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Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich war in unserem Twitch-Format „DRITTE HALBZEIT – Der Fussballtalk“ zu Gast und sprach mit Micha, Max und Sascha Mockenhaupt über den VAR, das Aus von Manuel Gräfe, Jubeln als Schiedsrichter, seinen Twitter-Account und Bier.


Eine Zusammenstellung seiner besten Aussagen gibt es hier:


Ittrich über die Schiedsrichter-Linie am Beispiel Aytekin und Dahoud:

„Du bist der Unparteiische, du bist Deeskalator, du bist der, wenn alle laut werden, musst du am ruhigsten sein. Wenn alle rumschreien, darfst du nicht brüllen. […] Das ist die Sache, die der Schiedsrichter immer machen muss, aber manchmal, sag ich euch ganz ehrlich, macht das auch Ratatatatsung bei mir. Manchmal bin ich auch von Emotionen befangen und dann kann eine Emotion auch durchgehen […] und dann macht man manchmal was, was nicht üblich ist, aber nicht falsch.“

Auf die Frage, wann Schiris am meisten zu tun haben:
„Wenn alle treten, dann hat der Schiri nur zu tun. Da gibt es Spiele, wo du 40-45 Foulspiele hast […] und dann sind natürlich […] 10 dabei, wo ich gar nicht weiß in welche Richtung das geht. Dann pfeifst du natürlich aus deinem Verstand heraus, versuchst die Balance zu halten. Da liegst du nicht immer richtig und schon ist der Schiedsrichter der Angriffspunkt. Aber eigentlich spielen die nen Karren Mist zusammen, dass dir die Augen wehtun und der Schiedsrichter ist der größte Horst der Nation, weil da getreten wird.“

Warum er sich einen Twitter-Account zugelegt hat:
„Ich möchte ein bisschen preisgeben, was wir machen. Es gab in bisschen Intransparenz in den letzten Jahren […] deswegen wollte ich, dass das Schiedsrichter sein  dargestellt wird. […] ich mach das gerne, ich zeige mich gerne in der Öffentlichkeit in meinem Job als Schiedsrichter, um den Leuten klar zu machen, da sind auch ein paar geile Typen dabei. […] Haben einige auch leicht einen an der Klarinette, so wie ich, man kann auch mal ein Bier mit uns trinken. Da sind einige Leute am Start, […] die nicht immer nach außen so wirken, wie sie innen sind.“



Auf die Frage, wie Schiedsrichter jubeln:
„In Kaiserslautern, gar nicht so lange her […] da habe ich nen Weltklasse Vorteil wieder mal gegeben, […] und bin dann mit der ausgestreckten Hand quer durch den 16er gelaufen und habe bis zur Mitte gezeigt. Dass jeder das sieht, auf dem ganzen Planeten, was ich für einen geilen Vorteil gegeben habe und dann feierst du dich schon ein bisschen selber ab. Gibt schon so Momente, wo du versuchst, zu jubeln bei einer richtigen Entscheidung.“

Auf die Frage, ob er ein strenger Schiri sei:
„Zuckerbrot und Peitsche.“

Zum Thema Elfmeter schinden:
„Viele Spieler machen das mittlerweile so, dass sie das Bein nach rechts oder links ausschlagen und ihr Bein zwischen die Beine des Anderen stellen, um dadurch eine Berührung zu provozieren. Wo ich mich frage: ‚Alter, du stehst allein vor‘m Tor, schieß die Murmel in den Giebel! Was ist los mit dir?“

Über den VAR:
„Von 100 Foulspielen sind 95 oder 93 richtig. Darüber redet keiner.“

Über Gewalt gegen Schiris:
„Jeder Angriff ist einer zu viel und ich verurteile das, ich hasse das wie die Pest. […] Das ist das allerletzte. Wir müssen dahin kommen, dass der Schiedsrichter, unabhängig davon, was da für Typen spielen, Bock hat auf den Job.“

Über Bier:
„Ich war mal bei Viktoria Pilsen bei einem Europa-League-Spiel, da gab es eine Brauereibesichtigung. Vor‘m Spiel.“

Über die Altersgrenze bei Schiedsrichtern und das Aus von Manuel Gräfe:
„Ich finde, dass man das Thema grundsätzlich angehen und diskutieren kann, ob diese Altersgrenze sinngemäß oder auch zeitgemäß ist, […] aber wenn ich mit 65 oder 67 in Rente gehe und fit bin und noch 3 Jahre am Band stehen könnte, gehst du dann auch hin und sagst: ‚Ich will noch weiterarbeiten?‘ […] ich habe nichts dagegen, dass man das Thema grundsätzlich diskutiert, ich finde es nur schwierig, auch ein Manuel Gräfe, auch ein Patrick Ittrich, auch ein Deniz Aytekin ist irgendwann mal in die Bundesliga aufgestiegen, weil jemand seinen Platz räumen musste. […] das ist eine festgelegte Grenze, damit andere in die Bundesliga aufsteigen können. Man kann das Ganze kippen und sagen, man macht es nur noch nach Leistung. Aber wie willst du denn Leistung messen? Immer nur durch Beobachtung, Beurteilungswesen? Was ist mit Thomas Müller, der ein Jahr scheiße gespielt hast bei Bayern München? Der steigt dann ab, darf nur noch Zweite spielen? Und dann hat er auf einmal wieder 3 Tore geschossen und oh, jetzt ist er wieder der Stürmer der Nation? […] Wir sind kein Bundesligaverein, wo einer das Ganze trägt. Wir sind alleine im Team auf dem Platz. Als Fußballspieler bist du einer von elf. Da steigt das Team ab, aber nicht der Einzelne. […] Ich stelle vorweg, dass ich die Altersgrenze durchaus in die Diskussion stelle, […] was mich an der ganzen Sache einfach nur stört, dass es aufgrund einer Person so festgemacht wird. Wenn man das alles so klar und schlimm findet, dann hätte man schon vor 3 Jahren sagen können: ‚Ich trete für andere ein.‘ […] Vor 3, 4 Jahren haben auch Schiedsrichter aufgehört, die voll im Saft standen und haben es akzeptiert und da hätte man schon sagen können, wenn man das nicht gut gefunden hätte: ‚Ich trete für die ein.“

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