Alles Müller oder weg?

Lahm weg, Schweini weg und Thomas Müller ist auch schon ganz unglücklich. Der FC Bayern verliert nach und nach die letzten Originale der goldenen Generationen und könnte mit Thomas Müller schon im Winter den letzten seiner Art abgeben. Unser Edel-Bazi Thomas Poppe, selbst großer Müller-Fan, sieht die Sache allerdings nur mit einem sehr kleinen, weinenden Auge und die Situation vor allem als Verpflichtung an seine Bayern.


Ja, Thomas Müller verkörpert das, was der FC Bayern sein will, wie kein anderer. Mia San Mia, große Klappe, viel dahinter. Ein sympathischer Chaot, ein Spaßmacher, ein waschechter Oberbayer. Ich hab ihn immer für seine lockere Art bewundert und auf die Frage nach dem Lieblingsspieler gerne seinen Namen neben dem von Javi Martinez in den Ring geworfen. Was hat dieser Bursche aus Weilheim für geile Spiele gemacht, was hat der freche Tore geschossen und was hat der einen Kult-Spruch nach dem nächsten raus geballert. „Müller spielt immer“, hat Louis Van Gaal einst gesagt. Aber Van Gaal ist längst weg und die Konkurrenz nicht mehr Altintop und Ekici.

Aus nostalgischer Sicht würde Müller auch bei mir immer spielen. Aber aus nostalgischer Sicht wäre auch Bastian Schweinsteiger noch mit Martinez auf der 6 und Lizarazu und Sagnol würden die Außenverteidigung um die Hintermannschaft mit Kuffour und Lucio bilden. Aber damit holst du 2019 eben dann auch maximal den BFV-Toto-Cup und nicht die Champions League. Genau die will die Vereinsführung aber mit aller Macht gewinnen. Genau hier fängt das Problem an: Die Erwartungshaltung beim FC Bayern, irgendwann wieder den Henkelpott zu gewinnen, harmoniert nicht mehr mit der fußballerischen Qualität eines Thomas Müller.

FC Bayern München: Thomas Müller ist immer für ein Tor gut, aber…

Ja, Müller ist ein besonderer Spieler. Ja, Müller hat sich vom einstiegen Torschützen zu einem starken Vorlagengeber entwickelt. Ja, Müller ist bis heute in jedem Spiel für den entscheidenden Moment gut. Die Wahrheit ist aber auch, dass das alles auch für die Konkurrenz gilt.

Coman, Coutinho, Gnabry und Lewandowski – das ist aktuell in München einfach mehr als deutlich der beste Anzug. Müller ist das Sakko, das man noch von der Kommunion im Schrank hängen hat. Über viele Jahre ein treuer Begleiter, toller Erinnerung, aber eben nicht mehr ganz am Zahn der Zeit. Und passen tut er schon lange nicht mehr.

Thomas Müller verdient aktuell wohl rund 15 Millionen brutto pro Saison beim FC Bayern. Das ist selbst im internationalen Vergleich viel und auf Augenhöhe mit Jungs wie Suarez und Bale, ja sogar deutlich über dem, was Spieler wie Salah, Firmino oder Mané bekommen. Rummenigge hat mal zu Pizarro gesagt: „Wer verdienen will, wie Schewtschenko, der muss auch so spielen wie Schewtschenko.“ Einen Satz, der sich auf Thomas Müller durchaus umlegen lässt. Wer verdient wie Suarez, muss auch auf dem Niveau von Suarez kicken. Das macht Müller schon länger nicht mehr. Über das System von Niko Kovac und auch über dessen „Not am Mann“-Zitat kann man streiten. Müller auf der Bank zu lassen, der seit mehreren Jahren nicht mehr auf dem Level von 2010-2014 spielt, ist bei den vorhandenen Alternativen aber ein nachvollziehbarer Schritt.

Thomas Müller: Gehen oder bleiben? Und wenn ja, wohin?

Nun will er weg. Vielleicht schon im Winter. Wohin, stellt sich die Frage. Denn Vereine, die bereit sind, 15 Millionen Jahresgehalt zu überweisen, haben in der Regel ebenfalls Spieler im Kader, die Thomas Müller auf die Bank zwingen oder sind eher in Fernost angesiedelt. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga? Nicht vorstellbar. Verzicht auf die Hälfte des Gehaltes? Genau. Selbst wenn Kovac morgen ginge, fiele mir kein Trainer ein, bei dem Müller aktuell sicherer Stammspieler wäre. Und so wird aus dem einstigen Stimmungsmacher in den letzten Monaten immer mehr ein Stimmung-Macher. Dabei täte er gut daran, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, die Rolle des Edeljokers anzunehmen und auf seine Chance zu hoffen, die bei 50+ Pflichtspielen und verletzungsanfälligen Kollegen kommen wird. Sollte er das nicht wollen, wäre eine Trennung im Winter wohl der einzig richtige Weg für beide Seiten.

Der Marketingwert von Thomas Müller ist für den FCB kaum zu ersetzen. Der Fußball des Thomas Müller ist es allerdings schon längst. So ist das eigentliche Warnsignal für mich nicht der mögliche Abgang einer Vereinslegende, sondern das Fehlen von neuen Identifikationsfiguren, wie es ein Kimmich gerade wird und Coman und Gnabry in ein paar Jahren sein könnten. Ein Abgang von Müller wäre für mich nur noch aus nostalgischer Sicht ein Verlust. Hätte mein Ich von 2012 eine Zeitmaschine, würde es wohl direkt ins Jahr 2019 kommen und mir dafür eine fette Ohrfeige verpassen.


Von Thomas Müller
(ähhh….Thomas Poppe, Anm. d. Red.)