Foto: Picture Alliance

ZDF-Moderator Jochen Breyer dürfte die aktuell laufende Fußball-Europameisterschaft schon jetzt als durchaus herausfordernd bezeichnen. Das Drama um den Dänen Christian Eriksen, der beim Spiel gegen Finnland kollabierte und um sein Leben kämpfte, erlebte Jochen Breyer live on air als Gastgeber der ZDF-Liveberichterstattung und beschreibt die Zeit rund um den Vorfall als die schwierigste Situation seiner Karriere. Auch die Regenbogen-Debatte mündete im Deutschland-Spiel unter seiner Moderation. Wir haben mit dem Mann, der neben seiner Arbeit als Sportjournalist auch politische Dokus für das ZDF dreht, über das Turnier der Extreme, das Wort Haltung und weiße Sneakers auf nackten Beinen gesprochen.


FUMS: Pandemie, kein richtiges Gastgeberland – wie fühlt sich die EM bisher an?
Jochen Breyer: Es ist schon in vielerlei Hinsicht ein besonderes Turnier. Einerseits die Pandemie, die dem besonderen Modell dieser EM in elf Ausrichterländern leider viel von ihrem Charme raubt. Andererseits ist es eine sehr politische EM. Man sieht, wie viele gesellschaftspolitische Konflikte sich im Fußball spiegeln. Ich finde das hochspannend und wir versuchen das in unseren Sendungen immer wieder zu thematisieren – weil es aus unserer Sicht auch zu einer Fußballberichterstattung gehört, den Finger in die Wunde zu legen und darauf hinzuweisen, dass der Fußball benutzt beziehungsweise bisweilen sogar missbraucht wird.

Christoph Kramer hat vor dem Turnier im Interview mit DWDL über seinen Expertenjob gesagt „Was soll schon passieren?“. Die Liste an dann doch recht lang geworden, oder?
Ja. Vor allem war direkt in unserer ersten Sendung das Drama um Eriksen. „Was soll schon passieren“, bekam da eine ganz andere Bedeutung. Als es passierte, konnte Chris gar nicht hinschauen. Auch Per (Mertesacker Anm. d. Red.) und ich waren vollkommen schockiert. Und in diesem Moment werden wir ins Studio gerufen und müssen ohne Vorbereitung darüber reden. Das war für mich mit Abstand die schwierigste Situation meiner bisherigen Karriere als Moderator.

Beim Vorfall um Christian Eriksen ist man im Nachhinein natürlich immer schlauer als in so einem unvorhersehbaren Moment. Würdest du im Rückblick etwas anders machen?
Auf eine solche Situation kann man sich nicht vorbereiten. Ich habe einfach versucht, ich selbst zu sein in diesem Moment. Ich wollte ganz bewusst nicht der professionelle, seriöse Moderator, sondern der Mensch Jochen Breyer sein. Ich wollte den Zuschauern transparent machen, dass das für uns alle eine schwierige Situation ist und dass wir im Angesicht dessen, dass da einer um sein Leben kämpft, nicht herumspekulieren wollen. Ich wollte auch Per, Chris und Manuel Gräfe nicht in eine blöde Situation bringen, indem ich ihnen Fragen stelle, die sie gar nicht beantworten können oder wollen. Deshalb habe ich es ihnen dann irgendwann freigestellt noch was zu sagen. Das Problem war, dass ich noch einige Minuten überbrücken musste, bis zu den 19 Uhr Nachrichten. Das war das schwierigste daran: Über ein Thema zu reden, über das man überhaupt nicht reden kann, weil man nicht weiß, wie es Christian Eriksen geht. Gottseidank ist am Ende alles gut ausgegangen.

Und der Sender?
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob der Bergdoktor die richtige Wahl war. Allerdings war das die Regelsendung, also das Programm, das normalerweise auf diesem Sendeplatz gelaufen wäre, wenn keine Europameisterschaft gewesen wäre.

Bleibt noch die UEFA, die sich nicht mit Ruhm bekleckert hat…
Die Entscheidung der UEFA war fatal. Die UEFA hat so getan, als hätte sie die Entscheidung in die Hände der Spieler gelegt. Hat sie aber überhaupt nicht, weil sie zwei schlechte Alternativen angeboten hat. Am nächsten Tag um 12 Uhr wäre noch schlechter gewesen, als direkt weiter zu spielen. In solchen Fällen muss die UEFA auch vom Regelwerk abweichen können und sagen: „Wir brechen jetzt ab und besprechen, was für alle Seite die beste Lösung ist!“

Nimm uns kurz mit: Was passiert in Mainz im Studio, wenn ihr nicht live seid. Bleibt da Zeit, ein Spiel normal zu schauen oder ist man da am Rödeln und schaut auch in solchen Situationen nur mit einem Auge hin?
Das Gute ist, dass meine beiden Experten 100 Prozent fokussiert sein können. Ich bin schon mit einem Auge und einem Ohr immer auch schon bei anderen Themen, die nach dem Spiel passieren. Ich muss mit der Regie absprechen, welche Szenen wir zuspielen, was interessant ist, ob wir Manuel Gräfe ins Studio holen oder nicht. Aber unsere Experten sind ganz bei der Sache, das hat man nicht zuletzt daran gesehen, dass sie deutsche Nationalhymne sehr laut mitsingen vor dem Fernseher (lacht).

Mit Blick in die sozialen Netzwerke könnte man meinen, die Aufstellung der Moderatoren, Experten und Kommentatoren sei mittlerweile wichtiger als die Aufstellung auf dem Spielfeld.
(lacht) Ja, das finde ich aber auch ok. So kritisch, wie man über die Aufstellung der deutschen Mannschaft spricht, darf man auch über die Aufstellung des ZDF oder der ARD sprechen. Wir haben uns ja auch für die Dreierkette entschieden, mit Per Mertesacker, Chris Kramer und einer Moderatorin mit Katrin Müller-Hohenstein beziehungsweise einem Moderator. Damit sind wir sehr happy. Es ist ja zum Glück auch nicht so, dass vorrangig gemeckert wird, wir bekommen auch viele positive Rückmeldungen. Und wenn mal jemand kritisiert: auch okay. Jeder darf seine Meinung haben. Ich bin da offen für Feedback, bekomme auch viele Nachrichten über Instagram und versuche, möglichst viele davon zu beantworten, weil mir der Austausch mit unseren Zuschauerinnen und Zuschauern wichtig ist. Da nehme ich selbst auch immer wieder Sachen mit.

Per Mertesacker, Katrin Müller-Hohenstein , Jochen Breyer, Christoph Kramer
Foto: ZDF/Torsten Silz

Spieler erzählen ja gerne mal, dass der Papa, der Bruder, die Freundin oder der beste Kumpel der größte Kritiker ist. Hast du solche Leute auch im privaten Umfeld?
Ja, mein Freundeskreis ist da auch sehr offen und direkt, wobei es dann ehrlich gesagt meistens eher um Äußerlichkeiten geht. So nach dem Motto: „Wie sah denn deine Frisur heute aus, da stand ein Haar ganz komisch ab“ oder „Deine Hose hat sich so hochgezogen, dass man viel zu viel Bein gesehen hat“ oder „Jetzt hattest du schon wieder weiße Sneaker an, kannst du nicht mal was anderes anziehen“. Es geht also weniger um Inhalte (lacht). Was ja vielleicht ein gutes Zeichen ist…

Du machst neben der Sportberichterstattung auch recht kritische Dokus. Was kann man denn bisher über diese EM drehen? Kurzfilm, Film oder eine ausufernde Staffel mit 24 Folgen?
Da kann man eine Serie mit mehreren Staffeln drehen. Ich finde, die UEFA macht bei dieser Europameisterschaft alles falsch, was man falsch machen kann. Das ging schon los mit der Auswahl der Spielorte: Dass ein Land wie Aserbaidschan den Zuschlag bekommt, obwohl man genau weiß, dass das Regime die Spiele als Propagandaplattform nutzen wird. Dann die Erpressung der Austragungsorte, was die Zuschauer angeht. Man hat sie quasi gezwungen Zuschauer zulassen. Zu einem Zeitpunkt, als noch völlig unklar war, wie sich die Pandemie entwickelt. Das muss man sich mal vorstellen. Zwei Städten hat man das Turnier ja dann tatsächlich weggenommen, Bilbao und Dublin, und dafür mehr Spiele nach St. Petersburg gegeben. Funfact: Dorthin, wo mit Gazprom einer der größten Sponsoren sitzt. Die UEFA hat sich noch vor Wochen als Retter des Fußballs aufgespielt, weil sie die Super League verhindert hat. Jetzt zeigt sie leider ihr wahres Gesicht. Auch wenn sich das nach einem plumpen Klischee anhört: Der UEFA geht es nur ums Geschäft. Um die Geldgeber. Deshalb fordert sie, dass 2500 Sponsorenvertreter zum Finale dürfen, ohne in Quarantäne zu müssen. Deshalb verhindert sie die Regenbogenfarben in München. Für die UEFA gilt: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ und dieses Brot ist leider ein zutiefst undemokratisches, weil es aus Ländern wie Russland, China und Katar kommt.

Zum Glück wird dann bei der nächsten WM endlich wieder alles gut…

Ja, meine Güte. Dann wird die Nummer ja noch politischer. Was macht die UEFA denn dann? In Katar kommen Homosexuelle ins Gefängnis. Das ist noch mal eine ganz andere Dimension als Viktor Orban in Ungarn. Wird die UEFA dann auch sagen „Wir sind neutral“? Bei Menschenrechtsverletzungen kann man nicht neutral sein. Ganz einfach. Leider ist durch die Regenbogendebatte noch mal klar geworden, wie hohl diese ganzen Kampagnen der UEFA sind. Ich finde es ja gut, dass sich die großen Verbände für Toleranz und gegen Rassismus einsetzen. Nur: Es reicht nicht, das Wort „Respect“ auf die Kapitänsbinden zu nähen und Hochglanzclips mit Paul Pogba und Messi zu drehen, die „Say no to racism“ sagen. Werte werden dann echte Werte, wenn man sie auch gegen Widerstände vertritt. Wenn man sie auch dann vertritt, wenn’s mal „Aua“ macht. Wenn man damit auch mal bei einem aneckt, mit dem man sonst Geschäfte macht, wie Viktor Orban. Das traut sich die UEFA nicht und das ist leider eine moralische Bankrotterklärung.

Gibt es für dich eine rote Linie, an der du sagt „Boah, echt keinen Bock auf den Scheiß“?
Nein. Ich bin Journalist und muss über das berichten, was ist. Da kann ich nicht sagen: „Dies und das gefällt mir nicht, der Fußball wird missbraucht, da will ich nicht mehr berichten. Im Gegenteil: Umso mehr müssen wir den Finger in die Wunde legen. Das gilt im Übrigen auch für Katar. Es gab schon einige Rufe „Wie könnt ihr über dieses Turnier berichten?“ – ja, wir müssen über dieses Turnier berichten und wir müssen vor allem die Scheinwerfer vom Spielfeld weg auf die Situation abseits des Spielfeldes richten. Das ist unsere Aufgabe während der WM in Katar und das wird so herausfordernd wie noch nie, glaube ich.

Gut, anders gefragt: Warum dann nicht nur noch kritische Dokus und keine Moderation von Spielen mehr?
Ich glaube, es muss immer beides sein. Ich drehe ja Dokus und mache das auch wahnsinnig gerne, weil man da Probleme besser in der Tiefe darstellen kann. Das größere Publikum erreicht man allerdings rund um die Spiele, die wir übertragen. Und auch diese Bühne kann man nutzen, um auf wichtige Fragen aufmerksam zu machen. Wir haben das ganz bewusst vor diesem Turnier besprochen: Da saßen wir zusammen und haben beschlossen, neben Toren, Taktik und Analyse auch immer wieder genug Zeit für politische Themen in den Übertragungen der Europameisterschaft freizuräumen. Und da wussten wir noch nicht mal, wie politisch dieses Turnier wird.

Hast du ein Beispiel?
Ja, das Thema Regenbogen. Rund um ein Deutschland-Spiel haben wir ja die meisten Zuschauer. Gegen Ungarn waren es 25 Millionen. Auch der Vorlauf auf ein solches Spiel wird schon sehr gut eingeschaltet. Normalerweise ist ein solcher Vorlauf dazu da, Lust auf das Spiel zu machen. Man spricht über die Aufstellung, über einzelne Spieler, den Trainer, die Taktik. Wir haben uns aber ganz bewusst entschieden, an einer sehr prominenten Stelle des Vorlaufs ein ausführliches Gespräch mit Thomas Hitzlsperger zu führen über das Verbot der UEFA, das Stadion in Regenbogenfarben zu beleuchten. Das mag vor einem so wichtigen Duell ums Weiterkommen nicht unbedingt jeder oder jedem im Biergarten zu diesem Zeitpunkt gefallen. Wir fanden es aber wichtig und relevant und haben dafür ganz bewusst diesen Sendeplatz ausgewählt.

Was darfst du da entscheiden?
Viel. Wir sind ein Team, eine Redaktion, brainstormen gemeinsam und entscheiden gemeinsam. Das letzte Wort hat immer der Teamchef oder der Leiter der Sendung, nicht der Moderator, aber das Zusammenspiel funktioniert da sehr gut bei uns.

Wie weit ist dann der TV-Breyer vom Privat-Breyer in Sachen Haltung entfernt, weil es dann doch eine Grenzen gibt?
Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan des Wortes Haltung. Ich finde, das ist in den letzten Jahren im Journalismus überstrapaziert worden und das hat manchen Menschen das Gefühl gegeben, dass es uns Journalisten mehr darum geht, unsere eigene Gesinnung zu zeigen, als neutral Bericht zu erstatten. Ich habe natürlich meine Meinung und natürlich habe ich auch eine Haltung. Meine wichtigste Aufgabe ist es aber nicht, diese Meinung zu transportieren, sondern alle Seiten kritisch zu beleuchten. Das Thema Regenbogen ist da sicherlich ein besonderer Fall, weil es um Menschenrechte geht, die ich natürlich auch vertrete. Mich hat das Verhalten der UEFA auch massiv irritiert. Und trotzdem ist es in einem solchen Moment besser, ein Gespräch mit Thomas Hitzlsperger über das Thema zu führen, als selbst offensiv anzuklagen.

Du hast dich in den letzten Jahren zu einem – zumindest bei den Zuschauern – sehr beliebten Interviewer entwickelt. Wie blickst du auf den Prozess zurück vom Shitstorm nach dem Klopp-Interview bis zum hochgelobten Katar-Talk mit Kalle Rummenigge?
Wahrscheinlich lässt sich das mit der Karriere eines Fußball-Profis vergleichen: Als junger Spieler spielt man anders als mit einigen Jahren Erfahrung. So war das auch bei mir. Das Klopp-Interview passierte ja in meinem ersten Jahr als Champions-League-Moderator. Ich war jung und vielleicht noch etwas ungestüm (lacht). Ich wollte kritisch sein und dann ist mir die Frage etwas nassforsch geraten. Der Shitstorm, der dann folgte, hat mir dann ziemlich zu schaffen gemacht. Als Spieler würde man sagen: Man muss erst mal seine Sicherheit wiederfinden, bevor man sich wieder etwas zutraut. Über die Jahre hat sich das Zutrauen dann entwickeln. Ich versuche Interviews kritisch, aber fair zu führen. Inhaltlich auch mal hart, in der Gesprächsführung aber freundlich. Ob mir das gelingt, das müssen andere beurteilen.

Das Interview mit Karl-Heinz Rummenigge im ZDF-Sportstudio war ja so ein sehr kritisches. Die Vereine haben durch ihre große eigene Reichweite mittlerweile auch eine gewisse Macht. Wie viel kann man heute noch fragen, bevor man riskiert, dass man nichts mehr fragen darf?
Nein. Es gibt keine Selbstbeschränkung, dass ich diese oder jene Frage nicht stellen darf aus Angst, dass die Person dann nicht mehr kommen könnte. Diese Schere im Kopf dürfen wir nicht haben. Ich muss aber natürlich immer mitdenken, dass ich als Moderator des Aktuellen Sportstudios auch Gastgeber bin. Da ist ein Gast gekommen, hat sich diesem Interview gestellt und das ist erst einmal eine gute Sache. Karl-Heinz Rummenigge hat sich in diesem Moment auch in einer sehr kritischen Phase gestellt, als er schon viel Kritik abbekommen hatte. Das ist ein gutes Zeichen. Aber natürlich ist es schon so, dass die Interviewpartner, die Trainer, die Funktionäre, die Spieler, nicht mehr so auf das Sportstudio angewiesen sind, wie sie es früher waren. Da konnte man sich schon Unverschämtheiten leisten, die wir uns heute nicht mehr leisten können und wollen. Ich erinnere mich an ein Interview von Günther Jauch mit Mario Basler, das ich bei YouTube gesehen habe, da war die Einstiegsfrage „Herr Basler, waren Sie zufrieden mit ihrer Leistung heute?“. Die Antwort war „Ja!“, daraufhin Jauch: „Da sind Sie der Einzige.“ – Sowas würde heute nicht mehr gehen.

Wenn du für einen Tag Lanz übernehmen und die perfekte Fußballrunde basteln könntest – wen würdest hinsetzen? Mal abgesehen von Karl Lauterbach.
(lacht) Karl Lauterbach ist natürlich Stammspieler bei Lanz, den dürfte ich gar nicht auswechseln. Aber im Ernst: Gute Frage. Jürgen Klopp und Uli Hoeneß müssten auf jeden Fall dabei sein. Ich mag Interviewpartner, die meinungsstark sind, die es vertragen, gepikst zu werden und dann gerne auch mal zurück feuern. Hoeneß und Klopp können das ja, wie wir alle wissen, sehr gut. Das ist als Moderator herausfordernd, aber spannend. Wenn auch mal die Fetzen fliegen. Und nach dem Interview trotzdem alles cool ist.

Also wie am Sonntag in der Kreisliga. Erst 90 Minuten auf die Knochen und dann Arm in Arm ins Sportheim…
Genau. Nur weil man kritisch fragt, heißt das ja noch nicht, dass der Gast einen doof findet. Ich mag Interviewpartner, die das nicht als Majestätsbeleidigung empfinden, sondern eher als Herausforderung. Max Eberl ist auch so ein Typ, dem man sehr kritische Fragen stellen kann und der dann einem auch mal eine zurückknallt. Aber das ist ja gut so. Nichts ist langweiliger als ein Interview mit 08/15-Fragen und 08/15-Antworten. Diese Runde aus Klopp, Eberl und Hoeneß, die könnte ich mir sehr gut vorstellen.

Da könnte man jetzt kritisieren, dass keine Frau dabei ist.
Oh ja, das stimmt natürlich. Dann sehr gerne noch Almuth Schult dazu, die macht bei der ARD einen super Job, wirklich klasse.

Christina Graf: Natürlich gibt es Nachrichten per Instagram, wo du sagst: Das verkackt mir jetzt mal richtig den Tag

Christina Graf war 2013 die erste Frau, die – damals für Sky – ein Bundesliga-Spiel der Männer kommentierte. Es folgten…

Es hat sich viel getan in Sachen Rechten und Übertragungsarten. Wie schaust du auf diese Entwicklung, auf Spiele, die es nur im Stream gibt, auf neue Anbieter.
Es ist ein freier Markt, ein freier Wettbewerb. Ich hoffe nur, dass die Entwicklung nicht dahin geht, dass die kritische Begleitberichterstattung über den Fußball, über die wir gesprochen haben, hinten runter fällt. Dass Sender, die Rechte kaufen, nur ein Hochglanzprodukt daraus machen wollen und die fragwürdigen Seiten ausblenden.

Kannst du dir dennoch vorstellen, dass der berufliche Weg dich irgendwann auch mal zu einem Anbieter führt, der vielleicht nur Streaming macht, aber dir eben zum Beispiel Dokus anbietet?
Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Das Sportstudio ist für mich einfach die geilste Sendung der Welt. Ganz ehrlich. Das war die Sendung meiner Jugend und das sage ich jetzt nicht, weil ich Sportstudiomoderator bin und eine romantische Geschichte erfinden will. Ich habe da meinen Idolen zugesehen, Günther Jauch, Dieter Kürten und für mich gibt es einfach keine bessere Sport-Sendung. Außerdem habe ich beim ZDF die Möglichkeit, nicht nur über Sport zu berichten, sondern auch über Politik. Ich habe meine eigene Doku-Serie mit „Am Puls Deutschlands“. Diese Kombi ist für mich perfekt. Aber wie würde ein Spieler sagen: „Im Fußball weiß man nie!“ (lacht)

Foto: ZDF/[F] Jana Kay, Nadine Rupp; [M] Dirk Staudt

Wie oft schießt du im Sportstudio auf die Torwand?
Vor jeder Sendung. In der Sendung darf ich ja nicht, aber vor den Sendungen schieße ich regelmäßig gegen die Gäste. Aber ich darf natürlich nicht verraten, wie die Ergebnisse da sind. (lacht)

Was ist denn dein Rekord, du hattest ja dann schon einige Chancen…
Vier, glaube ich. Die Frage ist, ob das jetzt gut oder schlecht ist, angesichts der Tatsache, dass ich schon wirklich häufig geschossen habe.

Zum Ende unseres Gesprächs noch ein wenig EM. Wer wird Europameister?
Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung! Alle sagen „Jetzt macht Italien den Durchmarsch“, aber der Vorrunden-Europameister war selten auch am Ende Europameister. Ich erinnere an 2016, als die Portugiesen sich durch die Vorrunde gequält haben – Funfact: Im letzten Vorrundenspiel auch gegen Ungarn, auch mit dem Ausgleich kurz vor Schluss – und am Ende Europameister geworden sind. Das ist das Schöne, man kann es überhaupt nicht vorhersagen. Deswegen würde ich auch nie behaupten, dass die deutsche Mannschaft jetzt nicht mehr zu den Favoriten zählt, nach dem Ungarnspiel. Im Gegenteil, ich glaube es ist alles möglich.

Zumal der deutsche Turnierarm – sollte man in London gegen England gewinnen – nicht unbedingt schlecht aussieht.
Ja, so ist es. Italien, Belgien, Frankreich, alle in der anderen Turnierhälfte. Das hätte schon schlimmer kommen können.

Kannst du dir die Nationalmannschaft ohne Jogi Löw vorstellen?
Es ist ein bisschen wie bei Angela Merkel. Alle haben das Gefühl: „Es ist jetzt mal gut“, aber wenn sie dann nicht mehr da sind, werden wir sie vermissen, glaube ich. Ich schätze Jogi Löw sehr. Vor allem seine menschliche Art. Es ist eine harte Branche und eine Branche voller Eitelkeiten. Jogi Löw hat es aber geschafft, Jogi Löw zu bleiben. Ein Mensch zu bleiben, der einen auch wahrnimmt, mit dem man auch einen ganz normalen netten Plausch haben kann. Überhaupt nicht abgehoben. Das ist neben dem Weltmeistertitel aus meiner Sicht seine größte Leistung.

Ihr habt ja das Finale beim ZDF…
Ja, das würde ich mir für seinen Abschied und auch im eigenen Interesse wünschen, dass Deutschland es ins Finale schafft und er mit einem Titel abtritt.

(Das Interview führte FUMS-Redaktionsleiter Thomas Poppe)


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