Auf der offiziellen Seite von Mainz 05 veröffentlichte der Verein ein rassistisches Kündigungsschreiben eines Mitglieds, das uns ziemlich fassungslos zurücklässt. 


In dem Schreiben des Mitglieds heißt es:

„Ich kann mich mit diesem Verein (Profifußball) schon seit Monaten nicht mehr identifizieren! Mittlerweile bekomme ich den Eindruck vermittelt, dass ich beim Africa-Cup bin, anstatt in der deutschen Bundesliga. Ich weiß was jetzt kommt, aber nein, ich bin auf keinen Fall rassistisch veranlagt – das verbitte ich mir. Nur, was zuviel ist, ist zuviel.

(…)

Aber wenn seit Wochen in der Startformation neun (!!!) dunkelhäutige Spieler auflaufen und deutschen Talenten kaum noch eine Chance gegeben wird, dann ist das nicht mehr mein über die Jahre liebgewonnener Verein. (…) Ein Noveski, Bungert, Rose, Babatz, Weiland, Bell usw standen für Werte und Mentatlität. Das waren Kerle, die mit Herzblut dabei waren (…).“

Die Antwort der Mainzer ließ jedoch nicht lange auf sich warten:

Auch wenn wir normalerweise Kündigungen bedauern und um jedes Mitglied leidenschaftlich kämpfen, können wir unser Bedauern in Ihrem Fall nicht ansatzweise ausdrücken.

Rassismus beginnt da, wo rassistische Gedanken geäußert werden, nicht nur, wenn sich jemand selbst als Rassist bezeichnet – was in den seltensten Fällen vorkommt. Und ja, Sie haben recht: mit unserem Verein können sie sich nicht identifizieren. Denn für uns spielen Hautfarben oder andere gruppenbezogene Merkmale von Menschen schlicht keine Rolle. Für uns zählt nur, dass jemand Mensch ist und unsere Werte teilt. Solche Menschen heißen wir in unserer Gemeinschaft gerne willkommen. Aus diesem Grunde freuen wir uns vielmehr über Ihre Kündigung, da Ihre Begründung offenbart, dass Sie nicht die Wertebasis besitzen, die unseren Verein auszeichnet. Sowohl in der Satzung als auch im mit Fans und Mitgliedern erarbeiteten und bereits in Informationsveranstaltungen vorgestellten Leitbild des Vereins ist unsere Haltung eindeutig formuliert.

In der Vereinssatzung, die alle unsere Mitglieder anerkennen, heißt es in § 1, Abschnitt 4:

„Der Verein fördert die Funktion des Sports als verbindendes Element zwischen Nationalitäten, Kulturen, Religionen und sozialen Schichten. Er bietet Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Menschen mit Behinderung unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität eine sportliche Heimat. Mainz 05 ist ein weltoffener Verein, parteipolitisch und konfessionell neutral.“

Und im erarbeiteten Leitbild ist ergänzend geschrieben:

„Wir stehen für Offenheit, Respekt und Mitmenschlichkeit. Wir zeigen Verantwortung und sind tolerant, weltoffen, bunt, vielfältig, fair, solidarisch, gesellschaftlich engagiert, integrativ und inklusiv. Wir treten offensiv für unsere Werte ein, verteidigen sie aktiv und geben diese Werte auch an nachfolgende Generationen von Fans und Mitgliedern weiter. Wir heißen alle Menschen, die diese Werte teilen, willkommen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, körperlicher und geistiger Verfassung, Religion, sozialer Stellung oder sexueller Identität.“

Wir wissen aus persönlichen Gesprächen, dass die von ihnen genannten Spieler wie Nikolce Noveski, Niko Bungert, Marco Rose, Christof Babatz, Niclas und Dennis Weiland, Stefan Bell und viele, viele mehr unsere Werte genauso teilen, wie unsere derzeitigen Spieler rund um Mannschaftskapitän Danny Latza und seine Stellvertreter Daniel Brosinski und Moussa Niakhaté. Letztgenannter hat erst Samstag beim Derbysieg in Frankfurt einmal mehr gezeigt hat, dass er ein Vorbild an Einsatzfreude, Mentalität und Siegeswille ist und auch schon in seinen jungen Jahren genau aufgrund dieser Charaktereigenschaften die Mannschaft in Abwesenheit von Danny Latza auf das Feld führt.

Unser kürzlich erzieltes Tor gegen Union Berlin war ebenfalls direkt der Mainzer Nachwuchsarbeit entsprungen: Nach starkem Ballgewinn des im luxemburgischen Erpeldingen geborenen und seit der U17 bei uns ausgebildeten Leandro Barreiro hat mit Ridle Baku ein echter Mainzer Bub vollendet, der im Alter von 10 Jahren erstmals für unseren Verein gegen den Ball trat und der nun schon länger zum Kader der deutschen U-21-Nationalmannschaft gehört. Auf diese Spieler sind wir stolz. Für uns sind das einfach tolle Menschen, für uns sind das schlicht unsere Mainzer Buben.

Gerade vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht auch besonders perfide, dass Sie eine sportlich schlechte Phase zum Anlass nehmen und die Hautfarbe von Spielern als Ursache sehen und explizit nennen. (…) Dass Sie dies zudem noch in einer Zeit artikulieren, in der die fortwährende Diskriminierung von Menschen aufgrund der Todesumstände von George Floyd weltweites Thema und glücklicherweise auch Gegenstand von vielen symbolischen und solidarischen Aktivitäten sind, bei denen sich auch viele Sportler, auch Fußballer in der Bundesliga, beteiligen, zeigt, dass Ihre ablehnende Wertebasis bei Ihnen tief verankert scheint. Anders als bei Ihnen gilt für uns uneingeschränkt: „Black Lives Matter“.


Dem können wir nichts mehr hinzufügen.

design&umsetzung: stark&kreativ