war für mich perfekt und ich finde es schön, wenn man auch mit einem weinenden Auge weggeht. Es zeigt, dass man eine gute Zeit hattest. Sky hat mich geprägt und war eine unfassbar gute Schule. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar und ich habe mit vielen Leuten über die ganze Strecke zusammen gearbeitet. Aber ich konnte mit diesem Wechsel nochmal einen entscheidenden Schritt gehen. habe mich vom ersten Tag an im neuen Team wohl gefühlt. Ein Team, das es mir leicht gemacht hat. Es war natürlich auch total unwirklich in diesem Sportschau-Set zu stehen. Zu wissen, wer alles diese Sendung schon vor mir moderiert hat. Zu den ehemaligen Kollegen gibt es noch ganz viel Kontakt – wobei man sich überall wieder trifft.

Mehr als zehn Jahre Sky fasst man nicht mit zwei Sätzen zusammen, gibt es dennoch den einen Moment?
Am wichtigsten prägendsten waren die Momente, in denen ich gestolpert bin. Das sage ich auch jeder angehenden Sportmoderatorin, die mich nach Tipps fragt. Auch denen, die gerade ihre ersten Schritte in Richtung Bundesliga gehen. Ich habe das Gefühl, dass die Selbstzweifel bei Frauen doch um einiges größer sind als bei Männern in der Branche. Deswegen sage ich immer: Die Momente in denen du stolperst oder hinfällst, sensibilisieren dich enorm für die Zukunft. Aus Situationen, in denen auch mal Dinge schief laufen, nimmst du am meisten mit für die Zukunft. Es waren bei mir wirklich die Momente, bei denen es nicht glatt lief, aus denen ich viel herausgezogen habe. Momente wie beim Champions League – Spiel BVB gegen Monaco (Spielabsage nach Anschlag auf Dortmunder Mannschaftsbus 2018, Anm. d. Red.) prägen dich natürlich auch enorm.

Du hast den etwas anderen Blick auf Frauen in der Branche angesprochen. Du bist „Miss Sportschau“, Lea Wagner ist „Die hübsche Tochter von…“ – der Weg ist noch weit, oder?
Ja, auf jeden Fall. Sobald das nicht mehr thematisiert wird, sind wir einen großen Schritt weiter. Aber davon sind wir noch weit entfernt. Das habe ich bei meinem Wechsel zur Sportschau erlebt. In vielen Interviews nach meinem Wechsel wurde die Frage gestellt, ob ich als Frau das Gefühl habe, ernst genommen zu werden. Dann denke ich mir: „Hey Leute, dann wäre ich doch nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt bin!“ Es ist immer noch so, dass Frauen in der Position kritischer beäugt werden. Wir sind viel weiter als vor zehn Jahren, als ich angefangen habe. Das, was Lea erlebt, also „die hübsche Tochter von“ zu sein, das erleben auch andere Töchter. Das ist kein Thema, dass die Fußballberichterstattung exklusiv hat. Das sind aber Dinge, mit denen ich mich nicht mehr auseinandersetze. Ich nehme eher Stellung, indem ich nicht mehr so sehr darauf eingehe. Es gibt so viele tolle Frauen, die zeigen, dass wir diesen Job gut machen.

Sportschau heißt deutlich mehr Zuschauer, heißt das auch mehr Feedback?
Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Es ist nicht so, dass mein Postfach bei Instagram explodiert, es ist eher ruhiger geworden. Ich habe aber gemerkt, dass die Außenwirkung eine ganz andere ist. Das finde ich spannend, weil ich die letzten zehn Jahre nichts anderes gemacht habe als jetzt: Über Fußball berichten.

Das heißt, es ist auch nicht gehässiger geworden?
Das hat sich in den letzten Jahren schon reguliert. Du hast immer irgendwelche Leute, denen du nicht passt. Das Gute ist, dass ich mittlerweile damit umzugehen weiß. Ich kann und möchte auch gar nicht jedem gefallen. Ich möchte einfach nur Ich selbst sein.

Dennoch ist Sprache ja auch ein feministisches Thema. Trennst du Fußball in „Fußball“ und „Frauenfußball“, sind es nur „Zuschauer“ oder auch „Zuschauerinnen“?
Ich finde Gleichberechtigung ist wahnsinnig wichtig und ich bringe das Gendern auch ein. Im Alltag muss ich selbst gar nicht mehr darauf achten, ob ich nun Arzt oder Ärztin sage. Das passiert automatisch. On air begrüße ich aber meist mit „Herzlich Willkommen, liebe Zuschauer“, ohne dabei die Gleichberechtigung mit Füßen zu treten.

Steht dann hin und wieder auch mal Frauenfußball bei dir auf dem Plan?
Wir hatten in meiner Zeit bei Sky keinen Frauenfußball im Programm. Im EM-Sportschau-Club hatten wir unter anderem Alex Popp und Tabea Kemme zu Gast und ich war vollkommen begeistert von diesen Frauen. Unglaublich tough, wahnsinnig cool und ich finde super, wie sie ihr Ding trotz gelegentlichem Gegenwind durchziehen. Ich schaue immer mehr und finde die Mädels, die ich kennenlerne, einfach klasse.

Wo wärst du heute, wenn du damals nicht das Casting bei Sky mit 2700 Bewerber*innen gewonnen hättest?
Ich denke, dass ich auch jetzt glücklich wäre mit zwei Kindern. Vielleicht hätte ich auch über ein Volontariat als Quereinsteigerin nochmal versucht, in die Branche zu kommen. Ich weiß es nicht. Aber ich hätte darauf vertraut, dass das Schicksal mich in diese Richtung führt.

Aber das Ziel wäre die Medienwelt gewesen?
Ja, ich denke schon. Wobei, ich gebe nur ein Beispiel: Ich wollte Sportwissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin studieren und da gab es einen Aufnahmetest, den ich mir nicht zugetraut habe. Das wäre aber vielleicht auch zu wissenschaftlich gewesen und das hätte ich gar nicht gewollt. Trotzdem hat mich der Weg über andere Bahnen hingeführt.

Dein Vater ist der Schauspieler Sven Martinek, du hast ihn aber erst mit 16 Jahren kennengelernt. Sind da dennoch schon vorher ein wenig die Bühnen-Gene da gewesen?
Schwer zu sagen, der Einfluss war nicht so groß, die Gene hast du. Ich habe schon in der Schule gerne vor Menschen gestanden und Referate gehalten. Das Präsentieren hat mir schon immer sehr gelegen. Den Menschen etwas an Info und Unterhaltung mitgeben, macht mir schon sehr viel Spaß. Vielleicht wäre es auch bei jedem anderen Papa so gewesen. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen und hab das Papa-Thema immer größtmöglich herausgehalten. Das war natürlich einfacher, weil wir nicht den gleichen Nachnamen haben. Und ich glaube, mir ist das auch ganz gut gelungen.

Wenn deine Kids mal den Weg einschlagen wollen, würdest du dich freuen oder eher abraten?
Ich habe in den letzten elf Jahren wirklich eine gute Zeit erlebt, mich selbst weiterentwickelt. Ich würde meinem Kind abraten, wenn ich merken würde, dass ihm oder ihr etwas nicht gut tut. Das würde ich aber auch bei jedem anderen Beruf machen. Was meinen eigenen Weg angeht: Mir macht das total Spaß und ich bin froh, dass meine Mutter mich in allen Dingen unterstützt hat. Und genau das möchte ich für meine Kinder auch.

Wo glaubst du, geht der Weg deiner Arbeitgeber hin? Läuft irgendwann Fußball auf TikTok und in der PokémonGo-App?
Ich hoffe nicht. Es sind schon viele Anbieter mittlerweile. Mir ist es auch schon passiert, dass ich am Sonntag Sky anschalte und dann erst merke, dass die Bundesliga auf DAZN läuft. Ich hoffe natürlich, dass sich das aus Konsumentensicht einspielt und nicht noch mehr Player dazu kommen. Vielleicht tragen die Zeiten jetzt auch ein wenig dazu bei, dass es in eine andere Richtung geht. Noch mehr Teilungen der Rechte muss wirklich nicht sein, es sind jetzt schon ziemlich viele.

Wir ziehen dennoch mal das Tempo an und kommen zur Schnellfragerunde:

Schlag den Star als Kommentatorin, Moderatorin oder Kandidatin?

Als Moderatorin. Ich wurde tatsächlich auch schon mal angefragt und habe hin und her überlegt. Aber ich habe da einfach zu sehr Schiss, mich zum Depp zu machen. (lacht)

Ein Abend mit Zidane oder dein Lieblingsverein Hertha BSC im Pokalfinale?
Zidane!

Ein eigener Podcast und wenn ja, mit wem?
Ich höre mir gerne welche an, aber selbst einen machen, reizt mich gar nicht so sehr. Nicht im Bezug auf Fußball. Es ist zwar auch nicht komplett neu, aber ich würde gerne über Familienverhältnisse sprechen. Wir sind gerade diese Generation, die einerseits schon sehr fortschrittlich ist – auch die Männer. Auf der anderen Seite aber immer noch gefangen in „alten Traditionen“. Frau bleibt zu Hause, Mann geht arbeiten. Hinsichtlich der Gleichberechtigung ein sehr spannendes, wenn auch nicht neues Thema. Insbesondere wenn es darum geht gewisse Ansichten noch mehr aufzubrechen.

Warum bewegt dich das Thema so?
Mein Mann macht es großartig mit den Kindern. Wenn er sich allein um die Kinder kümmert, bekommt er von vielen Seiten Applaus. Und das finde ich bemerkenswert. Als ob es was Besonderes sei, dass auch der Vater sich ALLEIN um die Kinder kümmert, wo doch beide dieselbe Verantwortung tragen sollten. Frauen hingegen bekommen selten Applaus wenn sie das Gleiche tun. Warum ist das so und wie kommen wir dahingehend noch zu mehr Gleichberechtigung? Das aufzudröseln, finde ich spannend. Karrierefrauen und Kinder? Super-Mum! Das nervt mich auch. Ich habe so viele Freundinnen, die wuppen das alles alleine und das wird dann so als Selbstverständlichkeit hingenommen. Ist es aber nicht. Das ist harte Arbeit und das weiß jede Mutter und jeder Vater, wenn sie mal einen Tag allein mit den Kids verbracht hat.

Lieber ein 0:0 im Stadion oder ein 3:3 im Studio?
Klar ist es immer schöner vor Ort zu sein. Aber dann doch lieber ein 3:3 im Studio. Tore machen einfach Spaß, egal wo.

Der DFB fragt dich als Präsidentin an. Machst du es und wenn ja, was machst du zuerst?
Ganz ehrlich? Ne! Das ist eine Aufgabe, die ich mir nicht zutraue. Wir alle betrachten das von außen und schütteln den Kopf. Ich hoffe, dass Bernd Neuendorf den DFB wieder auf Vordermann bekommt. Aber ich glaube es ist eine Arbeit, bei der man viel Geduld und viel Kraft braucht. Die wünsche ich ihm, weil wir alle hoffen, dass es beim DFB wieder aufwärts geht. Würde ich mir das zutrauen? Nein!

Dürfen deine Kinder mal ein Schild im Stadion hochhalten mit „Schenk mir dein Trikot!“?
Wenn mein Kind das möchte, natürlich. Vor allem wäre es super, wenn es am Ende eines bekommt!

Welche Frage stellst du super gerne, bekommst sie aber nicht gerne selbst gestellt?
Ich finde die Frage zur WM in Katar tatsächlich schwierig zu beantworten. Das ist ein Thema, dass ich so kritisch sehe, wie jeder andere auch. Dennoch bin ich in einer Position, die mich dazu verpflichtet, zu berichten. Ich tue natürlich nichts gegen meinen Willen. Aber es ist ein schwieriger Punkt, den Leuten klarzumachen, dass man das alles kritisch hinterfragen und trotzdem berichten kann. Diese Fragen werden zu Recht gestellt, die richtigen Antworten zu finden, ist wahnsinnig schwierig.

Worüber kannst du lachen?
Menschen, die sich nicht ernst nehmen. Auch über mich selbst natürlich sehr.

Das bringt uns zur finalen Frage: Bauern München oder Fortuna Düsseldoof?
(Lacht) am besten beides nicht. Im Nachhinein kann man darüber lachen, das konnte ich schon relativ schnell danach. Das ist Live-Fernsehen und solche Versprecher gehören dazu. Es wird wahrscheinlich auch in Zukunft mal wieder vorkommen.

Wir drücken die Daumen, dass es nicht passiert und sagen Danke für das Interview.

Das Interview führte Thomas Poppe.

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