Da frag‘ ich dann eher RTL, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben

Er war einer der letzten wirklichen Typen im Profifußball und wechselte in 20 Jahren so oft den Klub wie kaum ein anderer. Spektakuläre Anekdoten und Legenden ranken sich um den „Weißen Brasilianer“. Straßenfußballer und Teamplayer – sein Image als Kult-Kicker gilt bis heute. Der RTL-Dschungel war zwar lange überfällig, aber dieser Typ entscheidet selbst, wann er in ein Camp geht. Vor dem Abflug nach Australien haben wir mit Ansgar Brinkmann gesprochen.


Wir stellen uns bei Ihrem Dschungeleinzug nicht die Frage nach dem „Warum“, sondern eher nach dem „Warum erst jetzt“?
Ich bin schon oft gefragt worden. Ich bin jetzt 48, habe vor zehn Jahren aufgehört, zu spielen und zehn Jahre lang alles abgesagt. Ob das Let’s Dance war, Promi Big Brother oder was auch immer. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo ich sage: Ok, ich habe nur dieses eine Leben, mit 58 möchte ich da nicht mehr rein und diese Erfahrung machen und vorher war es mir zu früh.

Leute, die sich nicht für Fußball interessieren und Sie nicht kennen – wie erklärt man denen Angsar Brinkmann in wenigen Sätzen?
Langweilt mich! Ihr könnt Longboard fahren, Räuber und Gendarme spielen oder flippern gehen. Nächste Frage.

Haha. Ok…

Warum soll ich Jemandem erklären, wer ich bin? Bin ich die Auskunft? Aber im Ernst: Ich kann euch nicht erklären, wer ich bin. Die Medien zeichnen ja auch gerne ein Bild, aber da kann man ganz schnell daneben liegen.

Darüber hat Mario Basler ja auch gerade erst länger im sport1-Doppelpass gesprochen, dass es diese Typen wie ihn nicht mehr gibt…
…heute ist da halt eine Schablone, dass die Jungs alle einen Plan haben, wonach die leben müssen. Das Einzige, was der Verein noch nicht kontrolliert, ist das vegetative Nervensystem, aber wahrscheinlich arbeiten die da auch schon dran.

Würden Sie heute noch im Profi-Fußball funktionieren?
Wer, ich? (lacht laut) Nein, keine Chance! Fußballerisch würde ich auch heute noch funktionieren, aber diese Freiheitsberaubung, die da auf und neben dem Platz stattfindet, damit hätte ich meine Probleme. Das würde ich mir nicht gefallen lassen. Also ich hätte echt keine Chance in der heutigen Zeit. Als Jugendspieler würde ich nicht mal ne Woche im Leistungszentrum bleiben…

Wie ist man zu Ihrer Zeit entdeckt worden, denn diese Leistungszentren gab es ja noch nicht.
Das war eine andere Zeit. Ich war 15, da wollte mich Bayer Uerdingen haben. Ich hab mittrainiert und die haben gesagt ich kann für die nächsten zwei Jahre A-Jugend kommen. Die haben mich geholt aus Lohne, das waren dann schon 300 Kilometer. Meine Mama hat in der Schlachterei gearbeitet, mich dann da hingefahren und am gleichen Tag noch eine Wohnung gesucht, die 240 Mark kostete. 120 Mark hatte ich über für den Monat mit Bus, Bahn und Einkaufen – hat natürlich nicht gereicht. Ab dem 26., 27. musste ich öfter mal klauen, weil ich Hunger hatte. Und zwei Jahre hat vom Verein Bayern Uerdingen keiner gefragt, was ich mache, wenn ich nicht beim Training bin. (lacht)

Wirklich?
Ja. Aber bitte nicht verwechseln. Das ist heute besser und es ist gut für die jungen Menschen, dass sie betreut werden. Es können nicht alle Profi werden, viele fallen durch das Raster und können eine Ausbildung machen. Aber die Frage war ja, wie es zu meiner Zeit war. Ich wollte mit 18 wieder in die Heimat. Der VfL Osnarbrück wollte mich haben, zweite Bundesliga. Da hat der Trainer noch gesagt ‚Fußball oder Lehre, kannst du dir aussuchen‘. Heute geht beides aber so war das bei mir.

Bereits in Uerdingen zu Jugendzeiten haben Sie in guter Gesellschaft das beste Spiel ihrer Karriere gesehen?
Ich war bei dem Jahrhundertspiel dabei. (Uerdingen lag im Europapokal der Pokalsieger nach einem 0:2 im Hinspiel bereits 1:3 zurück. Mit sechs Toren in der zweiten Halbzeit erreichte man aber noch das Halbfinale. Anm. d. Red.) Für die A-Jugend wurden damals Oliver Bierhoff und Marcel Witeczek geholt, die waren Jugendnationalspieler. Ich war in dieser Mannschaft von 13. Nationalspielern so ziemlich der Einzige, der keiner war. Als A-Jugendlicher konnten wir die Heimspiele unserer 1. Mannschaft ansehen und so war ich dann im Stadion bei diesem legendären Spiel. In der Halbzeit sind viele gegangen, viele wollten gar nicht erst hin, weil es eh schon entschieden schien. Ich weiß noch, wie einer gesagt hat: ‚Lass nach Hause fahren, den Rest schauen wir in der Sportschau an‘. Aber Gott sei dank bin ich geblieben.

Und beim legendären 5:1 der Eintracht gegen Kaiserslautern standen Sie auf dem Feld…
Selbst auf dem Platz zu stehen und etwas beitragen zu können, dass da so ein kleines Wunder passiert, das ist schon geil. Bei der Eintracht muss man wissen, dass wir die letzten fünf Wochen durchgestartet waren. Wir haben gegen Schalke 0:2 hinten gelegen und 3:2 gewonnen. In Bremen gewonnen, Dortmund geschlagen. Lautern hätte an dem Tag in die Champions League kommen können und 120 Millionen kassiert. Wir haben damals nichts geschenkt bekommen, deswegen war dieser Nichtabstiegskampf schon legendär mit der Eintracht.

Sie hatten 39 Trainer. Hat sie einer besonders geprägt?
Ich habe unter allen gespielt (lacht). Von jedem konnte man sich etwas abholen, vom einen mehr, vom andern garnix. Aber die waren auch wirklich blind. Es sind halt tolle Erfahrungswerte, unter vielen Trainern zu arbeiten. Stell dir vor, du hattest 10 Jahre Otto Rehhagel, wechselst einmal den Verein und hattest in der Karriere zwei Trainer. Auch nicht schlecht, aber in meinem Fußballerleben war mehr Tempo drin.

Warum eigentlich? Sie sind ja nie rausgeworfen worden, sondern Sie wollten wechseln?
Für so viele Vereine spielen kann man nicht planen. Schön, dass du es gesagt hast – die Vereine wollten mich wirklich immer halten. Auch die Eintracht hätte gerne Schneider, Sobotzik und mich behalten, aber die mussten einen verkaufen. Man sieht es auch daran, dass ich dreimal für Münster gespielt hab, zweimal für Osnabrück, zweimal für Gütersloh. Die Vereine haben mich wiedergeholt. Wäre ich ein Egoist gewesen oder sonstwas, hätten die mich nicht wieder geholt. Aber ich habe alles, was ich hatte, der Mannschaft gegeben und ehrliche Arbeit abgeliefert in jedem Verein, in dem ich gespielt hab.

Es gibt quasi zu jedem Verein auch großartige Anekdoten. Gibt es eine, die sie besonders mögen oder überhaupt nicht mehr hören können?
Es gibt so viele Sachen, die da passiert sind. Jürgen Klopp war mein Zimmerkollege, der hat Bücher gefressen. Das muss man sich mal vorstellen, ein Studierter und ein Hauptschüler. Zwei emotionale Menschen.

Mit Kloppo hat das so einen Spaß gemacht. Übrigens hat mich kein Spieler so beschimpft wie Jürgen Klopp. Er hat immer hinter mir gespielt und Dinge gerufen wie „Komm zurück. Ansgar du Asi, ich hau dir auf’s Maul!“ Mit Klopp das war schon sensationell.

Ein Gegenspieler hat auch mal das ganze Spiel erzählt, dass er was mit ihrer Freundin hatte und Sie waren Single, oder?
Ja. Das war damals in Meppen, glaube ich. Damals ging es verbal noch ein wenig anders zur Sache auf dem Platz. Heute haben sie die Hand vor dem Mund, wenn sie reden. Das ist doch ein Witz. Mal ein Beispiel. Wir haben mal in Gladbach, wo damals Effe mit Tiger auf dem Hinterkopf spielte, bei einem Pokalspiel geführt. Effe hat in der ersten Halbzeit auf alles getreten und geschimpft, was herumrannte. Irgendwann hat er mich erwischt, da meinte ich ‚Schau mal auf die Anzeigentafel, wie es steht!“. Das waren verbale Schlachten, die Spaß gemacht haben. In der Kabine gab es einen Fahrstuhl, mit dem man nach oben fahren musste. In der Halbzeit kommt Ouakili hereingerannt und sagt ‚Trainer, Trainer, der Effenberg hat mich gewürgt!‘ Da haben wir nur gesagt ‚Ja was steigst du auch mit dem in den Fahrstuhl?‘ Heute wäre das ein Skandal, früher ging es einfach weiter mit Fußball. In der zweiten Hälfte stand es dann plötzlich erst 5:4, dann 6:4 und dann kam Effe noch mal extra zu mir gelaufen und meinte ‚Brinkmann du Blinder, weißte überhaupt wie es steht?‘.

Was denken Sie denn, wenn Sie die Jungs mit Hand vor dem Mund reden sehen?
Wenn der dritte Torwart nach dem Spiel über dem Platz geht, einem was erzählt und die Hand dabei vor dem Mund hat. Also mal ehrlich, will der mich verarschen? Was ist los mit dem? Irgendwann werden sie nach dem Spiel gefragt ‚Wie fühlst du dich‘ und dann antworten sie mit ‚Das müssen Sie den Trainer fragen‘. Weit weg sind wir davon nicht.

Was Sie damals so alles angestellt haben, kam das damals raus und wurde zum Skandal oder hat das damals alles niemanden wirklich interessiert?
Was ich gemacht habe, ging zu meiner Zeit auch schon nicht. Wichtig ist immer die Sichtweise. Du musst als Spieler schon eine gewisse Macht haben. Wenn du Leistung bringst auf dem Platz, dann ist das wie eine Kettenreaktion. Dann finden dich die Fans, die Mitspieler, der Trainer, die Sponsoren und die Medien gut. Wenn du dann noch ein guter Typ bist oder mal dein Auto falsch parkst oder ein paar Sachen machst, die ich gemacht habe, dann wird dir verziehen. Dann sagen die ‚Ok, er ist kein Egoist, sondern ein Mannschaftsspieler.‘ Das ist schwer in ein paar Sätzen zu erklären, aber du hast ein Paket. Wenn du link bist, hast du keine Chance, aber wenn du der Mannschaft hilfst und fair bist, geht das. Das sind die Jungs, die du oft brauchst und die etwas ausmachen können obwohl sie die Mannschaft nicht braucht. Die Jungs haben mir das auch selbst gesagt: ‚Wir waren froh, wenn wir ein gutes Spiel gemacht haben – weil das hieß, dass wir nächste Woche wieder aufgestellt werden. Wenn du gesund warst, hast du gespielt. Als Spieler war mir das nicht so bewusst. Viele haben sportlich viel mehr Druck gehabt als ich.

War es Ihnen egal, dass sie durch Ihre Art vielleicht den letzten Schritt, also Nationalmannschaft, Titel oder großer Verein, verpasst haben?

Einer von uns beiden hat schon mal gegen Bayern gewonnen und das bist nicht du.

Ich hätte gerne bei einem Topverein gespielt. Wenn du, wie ich, 20 Jahre gegen den Abstieg spielst, hast du im Spiel zwei, drei Möglichkeiten, was zu machen. Wenn du zu meiner Zeit bei Bayern oder Leverkusen gespielt hast, mit Ulf Kirsten, Zé Roberto, Jens Nowotny – in dieser Mannschaft hätte ich in einer Halbzeit sieben oder acht Möglichkeiten bekommen, das Spiel zu beeinflussen. Also ja, ich hätte gerne in einem Topteam gespielt, von Bereuen kann aber auch nicht die Rede sein.

Dabei hätten Sie von der Spielanlage gut gepasst.
Klar. Ich hatte mehr Selbstvertrauen als eine ganze Weltauswahl. Wenn der Trainer damals gesagt hat ‚Ansgar, heute gegen Zé Roberto‘, hab ich gesagt ‚Deine Taktik kannst du dir einrahmen und in die Küche hängen, ich hab meine dabei, kannst zum Nächsten gehen‘.

Das ging?
Ja, ich hatte schon eine Macht als Spieler. In Mainz wollte mich Benno Möhlmann in der Kabine auswechseln. Da hab ich gesagt ‚Nein, ich spiel weiter‘. Und ich war wirklich blind in der ersten Halbzeit, ich wusste selbst nicht, dass ich so schlecht spielen kann. Aber ich hab gesagt, dass ich weiter spielen werde. Detlef Dammeier, unser Kapitän, meinte dann ‚Ansgar, wenn der Trainer sagt du bleibst raus, dann bleibst du raus.‘ Da meinte ich ‚Wenn ich nicht mit dem Trainer gesprochen hätte, wärst du nicht mal im Kader“.

Daraufhin sagt Möhlmann zu Dirk van der Ven ‚Ok, dann bleiben Sie draußen!“ Der hat sein Trikot in die Mitte geworfen, wutentbrannt und ist durchgegangen. Fünf Minuten später komme ich wieder in die Kabine. Sagt van der Ven ‚Na, hat er dich ausgewechselt?‘ und ich sag ‚Ne, Rot!‘.

Wie schwer war es für Sie, mit dem Fußball auf hohem Niveau aufzuhören, denn der Fußball hat Ihr Leben doch sehr geprägt.
Genau. Leistungssport ist nun mal altersbegrenzt. Ich habe von 17 bis 37 gespielt. 20 Jahre, das ist eine echt lange Zeit. Aber es tut schon weh. Ich schaue auch heute noch manchmal mit Demut zurück. Aber jetzt sind Andere dran und man muss auch gönnen können. Ich gucke gerne Fußball, ich liebe Fußball. Das ist so ein geiles Spiel und ich blende auch alles aus. Was machen die Spieler als Kollektiv, wer spielt intelligent, wer hat peripheres Sehen. Das ist Fußball, das ist alles, was mich noch interessiert und wo ich drauf schaue. Dann könnt ihr mir kommen mit ‚wer was kostet‘, 100 Millionen, fünf Millionen, 80 Millionen. Kommt für mich alles danach. Das Spiel ist geil.

Man merkt auch schnell, dass Sie sich immer für Fanblock statt Ehrentribüne entscheiden würden.
Das muss ich ja nicht sagen, um Punkte zu sammeln. Einige sagen natürlich, ich habe ja Geld bekommen. Aber meine Freunde wissen alle, dass ich kein Geldmensch bin.

Ich bin mit 0 Cent in meine Karriere und mit Minus wieder raus. Das musst du erst mal schaffen. Nach 20 Jahren. Das war echt ein Brett. Aber scheiß‘ drauf. Ich muss arbeiten, aber das müssen Andere auch.

Ich wollte, dass die Leute in den Städten und Vereinen, wo ich war, mal sagen ‚Ansgar, schön, dass du da bist!‘ bzw. ‚Schön, dass du da warst‘. Die müssen keinen Salto drehen. Aber das wollte ich erreichen. Dass ich auch Geld dafür bekommen habe, logisch.

Sind Sie heute besonders von einem Ihrer Ex-Klubs Fan?
Ich habe alle Klubs, für die ich gespielt habe, im Fokus. Das ist ganz normal. Bielefeld war sehr emotional. Osnabrück mein Heimatklub. Frankfurt war auch sehr emotional und eine gute Zeit, dazu Bundesliga. Die Vereine für die ich gespielt habe, die verrate ich nie. Die haben meinen Namen gerufen, mein Trikot gekauft.

Sie haben 2009 gesagt: Marin, Özil und Jones könnten Typen wie Sie werden. Gibt es heute noch einen unter all den ganzen ‚Hand-vor-den-Mund‘-Haltern? Einen, dem Sie eine Brinkmann-Karriere zutrauen?
Ich glaube schon, dass die Bundesliga davon auch noch ein paar Jungs hat. Boateng in Frankfurt ist noch einer dieser Typen, der seinen Weg geht und ihn auch positiv geht, erstmal der Mannschaft helfen will. Genau, was ich vorhin schon gesagt habe. Aber du hast natürlich Recht, Mario Basler hat auch ein bisschen Recht. Alles ist plattgebügelt, die Jungs können kaum atmen. Woran das liegt, Vereine, Trainer, ich weiß es nicht, aber es ist schon anstrengend. Es haben wenige noch eine Meinung. Wir reden über Fußball. Das ist das, was viele Menschen weltweit lieben. Egal, welche Religion, welche Hautfarbe, woher, kunterbunt – da kommen wir alle klar. Deswegen könnt ihr doch ruhig mal emotional sein. Ihr müsst doch da nicht herumrennen als Verein nach dem Motto ‚Bloß kein falsches Wort‘. Leute, das ist Fußball, das soll die Menschen unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger. Wir backen da kein Brot oder sonst was. Die Leute zahlen dafür Geld. Wenn man dann noch bedenkt, dass Leute da 800 Kilometer weit fahren, Geld opfern – und das sind nicht wenige – da können die doch erwarten, dass wir Spieler dann auch bei ihnen sind. Wir atmen alle Sauerstoff. Da hat sich der Fußball nicht gut entwickelt. Es geht ja weiter über den DFB und die FIFA, die es dann schlecht vormachen. Der Fußball ist dazu da, dass du ihn nach Rumänien oder Tschechien bringst und dass die, wenn die WM da vorbei ist, drei Krankenhäuser und fünf Schulen mehr haben. Darum geht’s doch auch im Fußball, aber wo ist das hin? Spielt das keine Rolle mehr? In Qatar mögen die auch den Fußball lieben, das will ich denen nicht absprechen. Aber fünf Stadien zu bauen im Umkreis von 40 Kilometern für 300 Millionen. In Brasilien hat der Mittelstand auch schon protestiert und gesagt, wir brauchen auch Bildung und Krankenhäuser. Und was war? Da, wo zwei Stadien sind, kommt noch ein drittes neues Stadion hin, das kann gar keiner gebrauchen. Und dann noch eins im Regenwald, was auch kein Mensch braucht. Immer nur Geld gewinnt und der Fußball wird ausgequetscht wie eine Zitrone. Am Dienstag wird das Spiel präsentiert von IKEA, am Mittwoch von ARAL. Dann wird sieben Mal die Woche gespielt – da geht viel verloren.

Unterschreibe ich gerne.
Ich liebe Fußball auch, aber Bildung ist noch wichtiger. Da müssen wir mal Kompromisse machen. Das Leben besteht aus Kompromissen. Aber es interessiert ja keiner mehr, wie man das hinbekommt. Es sind alles nur noch Machtmenschen. Beim Grindel geht’s doch los. Das sind scheinheilige Politiker. ‚Ich mach den DFB erst mal transparent‘, hat er gesagt. Warum? Um Beckenbauer und Niersbach beiseite zu schieben und seine Soldaten aufzustellen. Dann fährt der selbe Mann zur FIFA, es gibt eine Abstimmung über zwei Anwälte, die einen top Job gemacht haben und den korrupten Sumpf bei der FIFA aufgedeckt haben und die werden aber entlassen, weil sie einen zu guten Job gemacht haben. Und er hebt die Hand und hat drei Wochen später auch einen Job. Ich weiß nicht. Ich hätte beim gern beim DFB oben einen Mann, der Empathie hat für Fußball und dem wichtig ist, dass zum Beispiel eine WM dahin kommt, wo danach mehr Straßen, Krankenhäuser und Schulen sind und es ein bisschen was gebracht hat.

Sie waren mit Ailton am Wochenende kicken. Hat der eine Brasilianer mit dem anderen über den Dschungel gesprochen?
In der Tat gab es das Thema nicht. Da trifft man dann immer viele Freunde, es sind 220.000 Euro zusammengekommen über Sponsoren und Eintrittsgelder. Ich finde cool, dass da immer alle kommen und bolzen, auch wenn das keinen sportlichen Wert hat. Viel Geld für Kinder und ich finde, wir müssen die Familien stark machen. Das ist der stärkste Verbund und die müssen klarkommen. Wenn Kindern in der Kindheit Gutes widerfährt, dann ist doch fast logisch, dass sie der Gesellschaft Gutes wiedergeben. Aber was ist, wenn die nur Scheiße erleben und abrutschen? Und das geht ganz schnell.

Gibt es eine Vorbereitung aufs Camp?
Eine Vorbereitung aufs Camp gibt es so nicht. Ich glaube, das wird nicht leicht!

Werden Sie etwas nicht essen?

Definitiv. Wenn dir mir etwas vorsetzen, wo ich sage, dass das daneben ist, dann gibt es halt keine Sterne. Dann muss ich nicht den Helden spielen und auf sonstwas herumkauen, da frag ich dann eher bei RTL, ob sie alle Tassen im Schrank haben.

Man kann auch ein wenig an seine Grenzen gehen, für das Team, aber es gibt sicherlich zwei, drei Sachen in dieser Sendung, wo ich sage ‚Das braucht kein Mensch‘. Und das werde ich dann auch nicht tun.

Gab es denn ein Videoscouting der letzten Staffeln?
Ganz ehrlich, ich hab einmal reingeschaut und das Ganze grob überflogen. Aber da kannst du dich nicht groß drauf vorbereiten. Wenn mir einer sagt – ein normaler Mensch – das wäre jetzt ein super Abenteuer, diese Übungen zu machen – die überschütten dich mit Kakerlaken und sonstwas. Da kann mir keiner sagen, dass er da Bock drauf hat. Kein normaler Mensch würde sagen ‚So, da freu ich mich drauf!‘ Da freu ich mich auch nicht drauf. Trotzdem nehm ich die Erfahrung jetzt mit, die haben oft gefragt. Kloppo sagt, er schaut jede Folge und hat mir geschrieben ‚Angsar, Weltklasse!‘. Die Freunde, die mich kennen, wissen, dass ich das so leicht nehme, wie es geht. 10 Tage ist jetzt auch nicht die Welt und es gibt glaube ich auch Schlimmeres als das Dschungelcamp. Das hat die höchste Einschaltquote überhaupt, das muss man sich mal vorstellen. Das ist schon alles auch ein bisschen verrückt. Aber es ist eine Show, nicht mehr und nicht weniger.


Interview: Thomas Poppe

 

 

 

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1 Reaktion

  1. S.K. sagt:

    Einer der letzten echten Fußball Persönlichkeiten. Toller Typ. Hat das Herz am rechten Fleck und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Bin sehr gespannt wie das beim Dschungelcamp ankommt. Sehr interessant auch seine Kolumne „Der weiße Brasilianer“ bei 1 Live

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