Spielerpräsentationen 2018: Licht aus, Schrott an!

Kranenkamp wieder! Während Superstars wie Alexis Sanchez, Pierre-Emerick Aubameyang oder Sandro Wagner im Winter ihre Klubs gewechselt und das große Geld gemacht haben, hockt unser Redaktions-Brain Lars Kranenkamp immer noch auf seinem kaputten Drehstuhl und wartet auf den Final Call. Ganz nebenbei ist ihm darüber hinaus vor lauter Deadline-Day und pianospielenden Flügelstürmern aufgefallen, dass das alles hier nicht mehr sein Fußball ist. Ein symbolisches Zerreißen der Vertragspapiere zwischen ihm und seiner liebsten Sportart. 


„Wir wollen Fans durch die sozialen Medien zu Konsumenten machen“, sagt Rafael de los Santos, Head of Digital von Real Madrid. Da nimmt einer kein Blatt vor den Mund, könnte man sagen. Endlich einer, der ausspricht, was alle denken oder vielleicht schon lange wissen. Aber mal ganz im Ernst: Haben die noch alle Latten im Zaun? Die Kommerzialisierung des Fußballs, auch in der Bundesliga, schreitet doch eh schon mit Siebenmeilenstiefeln voran. Sie geistert seit Jahren und Jahrzehnten durch die Stadien und schwebt allgegenwärtig über uns Fußballfans.

Sie war einmal relativ weit weg, noch weit genug. Mittlerweile habe ich sie direkt vor Augen – kann kaum noch Fußball sehen. Sportliches und Fußballkulturelles wird spürbar überlagert. Performance und Show machen dem Kernthema das Terrain streitig. Jüngstes Beispiel des Markenwahns: Die wahnwitzigen Spielerpräsentationen in der Premier League. Da wird Alexis Sanchez in Maestro-Manier im Old Trafford an einen Flügel genagelt und unser Echte-Liebe-Spezi Pierre-Emerick Aubameyang posiert für Arsenal in selbstverliebter Pose, als ginge es um eines dieser abgegriffenen Heidi-Fotos.

Was ist da los? Ich will dieses erbärmliche Konsumenten-Marketing nicht sehen. Die Notwendigkeit, den veritablen Kundenkreis zeitgemäß „dort abzuholen, wo er ist“ (offensichtlich im extrem fortgeschrittenen geistigen Delirium) ist ja nachvollziehbar – trotzdem stellt sich mir auch die Frage, ob sich ein Spieler, der Raum für derartige Kunststückchen hat, überhaupt in der Lage sieht, seinen neuen Verein nach Leibeskräften sportlich zu unterstützen ergo weiterzuentwickeln.

Zum Glück für Klubs und Werber bin ich offensichtlich der Einzige, der diese Form der vorauseilenden Glorifizierung in Form völlig schmerzfreien Übermarketings verachtet. Vielleicht ist das ja auch nur eine temporäre Erscheinung und in ein paar Jahren interessiert es Fans auch wieder, welche nicht finanziellen Gründe für Profi XY ausschlaggebend waren, um sich gerade einem Klub anzuschließen.

​Vielleicht geht es aber auch den Profis zukünftig gar nicht mehr primär um Fußball, sondern Klubs verpflichten reichweitenstarke Popsportinfluencer mit dem Talent, überdurchschnittlich gut zu kicken. Ich werde bei Zeiten durchaus in der Lage sein, das alles zu akzeptieren – nur seht mir meine Skepsis nach. Ich ging einst wirklich davon aus, Fußball und ich – das wäre für immer.


Von Lars Kranenkamp
(Reichweitenstarker Popsportinfluencer mit dem Talent, überdurchschnittlich schlecht zu kicken, Anm. d. Red.)

Lars Kranenkamp

Ballsport • Punkrock • Digital | Konzeption • Content • Kreation | www.larskranenkamp.de

2 Reaktionen

  1. Norman sagt:

    Nein du bist nicht allein mit dieser Ansicht und dieser Gefühlslage oder Meinung. Es Spiegelt in etwa das wieder was auch ich darüber denke oder auch empfinde. Ich ohne Fußball ist in meinem Bekanntenkreis kaum vorstellbar, doch distanziere mich immer mehr davon. MFG

    • FUMS FUMS sagt:

      Zwischendurch flackert die Liebe zum Fußball ja oft genug und noch regelmäßig auf. Aber insgesamt betrachtet, ebbt das ganz schön ab. Mal sehen, wie sich das alles entwickelt. Danke für Deinen Kommentar und einen schönen Sonntag! | Lars Kranenkamp

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