Transfairytale gone bad

Poppe wieder! Und das am Deadline Day! Es geht noch einmal rund am letzten Tag, an dem das Transferfenster weit geöffnet hat. Trapp zur Eintracht nach Frankfurt, Nuri Sahin an die Weser – unser ewiger FUMS-Königstransfer Thomas Poppe schreibt in seiner neuesten #FUMSKOLUMNE, warum dieses Wechsel-Hick-Hack absolut nichts für ihn ist und welche gescheiterten Deals mittlerweile schon wahre Klassiker sind.


Es gibt zwei Gründe, weshalb ich ganz froh bin, dass es mit meiner Fußballkarriere nicht über die Kreisliga hinaus und in Richtung Profigeschäft ging: Die Transferperiode im Sommer und die Transferperiode im Winter. Ok, vielleicht noch geldgeile Spielerfrauen und Berater – aber vor allem eben die Transfers. Früher, da ging noch was. Bernd Schuster unterschrieb mit 18 einfach bei drei Clubs gleichzeitig. Heinz Budion, der 1954 nur wegen einer Verletzung die WM verpasste, erzählte mir mal von einer Couch, die ihm die Offenbacher Kickers in den Garten stellten, um ihn anzulocken. Stellt euch mal vor, Brazzo würde heute erst zu IKEA und dann zu Timo Werner düsen?

Klar, wenn du die Leiter nach oben kletterst, sind Wechsel toll. Aber was, wenn es nach unten geht? Wenn du in Hollywood warst und nur noch GZSZ anfragt? Da bist du gerade eben noch der hoffnungsvolle Neuzugang beim FC Bayern, hast dir eine schicke Villa in Grünwald gegönnt, die Telekom hat nach vier Monaten auch endlich mal das Internet freigeschaltet und du hast einen Friseur gefunden, der dir die Rückennummer super schön in die Seite rasiert. Aber plötzlich sind eine Mietswohnung in Mattersburg, ein Zweizimmer-Apartment in Zwolle und die Eigentumswohnung in Eibar deine Optionen. Und ob der Tinder-Markt da besser ist, sagt dir auch keiner.

Wie beim Eulenschießen auf der Resterampe

Nirgendwo liegen Anspruch und Realität weiter auseinander als auf dem Transfermarkt. Nur selten kommt es vor, dass sich einer selbst als Weltstar sieht und auch so gehandelt wird – Ronaldo, Neymar, Max Meyer und ZACK, schon hört die Liste auf. Und dann vergehen die Tage, das Fenster geht immer weiter zu und du fühlst dich langsam wie in der Dorf-Disco, wenn es in Richtung Eulenschießen auf der Reste-Rampe geht. Nur, dass du halt die Eule bist.

Wenn’s ganz dumm läuft, verleihen sie dich nur. Verleihen! Habt ihr schon mal Dinge verliehen? Die bekommt man doch fast nie in gutem Zustand zurück – wenn überhaupt.

Dann schicken sie dich nach Bournemouth, du lernst eine hübsche Einheimische kennen… ok, sie schicken dich nach Girona und du lernst eine hübsche Einheimische kennen und gerade, als es ernst wird, wollen sie dich doch wieder zurück. Ganz bitter wird es, wenn du – wie jüngst Marco Fabian – schon ein Foto mit Fans von Fenerbahce machst, aber dann durch den Medizincheck fällst. Und dein Lieblings-Dönermann, wegen dem du überhaupt erst den Medizincheck nicht geschafft hast, erteilt dir bei deiner Rückkehr Hausverbot, weil er Besiktas-Fan ist. Einmal mit alles, bitte.

Klassiker, die zum Scheitern eines Transfers führen

Der Medi-Check ist ohnehin nur eine von vielen Tücken, an denen das Ding scheitern kann. Andere Klassiker: Wenn eine Seite die Gehaltsvorstellung in Türkischer Lira und die andere Seite in Euro hatte, wenn Porto anruft, man aber versehentlich Bordeaux verstanden hatte, wenn dieser eine Typ aus der Verwaltung das Fax mit deinem Vertrag zu spät an die DFL schickt. Dann stehst du da und hast plötzlich den Spitznamen Faxim Choupo-Moting, aber keinen neuen Club. Und wenn du doch einen hast, hat der vielleicht nach drei Wochen einen neuen Trainer, der dich ja nie wollte.

Vom Hoffnungsträger zur Trainingsgruppe 2 – dazwischen liegt manchmal nur ein schwacher Auftritt im DFB-Pokal. Und dann wäre da noch das Umziehen. Wer zieht denn bitte gerne um? Dann diese schrecklichen Traditionen für neue Spieler im Verein. Hinkommen und direkt zum Vollhorst machen dürfen. Na toll.

Und dann war da noch Abedi Pele, der dachte, dass er zum FC Bayern geht, aber bei 1860 landete. True Story.

Als Spieler arbeitslos oder im Schaufenster zu sein, ist sicher hart. Aber Manager zu sein, mit dringendem Handlungsbedarf und ohne Kohle in der Tasche, sich die Nächte mit Youtube-Clips aus der argentinischen Provinz um die Ohren schlagen und auf eine Schnapper hoffen zu müssen – das scheint kaum schöner. Da liest du irgendwo, dass dein neuer Abwehr-Gigant Franca 1,88 Meter misst und wenn er ankommt, ist er doch nur 1,82m – fragt mal Jörg Schmadtke. Der hat übrigens auch mal mit Pawel Wszolek an einem Vertrag für Hannover 96 gearbeitet und ihn anschließend verklagt. Der Pole widerum sagte im Interview „Ich habe mich in den Verhandlungen wie eine Prostituierte gefühlt, die in den Westen verkauft wurde“.

Gut, hätte er halt zu Energie Cottbus oder dem VfB Stuttgart wechseln müssen, wenn er in den Osten oder Süden gewollt hätte. Oder du holst einen, wie den Brasiliener Didi, der einst zum VfB ging – ohne Innenmeniskus und vorderes Kreuzband im linken Knie. Wobei, was nicht da ist, kann nicht reißen.

Mein Lieblings-Transfer ist aber dann doch Mikkel Thygesen in Gladbach, den Jupp Heynckes mit „den Stürmer, der uns gefehlt hat“ begrüßte und der darauf mit „Stürmer? Nie gespielt.“ antwortete.

Frauen erzählen immer, dass es anstrengend ist, wenn sie in die Wechseljahre kommen. Aber was sollen denn dann bitte Fußballer sagen? Ich bin auf jeden Fall froh, dass meine Hammersaison für die Sportfreunde Schneeberg in der A-Klasse Miltenberg mit 27 Buden in 28 Spielen niemand bemerkt hat. Damals 2000/01.


Von Thomas Poppe
(dessen Hammersaison 2000/2001 doch von jemandem bemerkt wurde, oder was meint er, warum er sonst im FUMS-Kader steht????, Anm. d. Red.)

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