Picture Alliance

Die Fußballwelt zeigte sich in den vergangenen Wochen schockiert über die Nachricht von über 6000 Arbeitern, die aufgrund der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der WM 2022 in Katar bisher zu Tode gekommen sind. Auch der niederländische Rasen-Produzent „Hendriks Gras” hat nun reagiert.


In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Wir haben gesehen, was da vor sich geht. Wir wussten, dass bei den Arbeiten Menschen ums Leben gekommen sind, aber die Zahl von sechseinhalbtausend hat uns enorm erschrocken.”

Der Rasen-Lieferant hatte auch bei der WM 2006 in Deutschland für die passenden Spielflächen gesorgt – für das kommende Turnier in Katar stehe man nun jedoch nicht als Partner zur Verfügung.

Bereits im Februar hatte das niederländische Parlament verkündet, dass sowohl der König als auch der Ministerpräsident der Endrunde im Winter 2022 fern bleiben werden.

Der öffentliche Protest wird somit immer größer – auch die Fan-Organisation „ProFans“ forderte zuletzt den DFB dazu auf, das Turnier zu boykottieren.


Zieh dir das mal schnell rein hier:
Barnsley, Birmingham, Championship, Fußball, England, Kreisliga
Video: Wenn aus Championship Kreisliga wird

Dass der Fußball in unterklassigen Ligen manchmal nur schwer anzuschauen sein kann, weiß wohl jeder, der es mit einem Klub…

Keine WM mit Löw: Unsere Meinung zum Trainer-Aus

Jogi Löw geht, Fußballdeutschland jubelt. Doch ist der Abgang des Weltmeister-Machers wirklich das Allheilmittel für den deutschen Fußball, den DFB und alle anderen Probleme in der Welt? Unsere Autorin Solveig Haas hat da ihre Zweifel und arbeitet die Ära Löw und seinen Abgang mit ein paar persönlichen Worten an den Bundestrainer auf.


Ich bin ein großer Fan von Ruhe und Konstanz, glaube, dass das im Fußball manchmal mehr hilft, als immer neue Transfers oder der nächste, gehypte Supertrainer. Was andere „Stallgeruch“ schimpfen, nenne ich „Nestwärme“ oder dieses „ganz besondere Gefühl“, das meinen Verein von allen anderen unterscheidet. Ich sollte sie also mögen, diese Nationalmannschaft und vor allem diesen Trainer, der so verbissen an seinem Posten und seinen Lieblingsspielern festhält, als ginge es wirklich um seine Familie. Ich sollte traurig sein, über den Abgang von Jogi Löw, der jetzt für den Sommer 2020 feststeht. Es würde zu mir und meinem Fußball-Herzen passen.
Aber – und das passiert mir im Leben wie im Fußball selten – ich empfinde beim Ende der Ära Löw kein Emotionen.

Jogi, es liegt nicht an dir, aber ich habe keine Emotionen für diese Entscheidung. Keine Trauer, aber auch keine Erleichterung, kein noch so müdes „Na Endlich!“. Es ist mir einfach egal. Ich schätze dich als Person sehr, glaube du bist ein sehr kluger Mann und ein wirklich guter Trainer. Du bist Weltmeister, hast Mario Götze für sein Zaubertor eingewechselt, das bleibt für immer.
Wenn du außerhalb des Fußballs Dinge kommentiert hast, dann meistens ziemlich klug, du hast oft gesagt, dass vieles wichtiger ist als der Fußball, gerade dieser Tage. Das ist mehr, als es viele deiner Kollegen geschafft haben.

„Die Welt erlebt einen kollektiven Burnout“, sagtest du zum Beispiel zur Corona-Krise und vielleicht lässt sich das auch auf Fußballdeutschland übertragen, zumindest was die Nationalmannschaft angeht. Vielleicht haben wir nach dieser einen, zauberhaften Nacht in Rio ein bisschen überdreht – zu viel schwarz-rot-gold, zu viel „Die Mannschaft“, zu viel Nivea-Werbung. Einfach zu weit weg von dem, um was es geht: Den Fußball und seine Fans.

Machtgier und Profit, die Jagd nach immer neuen Rekorden hätten im Vordergrund gestanden, sagtest du weiter, befragt zu den Ursachen der Coronakrise. Und auch dieses Gefühl ließ sich in den letzten Jahren in Sachen Nationalmannschaft einfach nicht ganz wegschieben. Aber welche Rekorde gibt es noch, wenn man die WM gewonnen hat? Wenn die Rekordspieler gehen oder aussortiert werden? Viele sagen, damals hättest du schon gehen sollen, mit dem strahlenden vierten Stern im Gepäck. Aber was viele sagen, hat dich eben nie interessiert – eine Qualität, die im Fußballbusiness immer seltener wird.

Dennoch, dass der DFB von Fanseite scharf kritisiert wird, ist nicht neu. Das war auch vor 2014 so. Aber 2014 waren sie trotzdem noch da, die Emotionen. Vielleicht wäre es danach wirklich Zeit gewesen, einen Neuanfang zu wagen, der über den Austausch von Stammspielern hinausgeht. Es ist nicht deine Aufgabe Jogi, aber du und „deine Jungs“, ihr steht nun mal als Aushängeschild für diesen DFB, der endlich einmal zuhören müsste. Die echten Fans zurückgewinnen und nicht künstlich eine Fanbasis zusammenbauen, die wirklich keine Emotionen weckt. Das aggressive Marketing zurückschrauben, Kritik annehmen, sich bewegen, eine neue Ära einleiten.

Ob das mit deinem Abschied beginnt? Ich glaube nicht, dass das Problem bei dir seine Wurzel hat, genauso wenig wie ich glaube, dass die zuletzt schlechten Leistungen der Mannschaft mit der Zwangsrente von Müller und Co zu tun haben. Es krankt ganz woanders. Ich glaube, ihr seid einfach zu weit weg von uns Fans, als dass ein Trainerwechsel große Emotionen auslösen würde. Bei aller „Argentinien hat Messi, wir haben ein Team!“-Seligkeit, habt ihr das Team hinter dem Team hinter dem Team vergessen – die Fans. Aber vielleicht bringt dein Abschied jetzt einen Stein ins rollen, der uns allen die Emotionen zurück bringt. Vielleicht ersetzt dich jemand, der diesen Stein solange erbarmungslos anschubst, bis eine Lawine entsteht. Es wäre nötig.


Von Solveig Haas


Boykottiert ihr die WM im nächsten Jahr? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

Jetzt sag doch auch mal was!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


design&umsetzung: stark&kreativ