Georg Faur Sasa Kalajdzic
Picture Alliance/FUMS-Montage

Spieler wechseln den Club – mittlerweile Tagesgeschäft im Fußball. Woran sich FUMS-Redakteur Georg Faur aber vielleicht nie gewöhnen wird: Ständig wechselnde Identitätsfiguren in seinem Verein.


Ich bin Fan des VfB Stuttgart. Endgültig geworden bin ich das zum genau richtigen Zeitpunkt: 2007. Zu meinem 10. Geburtstag gab es das rote Auswärtstrikot, drei Monate später köpfte Sami Khedira in ebendiesem den Verein im eigenen Stadion zur fünften deutschen Meisterschaft. Ein Held war geboren.

Wie auch Mario Gomez, Cacau, Thomas Hitzlsperger, Pavel Pardo, Ricardo Osorio, Fernando Meira,… Solche Figuren prägten den Verein, die Fans und eine ganze Region im Freudentaumel. Das war 2007 so, 1992, 1984, 1952 und 1950 auch. Und heute? Schon lange lockte der Ruf aus dem Ausland, schon lange lockte die Aussicht auf einen Karrieresprung. Die – vermeintlich – kleinen Vereine in Deutschland: nur noch Sprungbretter. Statt hier die Bayern zu attackieren und Champions League zu spielen, heißt es heute: Alles geben und gucken, dass ein Verein von der Insel mit dickem Geldbatzen wedelt.

2018, beim Achtelfinale der WM in Russland, saß ich im VfB-Pavard-Trikot im Call Center und verdiente mir nebem dem Studium etwas dazu, als Benji das Tor des Turniers erzielte. „HA, seht her! Der spielt bei uns!“, sagte ich stolz und zeigte auf meinen Rückenflock. Benjamin Pavard war einer der Spieler, in den ich mich mehr oder weniger richtig verguckt hatte. Hoffentlich spielt der für immer bei uns! Mit ihm abgestiegen, mit ihm aufgestiegen, mit ihm die Bayern besiegt, mit ihm kurz von Europa geträumt (bis jemand in Berlin den Ball lang schlug, Bruder), ihn im Moskauer Regen den goldenen WM-Pokal hochhalten sehen, ihn 2019 an der Säbener Straße einen Vertrag unterschreiben sehen. 

Damals hatte ich mir geschworen, dass ich nie wieder einen Spieler so ins Herz schließen werde. Mir war klar, dass viele kommen und noch mehr gehen würden. Der VfB ist kein Verein zum Verweilen, wer will hier schon seinen Karrierehöhepunkt verleben? Kaum war Benji weg, kamen auch schon Silas Katompa Mvumpa und Saša Kalajdžić. Und zack, zumindest in Ersteren war ich direkt schockverliebt. Und spätestens nach dem Zurückkämpfen von einem Kreuzbandriss und seinem EM-Tor gegen Italien mit Österreich auch in den Zwei-Meter-Mann.

Diese Woche passierte wieder, was nie mehr passieren sollte: Ich bin traurig, weil Saša geht. Nach England. Zu Wolverhampton. Klar, mach, du hast einen Karriereplan, du bist niemandem Rechenschaft schuldig, mir schon gar nicht. Du hast 15 Jahre Zeit, auszusorgen. Ich bin nur sauer, dass ich mich wieder habe einlullen lassen. Einlullen lassen von einer Fußball-Romantik, die es so eigentlich gar nicht mehr gibt. Einlullen lassen vom Aberglauben, dass mein Verein dem großen Geldzirkus „Premier League“ irgendwie Paroli bieten könnte. Spieler kommen, Spieler gehen. Am Ende bleiben zwei Dinge: Die Erkenntnis, dass ein Spieler nie größer als der Verein ist und sein darf und die leise Hoffnung, dass Silas nach der Saison doch noch ein Jährchen bleibt.

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