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Das Halbfinale der EURO 2020 war das letzte internationale Spiel für Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Im Interview mit dem Kicker gab der Münchner bekannt, in Zukunft nur noch nationale Spiele leiten zu wollen. 


Glaubt man ARD-Kommentator Tom Bartels, zeigte Dr. Felix Brych bei dieser Europameisterschaft ein besseres Stellungsspiel als die gesamte deutsche Nationalmannschaft. Angeblich verneigte sich sogar Italiens Kapitän Giorgio Chiellini nach dem Halbfinale gegen Spanien vor ihm, die britische Zeitung Times bat den „fantastic Brych“, doch ein paar Jahre in der Premier League auszuhelfen – mehr Lob geht kaum. Dachte wohl auch Brych selbst, denn im Gespräch mit dem Kicker kündigte er an, in Zukunft nur noch Spiele auf nationaler Ebene leiten zu wollen. „Ich glaube nicht, dass ich diese Leistung beziehungsweise Leistungsbereitschaft wiederholen kann. Deswegen habe ich entschieden, kein weiteres Turnier mehr zu pfeifen und meine internationale Karriere zum Jahreswechsel hin zu beenden“, so Brych.

Aufhören, wenns am schönsten ist, das passt zum immer ruhigen und unaufgeregten Brych. Fünf Spiele leitete der deutsche Unparteiische bei der EURO 2020 in 2021 – so viele bekam kein anderer Schiedsrichter vor ihm zugeteilt (ob Tom Bartels seine Finger im Spiel hatte, ist unklar).

Lutz Wagner, DFB Lehrwart und langjähriger Wegbegleiter Brychs lobte vor allem seine Voraussicht: „Seine große Stärke ist es, die kritischen Szenen zu antizipieren. Dadurch kann Felix seine Entscheidungen meistens aus einer ruhenden Position treffen, in der die Beobachtungsgabe viel höher ist als im Laufen“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Deshalb war Brychs letzte große Entscheidung auf dem internationalen Rasen auch, dass er Spanien KEINEN Elfmeter gab. Als Italiens Kapitän Chiellini in der 90. Minute des Halbfinales den Ball im Strafraum mit der Hand berührte, hatte Brych aus nächster Nähe gesehen, dass dass der Spieler sich mit der Hand auf dem Boden abstützte, bevor ihm der Ball an den Arm sprang.

Voraussicht. Spielintelligenz. Stellungsspiel. Ein Schiedsrichter, für den Journalist*innen, Kommentator*innen und Wegbegleiter*innen Worte wählen wie für einen Weltklassespieler, der ist was Besonderes. Dass er jetzt so leise und unspektakulär geht, auch. „Ein großes, erfolgreiches internationales Turnier hat mir in meiner Karriere noch gefehlt. Jetzt fühlt sich meine Laufbahn vollkommen an“, sagt Brych selbst. In der Bundesliga möchte er aber weitermachen: „Ich freue mich auf die anstehende Saison in der Bundesliga“, sagte er im Kicker. Ihm bleiben ihm noch zwei Spielzeiten, bis er mit 47 Jahren die Altersgrenze des DFB für Schiedsrichter erreicht.


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