Nachdem die Relegation zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Heidenheim Geschichte ist, breitet sich neuer Unmut aus. Selbst Werder-Fans geben zu: Die Relegation muss weg. Zumindest so, wie sie jetzt gerade läuft. Zu unfair ist das Battle der Klassen für den Underdog, oftmals zu unverdient ist der Liga-Erhalt für den Erstligisten. Warum also nicht einfach abschaffen den Bums? Ein Plädoyer für die Gerechtigkeit.


Kennt ihr das, wenn im Kopf etwas total sinnig und cool erscheint und im echten Leben dann irgendwie doch für die Tonne ist? Einen Toaster schräg hinlegen, um dann Käse auf dem Toast verschmelzen lassen zu können, ist so eine Idee. (Für Sie getestet!) Oder in der Fahrschule die Abstände der Kreuze auswendig lernen, um in der Prüfung festzustellen, dass es keine Markierungen mehr gibt, an denen man sich orientieren kann. (Ebenfalls für Sie getestet! Reden wir nicht mehr darüber.)

Jetzt gibt es einen weiteren Punkt auf dieser Liste für mich. Die Relegation von der 2. in die 1. Liga. Idee war gut, aber nach ausreichender Sichtung muss ich sagen: Kann weg! Die Relegation ist ein Märchen, bei dem ständig die Stiefmutter gewinnt. Klar, in manchen Jahren war das eine ganz nette und spannende Sache und die Pause zwischen dem Pokalfinale und dem ersten EL-Quali-Spiel war damit so gut wie überbrückt. Aber so? Bitte nicht! Zu groß ist die Lücke, die vor der Saison zwischen den meisten Bundesliga-Teams und den Zweitligisten klafft. Der aktuelle Kader von Werder hatte beispielsweise fast den zehnfachen Wert der Heidenheim-Truppe – allein Rashica ist laut den Kollegen von „Transfermarkt“ acht Millionen mehr wert als der komplette FCH.

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Es ist aber weit mehr als diese Ungerechtigkeit, dass hier gefühlt Davids kleiner Bruder gegen einen Goliath auf Anabolika ran muss. So wie die Meister der Regionalliga zwingend aufsteigen müssten, so müssten zwingend drei Zweitligisten nach oben. Es ist kein Zufall, dass mit Lautern, Karlsruhe und Braunschweig immer wieder die Fast-Erstligisten plötzlich in der 3. Liga stehen. Auch Fürth und Bochum sind nach dem Fast-Aufstieg gerade so von der Absteigerschippe gesprungen ist, weil die geile Saison Begehrlichkeiten weckt und die besten Kicker dann eben ohne ihren Verein in die Eliteklasse wechseln. In der zweiten Liga bleibt ein Club, der sehen muss, wie er die Lücke füllt. In der Bundesliga lachen sie sich ins Fäustchen. Wer weiß, was alles dran hing: Der Pokalsieg der Eintracht, die Karriere von Julian Nagelsmann, die Gladbacher Champions-League-Teilnahme und die Frisuren von Daniel Didavi – das alles hätte es vielleicht nie gegeben. Zugegeben, teilweise schade – aber eben verdient nach einer wirklichen Kacksaison.

Reaction Action: „Souveräner die Klasse gehalten hat eigentlich nur noch der HSV“

Der letzte Sieg eines Zweitligisten war 2012. Kein Spaß! 2012!!! Düsseldorf gewann in Berlin, das Rückspiel endete 2:2, nachdem bereits der Elfmeterpunkt von einem Fan entwendet worden war. Die Fortuna sollte auch für sieben Jahre der letzte Zweitligist sein, der das Ding gewuppt hat. Erst Union Berlin schaffte es im letzten Jahr – wohlgemerkt mit einem 2:2 auswärts und einem 0:0 zu Hause. Ja, da war doch dieses Jahr was. Und damit zur nächsten Kritik: Diese Auswärtstorregel. Weg damit! Nach 180 Minuten mit zwei Unentschieden dürfen nicht die Auswärtstore über Auf- und Abstieg entscheiden. Was für ein bitterer Nachteil für Heidenheim gestern, als man wegen dem frühen Gegentor direkt zwei Tore brauchte. Verlängerung und Elfmeterschießen – auch nicht der gerechteste Weg, aber eben doch fairer. Von mir aus macht ein drittes Spiel auf neutralem Platz – die Pause ist ja immerhin für beide Teams gleich lang.

Relegation? Eine weitere Cash-Cow auf der Euro-Weide des Fußballs

Die Relegation könnte weg, echt! Sie ist aber leider eine weitere Cash-Cow auf der Euro-Weide des Fußballs und die Verantwortlichen werden sich die Milliönchen sicher nicht nehmen lassen. Deswegen lohnt ein Blick nach England, wo drei von 20 Erstligisten sicher absteigen und in der zweiten Liga Platz 3 bis 6 um den Aufstieg nach oben antreten. Auch blöd für den Dritten, aber eben allemal deutlich fairer als die fiesen Duelle gegen Teams wie Hamburg, Wolfsburg, Frankfurt oder eben jetzt Werder. Würde es einen Fußballgott geben, wäre es ohnehin zu HSV gegen Werder gekommen. Damit hätten wir für das eine Jahr dann vielleicht sogar mal ganz gut leben können. Nächstes Jahr vielleicht.


Von Thomas Poppe
(Sieger der Herzen bei der teaminternen Bierpong-Relegation, Anm. d. Red.)

Video: Heidenheim-Fans attackieren Mannschaftsbus von Werder

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