Lise Klaveness
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Der neueste Kongress der FIFA in Doha sollte als weiterer Stimmungsaufheller und Eigenwerbung dienen. Neben der von Präsident Gianni Infantino hoch gelobten Weltmeisterschaft in Katar kam auch der anhaltende Krieg in der Ukraine zur Sprache. Dabei wurde dem Fußballverband erstmals seit Monaten Kontra gegeben.


Es glich mehr einer Inszenierung als wirklich einer Zusammenkunft. Der FIFA-Kongress in Doha entwickelte sich mal wieder zur Farce. Daran änderten auch die gleich drei Ansprachen von Präsident Gianni Infantino nichts. Natürlich standen vor allem zwei Themen im Mittelpunkt. Neben der wiederholten Aussprache und dem Lob für die Austragung der WM im umstrittenen Katar, sprach der Schweizer auch über den Konflikt in der Ukraine.

Mit seinen Aussagen über den Angriffskrieg Russlands, den Infantino so nicht benannte, sorgte er für Aufsehen. „Suchen Sie den Dialog selbst mit Ihrem schlimmsten Feind. Der Fußball wird für Sie da sein, um gemeinsam für den Frieden zu arbeiten“, so der Präsident unter anderem vom Spiegel zitiert, der darüberhinaus keinen klaren Standpunkt einnahm.

Klaveness: „Inakzeptable Umstände mit inakzeptablen Folgen“

Gleichzeitig nutzte er seine leeren Friedens-Hülsen, um erneut die Brücke zum Gastgeber zu schlagen. „Katar ist vielleicht ein kleines Land, aber das Herz von Katar ist so groß, dass es die ganze Welt willkommen heißt.“ Zum Ende appellierte er allerdings mit der „großen Bitte an alle, die die Macht haben in der Welt: Bitte beenden sie diese Kriege.“

Der Applaus für diese Aussagen hielt sich in Grenzen und war so verhalten wie möglich. Während der ukrainische Fußball-Delegierte übrigens nur per Videokonferenz zugeschaltet werden konnte, nahm der russische Vertreter den Abend unbeteiligt zur Kenntnis. Anders machte es die norwegische Fußballpräsidentin Lise Klaveness, die sich mit einigen Worten direkt an die Verantwortlichen richtete.

Die langjährige Nationalspielerin sprach die Situation in Osteuropa klar als „brutalen Krieg“ an. Dabei habe „ein Land eine Invasion in ein anderes Land ausgeübt. Da muss Druck ausgeübt werden, und die FIFA muss vorangehen“, so Klaveness. Auch hinsichtlich der Vergabe der WM an Katar bot sie als eine von wenigen klare Gegenwehr.

2010 sei dieser Vorgang unter „inakzeptablen Umständen und mit inakzeptablen Konsequenzen“ vonstatten gegangen. Durch die Missachtung von Menschenrechten und der Einschränkung von Meinungs- und Entfaltungsfreiheit in Katar, dachten so manche Nationen über einen Boykott nach. Das sollte vor allem dazu führen, dass sich der Fußballverband über seine Verantwortung bewusst wird, wie Klaveness urteilt. „Die Fifa hat diese Dinge angesprochen, aber es ist noch ein langer Weg“, so die Norwegerin. Sie „muss alle Maßnahmen ergreifen, um Veränderungen herbeizuführen.“

Unverständnis aus Katar – Zurückhaltung aus Deutschland

Der katarische Premierminister Khalid bin Abdulaziz Al Thani entgegnete Klaveness mit Unverständnis und sah sein Land in keiner Schuld. „Wir wollen Brücken schaffen zwischen unseren Kulturen und mit sämtlichen Klischees brechen.“

Aus der deutschen Fraktion kam rund um Präsident Bernd Neuendorf nur kleine Zustimmung. „Ich finde es gut, dass die Diskussion offen auf der Bühne stattfindet und dass man sich mit diesen Fragen auseinandersetzt. Das kann man so machen“, wie der 61-Jährige erklärte.

Eine wirkliche Positionierung blieb aber auch im Namen des DFB aus. „Ich will erst mal Gespräche führen und versuche, mich frei zu informieren. Das ist genauso wichtig. Wir tauchen nicht ab bei dem Thema, sondern schauen, dass wir uns erst selbst ein seriöses Bild von der Lage beschaffen.“ So wird es weitere mutige Widersacher wie Klaveness geben müssen, um in den kommenden Monaten auch den nicht an der WM verdienenden Menschen Gehör zu verschaffen.

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