Mit Kovac die schönste Zuchtblume aus dem Beet gerissen

Poppe wieder! Bayern-Fan mit jeder Menge Sympathie und regionaler Verbundenheit für Eintracht Frankfurt – zugegeben, unser Brain Thomas Poppe ist – was seine Fan-Seele betrifft – ’ne arme Sau. Umso heftiger hat ihn das Kovac-Beben getroffen. Eine kurze Einordnung der aktuellen Gefühlswelt eines Fans, der gerade seinen Wunschtrainer verloren – und doch irgendwie bekommen oder äh….behalten hat.


Mir tut der Kovac-Wechsel für die Eintracht mehr weh, als es mich für Bayern freut – obwohl es mich für die Bayern freut. Es fühlt sich ein wenig an, als würde Uli Hoeneß in einem Vorgarten in Frankfurt-Bockenheim die schönste Zuchtblume aus dem Beet reißen um sie bei sich auf den Wohnzimmertisch zu stellen, wo sie in Kürze zu verwelken droht. Da war was tolles gewachsen mit Kovac, mit Bobic, mit jungen Talenten und kantigen Typen. Und jetzt wird vom Eintracht-Jenga-Turm ein echt wichtiger Baustein herausgezogen.

Als Bayern-Fan sehe ich der Sache gelassen entgegen. Die Fußstapfen von Jupp waren ja sogar irgendwie für Pep zu groß. Und nachdem Tuchel vom Markt ist, Klopp in Liverpool gerade zur Legende wird, Hasenhüttl sich nicht bereit fühlt und mich keiner gefragt hat, war Kovac für mich die aktuell beste Lösung nach Pochettino von Tottenham.


Kovac kassiert zu wenig Kudos
Kovac kann mit Typen, weil er selbst einer ist. Kovac kann Taktik, das hat er in Frankfurt bewiesen – auch wenn der dafür viel zu wenig Kudos kassiert. Ob Kovac Nationalspieler auf der Bank lassen kann und die Taktik auch für ein Halbfinale in der Champions League reicht, wird sich zeigen. Das müsste man aber bei jedem anderen Trainer auch sehen.

Fakt ist auf jeden Fall auch: Die ganz großen Lösungen, wie beispielsweise Ancelotti eine war, wären gerade die schlechtere Option. Titel-Trainer, die für den Moment aufstellen und nicht für die Zukunft. Die Mannschaft steht vor einem zu großen Umbruch. Und genau dafür ist Kovac der richtige Mann. Wenn es funktioniert, vielleicht auch mal wieder für 4-5 Jahren länger, als die meisten gerade erwarten. Und wenn nicht, kann Jupp sich ja jetzt erstmal bis Januar erholen.

Thomas Poppe und seine Lobeshymne auf die SGE: „Die Adler, Alder! Einfach guter Fußball!“

Ein Wort noch an alle Frankfurt-Fans, die gerade überdrehen:
Enttäuscht, gekränkt und wütend? Sicher! Da hast du was mit einer Kandidatin von Germany’s Next Topmodel und vor dem Finale lässt die Eule dich sitzen. Aber so mancher Adler überschlägt sich gerade nicht nur mit den Flügeln, sondern auch mit dem Hass auf Kovac, der sich doch noch vor kurzer Zeit zur Diva vom Main bekannte und Vertragsbrüche kritisierte. Wenn er eine Ausstiegsklausel zieht, dann bricht er maximal Herzen, aber keine Verträge. Und was genau soll er vor drei Wochen sagen, als es noch kein Angebot gab? „Ja, also wenn die Bayern nicht anfragen, bleib ich, sonst bin ich weg – hab extra dafür ne Klausel!“ Klar. Solche Sätze sind Selbstschutz. Für sich und den Verein.

Natürlich sind in Frankfurt die Leidenschaft und die Stimmung dauerhaft Champions League – in München ist es dafür die Mannschaft. Das, was in Frankfurt auf der Tribüne passiert, kannst du kaum toppen. Aber das wird Kovac dann auch egal sein, wenn er im Halbfinale der Meisterliga gegen Barcelona im Nou Camp coachen darf. Mein gut gemeinter Rat: Zeigt ihm einmal den Mittelfinger, werft noch mal die Tennisbälle vom Montagsspiel und dann volle Konzentration auf Pokalhalbfinale und Mission Europa.


Von Thomas Poppe
(wird regelmäßig von der FUMS-Thekentruppe als Trainer angefragt, ziert sich aber noch, Anm. d. Red.)


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