Save the Regionalliga: Was Deutschland von England lernen kann

Kurze Frage in die Runde: Wie sehr nerven eigentlich diese Länder- und Ligenvergleiche? Sehr, oder? „In England geht es härter zur Sache“, oder: „In Deutschland ist mehr Stimmung auf den Rängen…“, kann eigentlich niemand mehr hören. Fußballligen schaffen ihre Authentizität und Alleinstellungsmerkmale nicht durch die Adaption und das Kopieren der Eigenschaften anderer Ligen. Und dennoch: Fußball-Deutschland kann mit Blick auf England durchaus etwas lernen und verbessern, aber nicht vom Ligabetrieb selbst, sondern vielmehr von der Berichterstattung im englischen TV, wie unser England-Experte Jimmy-Flloyd Hasselbaink ähhh…Jan-Hendrik Luft findet.


Kurz vorweg: Habt keine Angst, niemand will hier die samstägliche Sportschau verändern. Die heilige Kuh der deutschen Sportberichterstattung ist so wie sie ist, komplett in Ordnung. Gut, manchmal wünscht man sich vielleicht doch ein paar Experten hinzu, die wie beim englischen Pendant Match Of The Day im Anschluss an die Berichterstattung der einzelnen Partien Spielszenen, Taktiken und Formationen ansprechen und aufzeigen. Da lernt der Zuschauer sogar noch was – Fußball kann also auch Bildungsfernsehen sein.

Vielmehr könnten sich Verantwortliche ein Beispiel an der Berichterstattung der unteren Profiligen nehmen. Im Anschluss an Match Of The Day gibt es das Format EFL On Quest, das in 60 Minuten Highlights der drei Wettbewerbe unterhalb der Premier League zeigt. In der ersten halben Stunde werden die Höhepunkte aller Partien der zweitklassigen Championship präsentiert und kurz besprochen, im Anschluss daran gibt es alle Tore und weitere Höhepunkte aus der League One und League Two. In jeweils 15 Minuten. Im Normalfall sind das also 36 Partien in 60 Minuten Sendezeit (inklusive mehrerer Werbeblöcke).

36 Spiele in 60 Minuten: Die knackigste Stunde der ganzen Woche 

Was im ersten Moment nach einer kompletten Reizüberflutung klingt, ist in Wirklichkeit einfach herrlich. Diese eine knackige Stunde reicht, um sich ein umfassendes Bild der unteren Profiligen zu machen. Turbulente Partien, hohe Ergebnisse und Kuriositäten werden dem Zuschauer frisch serviert – läuft alternativ ja nur via Social Media in den Tagen danach. Wenn ich in England bin, versuche ich eigentlich immer, irgendwo Match Of The Day und EFL On Quest im Fernsehen zu schauen. Pint im Pub geht aber grundsätzlich immer vor, ist ja klar, oder?

In Deutschland steht es derweil allgemein nicht so gut um die 3. Liga und die fünf Regionalligen. Immer wieder fällt in der Berichterstattung der Begriff Pleiteliga, viele Vereine haben finanzielle Probleme, Insolvenzen sind keine Seltenheit und die Zuschauerzahlen sind mehr als bescheiden. Sicherlich tragen die Klubs eine Mitschuld an der finanziellen Schieflage und doch kann nicht abgestritten werden, dass diese Ligen so wenig Attraktivität versprühen wie ein torloses Viertliga-Remis zwischen Grimsby Town und Northampton Town.

Video killed the Televisionstar?

Die Live-Berichterstattung der 3. Liga durch Magenta Sport und der ARD-Sender kann sich sehen lassen, doch die Verarbeitung der Highlights, um über die (regionalen) Grenzen hinweg Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist oft nur bedingt befriedigend. Die Distribution auf Plattformen wie YouTube wird bereits umgesetzt, jedoch darf das altmodische lineare Fernsehen nicht vergessen werden, denn viele potenzielle Zuschauer werden vor allem auf diesem Wege erreicht. Natürlich ist es finanziell und logistisch eine große Herausforderung, die Highlights von sechs Ligen in eine Fernsehsendung zu packen, aber der Kreativität sind ja keine Grenzen gesetzt. Und natürlich wird auch eine Fußballsendung zur womöglich spät ausgestrahlter Stunde die 3. Liga und die Regionalligen wohl nicht alleine davor retten können, finanzielle Probleme zu haben oder weiterhin als Pleiteliga beschrieben zu werden. Aber solch eine Sendung schafft ein Bewusstsein und Aufmerksamkeit für jene Ligen, was sich letztlich auch auf die Zuschauerzahlen in den Stadien auswirken könnte.

Zum Vergleich: Die viertklassige League Two kommt auf einen Schnitt von rund 4.300 Zuschauer pro Partie, während die fünf Regionalligen im Schnitt gerade mal auf rund 1.100 Besucher pro Spiel kommen – wobei hier nicht außer Acht gelassen werden darf, dass 20 Zweitvertretungen in diesen fünf Ligen teilnehmen. Es müssen Veränderungen her, um dauerhaft gewährleisten zu können, dass der (Profi)-Fußball unterhalb der beiden Bundesligen nicht noch größeren Schaden nimmt und immer mehr das Interesse der Fans verliert. Und in diesem Fall wäre die mediale Orientierung am englischen Fußball durchaus ein Versuch wert.


Von Jan-Hendrik Luft
(würden uns im Zweifel immer für Berliner Luft entscheiden, wenn wir die Wahl hätten, Anm. d. Red.)

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