Manchester City darf also doch Champions League spielen und die Fußballwelt ist nicht mal im geringsten verwundert. War das klarer wie Kloßbrühe? Oder sogar klarer als? Ist der Fußball dank Finanzspritzen härter gedopt als die Tour de France und was ist eigentlich die Steigerung von „am kaputtesten“? Fragen, die unseren Scheich vom Teich Thomas Poppe verzweifeln lassen.


Financial Fairplay ist, wenn du Gerechtigkeit bei Wish bestellst. Kürzer kann man nicht zusammenfassen, was da gerade schief läuft, an der Spitze des Weltfußballs. Nachdem sich schon Paris Saint-Germain mit einer gekonnten achtfachen Neymar-Schraube aus der Strafen-Schlinge winden konnte, hat es jetzt auch Manchester City geschafft. Um zu verstehen, wie perfide die Nummer ist, muss man die Vorgeschichte kennen und verstehen: Football Leaks-Enthüllungen zeigten, dass die Skyblues zwischen 2012 und 2016 Sponsoreneinnahmen zu hoch bewertet hatten. Das klingt erst mal unspektakulär, aber es ist ein fieser Wettbewerbsvorteil.

Ein Vergleich: Ben, Emma und Tim wollen sich zusammen ein Fahrrad kaufen und dann ein Rennen fahren. Alle Kinder machen einen Ferienjob, bei dem sie fünf Euro die Stunde bekommen. Während Ben und Emma sich mit Überstunden schon 100 Euro verdient haben, radelt Tim bereits mit dem Bike los, weil der nette Onkel Hans die bisher erarbeiteten 50 Euro mit 150 Euro bezuschusst hat. Da darf man sich dann auch nicht wundern, warum Tim das Rennen gewinnt. Der nette Onkel ist im Fall von Manchester City Scheich Mansour aus Abu Dhabi, der als Besitzer die Einnahmen krasser frisiert hat, als der Barber von Sancho. Denn weil angeblich soviel Kohle rein kommt, darf City auch ganz viel Kohle ausgeben. Die CAS-Richter sprachen ManCity im Urteil nicht von Schuld frei, sondern begründeten es unter anderem mit Verjährungsfristen von fünf Jahren, die in vielen Fällen überschritten seien.

Seit Mansour 2008 übernommen hat, machte man ein Transferminus von 1,314 Milliarden. Nur das Minus, wohlgemerkt – insgesamt wurden für neue Spieler 1,846 Milliarden ausgeben. In Worten: Eintausendachthundersechsundvierzig Millionen. Das ist, nach Einschätzung von Fachleuten, gar nicht mal soooo wenig Geld. Wer glaubt, der Scheich hätte einfach nur unfassbar viel Geld, mit dem er aus Spaß an der Freude um sich werfen will, der täuscht sich. Bei seiner Übernahme zahlt Mansour 210 Millionen Pfund, also etwas mehr als 233 Millionen Euro für die Skyblues. Heute ist die „City Football Group“ – auch dank der vielen Stars und Erfolge auf nationaler Ebene – 4,8 Milliarden wert. Im Dezember gingen 10 Prozent der Anteile für 500 Millionen Dollar an eine Beteiligungsgesellschaft. Es ist also weit mehr als ein Real-Life-Manager-Spieler. Es ist, als hätte man den aktuellen Football Manager für 30 Euro gekauft und würde ihn nach ein paar Jahren für 600 Euro bei Ebay verkaufen können.

Das Traurigste sind ja längst nicht mehr die Machenschaften, mit denen sich Clubs wie Manchester City Vorteile im Weltfußball verschaffen. Das Traurigste ist auch längst nicht mehr, dass das FFP nur ein Pseudo-Schutzschild ohne echten Wert und Power ist. Das Traurigste ist, dass das von uns als Fans längst alles nur noch wie ein Meme wahrgenommen wird. Ein großer „War eh klar, lol!“-Seufzer und zwei Kopfschüttler später geht der Alltag weiter und man schaut sich noch mal schnell die Highlights der Relegation Ingolstadt gegen Nürnberg an, die dann irgendwie doch trotz der bescheuerten Auswärtstorregel hart unterhaltsam war.

Im Fußball muss eine ähnliche Debatte geführt werden, wie im Radsport: Kann dieser Sport nur noch sauber bleiben, wenn man Doping erlaubt? Denn nichts anderes sind die kräftigen Finanzspritzen der Scheichs, die einen fairen Wettbewerb nicht mehr möglich machen. Sollten die 30 Topteams am Ende vielleicht doch besser eine Superliga a la NFL gründen und sich dort selbst auf Regeln wie einen Salary Cap einigen – oder nicht? Sollte einfach jeder Verein so viel ausgeben können, wie er will und alles für Investoren geöffnet werden? Sollte der Fußball es doch noch mal mit fairen Regeln versuchen und endlich vernünftig durchgreifen? Ich habe keine Ahnung, was der richtige Weg wäre – der jetzige ist es auf jeden Fall längst nicht mehr. Bald erscheint das neue Anstoss. Ich bin gespannt, ob der Manager einen CAS-Cheat hat, bei dem man einfach unbegrenzt Geld ausgeben kann ohne echt Konsequenzen fürchten zu müssen.

Von Thomas Poppe
(Lieblingsurlaubsort Scharm El-Scheich, Anm. d. Red.)

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