Ich habe noch nie verstanden, was es mir bringen soll, wenn ich irgendwo Erste bin

Trotzdem ist so etwas wie 200 Sendungen schon auch schön, oder nicht?
Das ist für mich deshalb wichtig, weil mein Vater gesagt hat, er möchte dann gerne in die 200. Sendung kommen, und wenn ich die verpasse, kriege ich richtig Stress zuhause (lacht).

Kneifst du dich manchmal nach 13 Jahren? Du hast viel gemacht, viel erlebt: Sechsmal die Olympischen Spiele, fünfmal Welt- beziehungsweise Europameisterschaften, zahlreiche Fußballländerspiele des DFB…
Ich habe sehr viel erlebt, ich habe aber auch wahnsinnig viel verpasst. Ich habe zum Beispiel den 80. Geburtstag meines Vaters verpasst, da war ich bei den Olympischen Spielen in Rio. Er hat das sportlich genommen, für mich war es arg. Ich will überhaupt nicht jammern, aber ich verpasse die Wochenenden. Das wirkt immer so großartig und so toll, was wir tun, aber ich bin die Wochenenden immer nicht da. Ich habe mich im Prinzip vor 13 Jahren von meinem sozialen Leben zu einem Großteil verabschieden müssen.

„Was meine Freunde unternehmen, findet meistens am Wochenende statt. Da kann ich immer nur sagen: Es tut mir leid, ich bin nicht da. Das ist nicht schön.“

Was machst du am liebsten? Studio, Field, DFB-Lager, Gala-Moderationen…?
Ich bin am liebsten draußen. Studio ist Teil meines Jobs, das gehört dazu, aber ich bin am liebsten draußen. Diese Nähe ist toll. Sobald du irgendwo in einem Studio bist – das wirkt natürlich gut, du hast diese tolle Beleuchtung, aber sobald man die Tür aufmacht, sieht man, dass man in einer Halle steht – stehst ewig weit weg von dem, was gerade passiert. Und das ist ja das, was mich dazu gebracht hat, überhaupt dahin zu wollen. Dass ich diese Nähe, diesen Kontakt habe. Dass ich es sehen und erleben will. Und das hat man natürlich nur, wenn man draußen ist. Jetzt vor Weihnachten zum Beispiel, das letzte Bundesligaspiel, das wir live übertragen haben aus Dortmund, das war schon große Klasse. Das hat Spaß gemacht.

Wie erlebst du es, dass das ZDF diverse Rechte an Liveübertragungen verloren hat?
So ist das Spiel. Die Champions League ist weg, das tut uns natürlich weh. Auf der anderen Seite haben wir im letzten Paket, das wir bekommen haben, eben auch diverse Livespiele und, was nach wie vor ein großes Pfund ist, ist tatsächlich am Samstagabend das Topspiel. Da haben wir richtig Glück gehabt, weil da tolle Spiele dabei waren zuletzt. Das gibt uns im Aktuellen Sportstudio einen großen Mehrwert. Würden wir nur abbilden, was die Sportschau vorher schon gezeigt hat, wäre es extremer.

Denkbar für dich, dass du dich beruflich noch einmal veränderst? Noch näher an den Rasen ran?
Nein, ich stehe ja am Rasen.

Wenn Amazon oder Apple bei der nächsten Rechtevergabe die Muskeln spielen lässt und sie Katrin Müller-Hohenstein für die Bundesliga fest verpflichten wollen, ließe sich die Frequenz da stark erhöhen…
Nein. Auf keinen Fall. Ich bin beim ZDF total glücklich, habe da super Kollegen. Ganz im Gegenteil: Ich würde schon auch gerne nochmal mit meinem Wohnmobil die kroatische Küste entlangfahren. Weil: Da ist es schön. Da war ich noch nie. Ich habe nur leider kein Wohnmobil (lacht). Das sind so eher die Fragen, die ich mir gerade stelle. Wann ich das mal machen kann.

Eine erfrischend klare Ansage in Zeiten, in denen man ja gerne mal sagt: Ich kann mir alles vorstellen oder: Ich weiß nicht, was morgen kommt…
Das kann ich total verstehen, die Kollegen sind meistens jünger und haben noch mehr Arbeitsjahre vor sich. Natürlich ist es schön, wenn du die großen Wettbewerbe hast. Das nächste Bundesligapaket wird im Sommer 2020 vergeben. Danach weißt du nicht, wie es weitergeht. Nehmt mal als Beispiel Jörg Wontorra, ich weiß gar nicht, bei wie vielen Sendern der war. Der ist immer den Bundesligarechten hinterher. Ich kann das schon verstehen, dass man sich da Gedanken macht.

„Deswegen war es ein absolutes Geschenk, als unser Chef es im letzten Jahr mit dem Chef der ARD geschafft hat, von Discovery die Olympia-Rechte zurückzuholen. Da habe ich einen Champagner aufgemacht. Olympia ist sowieso nicht zu toppen.“

Ist das so? Das ist das eigentliche Highlight?
Für mich ja. Für Olympia würde ich alles andere stehen lassen. Bis auf die WM 2014. Das war natürlich unerreicht. Und das wird es auch nicht mehr geben. Aber wenn es etwas gibt, wofür ich dankbar bin in meinem Berufsleben, dann ist es die Tatsache, dass ich da dabei sein durfte.

Es gibt einen FUMS-Arbeitsnachweis von dir aus dieser Zeit, du hast damals allen Gästen die berühmt-berüchtigten ZDF-Strandläufer geschenkt, die Glück bringen sollten. Erinnerst du dich?
Ach, diese Badelatschen? Ja…

Genau! Für uns damals ein sehr unterhaltsamer Aspekt der WM-Berichterstattung, du hast allen Spielern und Funktionären ZDF- Glücksbringer-Flip Flops verteilt und am Ende wurden wir Weltmeister.
Siehste! Hat also doch etwas gebracht…(schmunzelt)

Sind das Dinge, die du gerne mitmachst oder gibt es auch Momente, in denen du sagst: Ach Mensch, jetzt noch diese blöden Strandläufer. Bei den Olympischen Spielen sind es ja in der Regel irgendwelche hässlichen Plüschtiere…
Moooment mal! Diese Plüschtiere sind der Wahnsinn. Das Beste war der struppige Wolf in Sotschi. Die Gäste, die bei uns im Studio sind – das ist das erste, wonach sie fragen.

Lass uns kurz beim Thema Olympische Spiele bleiben: Was ist das Besondere für dich daran?
Es sind die unterschiedlichen Menschen, die unterschiedlichen Disziplinen und es ist die Tatsache, dass Sportler, die bei Olympia antreten, zum Großteil nur alle vier Jahre diese Bühne haben, die sie nutzen. Ich finde den Olympischen Gedanken – Dabei sein ist alles – das finde ich herausragend. Olympia ist bunt, spannend, vielfältig. Und zu sehen, was passiert, wenn die verschiedenen Sportarten aufeinandertreffen, diese Sportler bei Olympia sind dankbarer, wenn sie ihre Geschichten erzählen dürfen. Ein Dirk Nowitzki, der darauf besteht, im Olympischen Dorf zu wohnen, das kommt ja nicht von ungefähr. Das gefällt mir schon gut.

„Olympische Spiele Die Welt kommt zusammen und ist friedlich miteinander. Da ist eine Botschaft, die man im Jahr 2019 auch nicht unterschätzen darf.“

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