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Genug von Lothar Matthäus: Das ist unsere Meinung zum Khedira-Wechsel

Ein Weltmeister und Champions-League-Sieger wechselt zu Hertha BSC. Das sollte eigentlich für schlagartige Euphorie sorgen, bei Sami Khedira hat der Fall aber etwas mehr Grautöne, findet HERTHA BASE-Gründer Marc Schwitzky.


Denn klar: Khedira ist ein großer Name, eine echte Persönlichkeit. 77 Länderspiele, 160 Partien für Real Madrid, 145 für Juventus Turin. Der 33-Jährige hat alles erlebt, mit den ganz Großen zusammengespielt und bringt daher einen unglaublichen Erfahrungsschatz mit nach Berlin. Davon kann eine Mannschaft extrem profitieren, besonders die von Hertha BSC. Seit dem Umbruch im letzten Sommer fehlen den Berlinern ganz eindeutig Führungsspieler, was sich in völliger Inkonstanz niedergeschlagen hat. In die Lücke, hinterlassen von Ibisevic, Skjelbred, Kalou und Kraft, kann Khedira mit Sicherheit hineinstoßen. Zu ihm kann man aufschauen und sich an ihm aufrichten.

Khedira entspricht auch vom Spielertyp dem, was Hertha womöglich fehlt: Souveränität, Ruhe am Ball, aber auch Kampf. Wie er defensive Mittelfeldspieler einst CR7 und Co. Als Arbeiter den Rücken freihielt, könnte er selbiges nun für Cunha oder Piatek tun.

Jetzt kommt das Aber: Sami Khedira ist 33 Jahre alt und hat in 2020 ein einziges Spiel für Juve bestritten. Der Routinier hatte in den vergangenen Jahren mit unglaublich vielen Verletzungen zu kämpfen, fiel ständig aus. Ob er nun ohne Spielpraxis wirklich bereit dafür ist, im Abstiegskampf mitzuhelfen, ist daher fraglich.

Neben der Frage, was so ein Transfer über die Scoutingabteilung Herthas aussagt (das würde hier aber zu weit führen), stellt sich auch die nach der Kaderplanung. Khedira ist ein weiterer zentraler Mittelfeldspieler: Er gesellt sich damit zu Guendouzi, Darida, Tousart, Ascacibar, und Löwen – den also sechsten Spieler für diese Position zu holen, leuchtet wenig ein.

Zumindest die Konditionen stimmen: Ablösefrei, Vertrag bis Saisonende – wenig Risiko. Allerdings bringt der Transfer zunächst einmal auf jeden Fall nicht das, was Hertha braucht: Ruhe und weniger Presse.

Der Khedira-Transfer steht sinnbildlich für Herthasletzte eineinhalb Jahre: Alles etwas zu groß und kurzfristig gedacht. Das muss aber nicht heißen, dass es in diesem Fall nicht trotzdem funktioniert.


Ein Gastbeitrag von Marc Schwitzky – Journalist, Blogger und Papa von HERTHA BASE.


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