Keeperkolumne: Das vergisst Gikiewicz sein ganzes Leben nicht mehr

Torhütertore – so selten wie Jahre ohne den FC Bayern als Deutschen Meister und vielleicht gerade deshalb so besonders. Am Wochenende war es mal wieder so weit: Rafael Gikiewicz vom FC Union Berlin hats geschafft und bei unserem Kolumnisten Timo Hildebrand (u.a. VfB, SGE, TSG, S04) alte Erinnerungen geweckt. ZUGENAGELT – die FUMS KEEPERKOLUMNE.


Der Held des Wochenendes? Ganz klar Union-Torwart Rafael Gikiewicz. Da kommt der in der 93. Minute in den gegnerischen Strafraum und nickt die Kugel einfach zum späten Ausgleichstreffer für die Berliner ein. Eine irre Szene. Aber wer klopft dir noch für das Tor auf die Schulter, wenn du dir zwei Wochen später vier Dinger fängst? Eben. Dennoch: Das Tor vergisst Gikiewicz sein ganzes Leben nicht mehr, da bin ich sicher. Wie musst du dich da fühlen – eigentlich sollst du Buden verhindern da hinten und deinen Kasten zunageln. Aber wenn du weißt, dass der Schiedsrichter gleich abpfeifft, dein Team zurückliegt, es nichts mehr zu verlieren gibt und dein Coach dir zu verstehen gibt: Junge, worauf wartest du noch? Rein mit dir da vorne – dann ist das der geilste Freifahrtschein, den du kriegen kannst.

Mir ist ein Tor in meiner Karriere leider nicht vergönnt gewesen, ich habe mich aber auch deutlich wohler gefühlt, wenn ich die Dinger aus dem Winkel fischen konnte. Mir fällt spontan Jens Lehmann ein, der 1997 für Schalke im Revierderby gegen Dortmund getroffen hat. Ebenfalls in der Nachspielzeit, ebenfalls per Kopf. Irgendwie schön, wenn sich solche sehr seltenen Geschichten doch alle paar Jahrzehnte mal wiederholen.

Dieser Verrückte aus Paraguay

Und dann war da noch dieser Verrückte aus Paraguay: José Luis Chilavert. Eine absolute Legende. Der hat in seiner Karriere einfach mal über 60 Tore geschossen. Wenn es einen Freistoß zu treten gab, dann ist er aus seinem Kasten gestapft und hat die Bälle unnachahmlich versenkt. Einen torgefährlicheren Torwart gab es nicht, gibt es nicht und wird es vermutlich auch niemals mehr geben. In heutigen Zeiten, in denen der Fußball sich in völlig neue Sphären weiterentwickelt hat, ist das doch völlig undenkbar geworden – welcher Trainer würde seinen Schlussmann heute noch einen Freistoß schießen lassen?

Ich habe in meiner Karriere keinen Torwart erlebt, der sich das Tore schießen aktiv zum Ziel gesetzt hat. Alle haben natürlich immer über Chilavert gesprochen. Wenn man so will, war das deutsche Pendent Hans-Jörg Butt, der für Leverkusen zahlreiche Elfmeter verwandelt hat. Auch dazu gehört schon viel Selbstvertrauen oder wie Oli Kahn sagen würde: Da brauchst du Eier in der Hose. Alles überhaupt nicht mehr vergleichbar mit Unions Gikiewicz. Bälle halten heißt das Kerngeschäft. Tor schießen ist die absolute Kür. Und trotzdem: Der kann sich die Hütte jetzt fein säuberlich einrahmen und auf den Nachttischschrank stellen. Träumchen.


Foto: spooney.de

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