Boxing Day, oh Boxing Day!

Der Boxing Day. Maximal der erste Spieltag (weil die Saison endlich losgeht) und der letzte Spieltag (womöglich, weil die Saison endlich vorbei ist) sorgen beim (englischen) Fußballfan für ähnlich viel Vorfreude wie dieser 26. Dezember, an dem in Großbritannien in vielen Ligen der Ball rollt. In England beispielsweise gibt es in diesem Jahr Partien von der Premier League bis runter zur achten Liga. Die Stadien sind voll, die Stimmung ist sogar ein wenig besinnlich und die Zahl der erzielten Treffer ist häufig auch etwas höher als gewöhnlich. Jan-Hendrik Luft mit einer warmen Umarmung für einen der geilsten Spieltage überhaupt.


In Deutschland genießt der Boxing Day einen famosen Ruf, bietet er doch eine Ablenkung in der Bundesliga-Winterpause oder im Feiertagsrausch. Premier League unterm Weihnachtsbaum klingt halt einfach gut. Bis zum Launch von DAZN und der damit begonnenen umfangreichen Berichterstattung war aber das Interesse des deutschen Mainstreams am englischen Fußball in etwa so groß wie an der 2. Bundesliga: Es juckt die Leute nur dann, wenn die Bundesliga gerade spielfrei hat.

In der Vergangenheit schaute ich daher mit einer Mischung aus Verwirrung und Unglauben am 2. Weihnachtsfeiertag auf den Fernseher, wenn Highlights aus der Premier League in der Tagesschau (!) gezeigt wurden. Fans, die sich im restlichen Jahr verständlicherweise primär mit ihrem eigenen Klub beschäftigen, wollten auf einmal die Stürmersituation beim FC Liverpool oder potenzielle Verpflichtungen des FC Chelsea diskutieren. Es war alles immer etwas unwirklich.

Boxing Day vs. 2. Weihnachtsfeiertag

Ich selbst schaue mir den Boxing Day nicht an. Nicht, weil mir das an diesem Tag breitere Interesse am englischen Fußball auf die Nerven geht, sondern einfach, weil ich an den Weihnachtsfeiertagen mit dem Abklappern von Familienmitgliedern beschäftigt bin. Während also die Partien laufen, verbringe ich viel Zeit auf norddeutschen Straßen, reiche ich stundenlang Raclette-Zutaten an meine Tischnachbarn oder verbringe mehrmals (und normalerweise besorgniserregend) viel Zeit im Badezimmer, um auf dem Handy mit kläglichem Edge-Empfang zumindest die Zwischen-Ergebnisse der Spiele zu erfahren. Allen Leuten, die entweder schon mit familiären Festlichkeiten durch sind oder sich die Zeit rausnehmen, sich die Spiele am Boxing Day anzusehen, sei es gegönnt.

Zu gerne würde ich allerdings mal die Gesichter der Verwandten sehen, wenn die in der Regel wenigen Fußballfans am Tisch plötzlich aufstehen und erklären würden, dass sie nun nicht länger am Weihnachtsbrunch teilnehmen, um sich stattdessen dem Spiel FC Fulham vs. Wolverhampton Wanderers zu widmen. Gut möglich, dass die Tischrunde sich dann erstmal fragen würde, was das überhaupt sein solle – Fulham und Wolves.

Dritte FA-Cup-Hauptrunde als Highlight

Das erste Wochenende des neuen Jahres ist übrigens mein persönlicher Favorit, denn dann wird die dritte Hauptrunde des FA Cups ausgetragen. Die Erst- und Zweitligisten steigen in dieser Runde ein und aufgrund der nicht vorhandenen Setzliste kann wirklich jeder gegen jeden spielen, sodass es Begegnungen wie zwischen dem Sechstligist Woking und Premier League-Klub Watford gibt oder auch Erstliga-Duelle zwischen Wolverhampton Wanderers und dem FC Liverpool. Und nach dem Ende der ganzen Feierei sind auch die Verwandten nicht mehr da, sodass man bei der Erwähnung der Wolverhampton Wanderers auch in keine fragenden Gesichter mehr gucken muss.


Von Jan-Hendrik Luft

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