Das Jahr 3 n. VAR.

Was für ein Pokalabend im Bremer Weserstadion. Und dann dieser Elfmeter. Fußball-Deutschland diskutiert mal wieder über Sinn und Sinnlosigkeit des VAR. Auch unser Adlerauge Jan Budde hat seine Meinung zum Thema und findet, dass die Fußballgeschichte zeitlich neu geordnet werden muss. Budde bei die Fische.


Wir schreiben das Jahr 3 n.VAR. Die Elfer-Statistik ist rapide angestiegen. Man könnte den Eindruck kriegen, die Stürmer flögen tief und darauf folgt bekanntlich Gewitter. Nun ist es nichts Neues, dass der Fußball das Fallobst unter den Ballsportarten ist. Für eine Sportart deren Vokabular dem militärischen Wortschatz entlehnt ist, wirkt das mitunter halt stark lächerlich. Aber jetzt haben wir mit dem VAR der Debatte eine neue Dimension verliehen und den Sport, den wir alle so lieben, der Lächerlichkeit preisgegeben, denn wir haben unsere Sehgewohnheiten verändert. In Zukunft müssen wir die Fußballgeschichte neu datieren, in v. VAR. und n. VAR.

Ganz viele Opfer des Systems

Eins vorab: Coman gegen Theo Selassie – wer hier ernsthaft einen Elfer sieht, der hat Jens Jeremies nie geliebt. Wer daran glaubt, dass das ein Elfmeter ist, der glaubt auch Nutellabrote wären ursächlich für eine Profikarriere. Coman ist deswegen kein schlechter Kerl oder Selassie keine Holzfuß auf Stollenschuhen und Schiri Siebert ist kein Triller-Johnny aus der Freizeitliga – sie sind alle drei Opfer eines Systems.

Denn der kleinste Kontakt wird nun als Begründung für einen erfolgten Elfmeterpfiff herangezogen – ergo geht die Tendenz klar Richtung „jeder Kontakt ist ein Elfmeter.“ Der Schiedsspruch „unschuldig bis zum Beweis der Schuld“ hat seine Gültigkeit verloren. Es muss n. VAR. heißen „schuldig bis zum Beweis der Unschuld“ und das ist ernsthaft problematisch. Das wäre so, als würde die Verkehrsordnung konsequent präventiv Knöllchen verteilen, egal ob die Parkscheibe da liegt oder nicht – kann ja hinterher jeder behaupten, was er will. Unabhängig davon, ob der Pfiff nun gestern richtig oder falsch war: wir haben unsere Wahrnehmung des Spiels gestört. Und die einzige Frage, die wichtig ist, lautet: Gibt es einen Weg zurück, ohne den VAR abzuschaffen? Denn das wird definitiv nicht passieren.


Von Jan Budde
(hat sich auch auf den Boden geworfen, als er zum ersten Mal Kontakt mit uns hatte, Anm. d. Red.)

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