Ode an Claudio Pizarro

Claudio Pizarro wird heute 40. Während Philipp Lahm mit zarten 34 Jahren – längst im Ruhestand – die EM nach Deutschland geholt hat, gibt sich der Peruaner weiter das volle Bundesliga-Brett und ballert in Stuttgart per Pfostenschuss nur Zentimeter am Werder-Sieg vorbei. Unser Pizza (!)-Experte Thomas Poppe schreibt zum Ehrentag des Ehrenmannes eine ClaudiODE an Pizarro.


Ich kann noch nicht mal sagen, was es genau ist, dass Pizarro so unfassbar sympathisch macht. Aber wer Claudio nicht geil findet, hat meiner Meinung nach die Kontrolle über sein Leben verloren. Spieler definieren sich gerne über Titel. Bei Pizarro (Triple-Sieger, Weltpokalsieger, 6x Meister, 6x Pokalsieger) sind die wichtigsten Titel keine Pokale, sondern Bezeichnungen. „Vereinslegende“, „Kultkicker“, „Schlitzohr“, „Fanliebling“. Hat man jemals einem Spieler einen Wechsel nach München so schulterzuckend verziehen, wie ihm gleich zweimal?

Die Ironie ist: Pizarro war neben dem Platz, gerade in seinen Anfängen als Profi, alles andere als ein braver Saubermann. Innerhalb von 12 Monaten wurde er in München zweimal mit 1.1 Promille gestoppt. In Peru sorgte der Familienvater mit drei Nationalteam-Kollegen für einen gewaltigen Sexskandal, wurde als „Stoß“-Stürmer im Pool und der Tiefgarage gefilmt. Wo für andere die Karriere und die Ehe vorbei wären, bekam Pizarro immer locker die Kurve. Er wäre sicher auch ein guter Heiratsschwindler geworden. Ein Satz mit seinem unverwechselbaren Akzent, ein breites Grinsen und man verzeiht ihm alles. Uli Hoeneß gab ihm deswegen den Spitznamen „Schlawiner“.

Pizarro & Schaaf: Selten passten Minus und Plus besser zusammen

Hitzfeld, Heynckes, Guardiola, Magath, Mourinho – alles Trainer, die die Ehre hatten, ihn aufstellen zu dürfen. Und dann war da ja noch Thomas Schaaf. Der Gegenpol. Schaaf, der sich selbst über einen 6er im Lotto nur nach innen freuen würde und Pizarro, der sogar lachend in die Radarfalle fährt. Selten passten Minus und Plus besser zusammen. Aber auch sonst fand Pizarro immer seine Rolle. Neben Elber, Kahn, Eilts, Diego, Bogdanovic und Özil und eben auch beim Abstiegskampf in Köln und als Mentor und Joker jetzt bei (wieder) Werder.

Seine nackten Zahlen sind ohnehin der Hammer: 450 Bundesliga-Spiele, mehr Tore als Lewandowski und Gomez. 651 Pflichtspiele plus 85 Länderspiele für Peru –

Wenn er bei jedem Kick sein Trikot getauscht hat, könnte er sich die Rente allein mit dem Vertrieb von match worn Shirts vergolden.

Drei Spieler aus der aktuellen Werder-Mannschaft waren nicht mal geboren, als er am 28. August 1999 sein erstes Spiel für die Bremer machte. Beim nächsten Tor steht nur noch Werder-Legende Mirko Votava als ältester Torschütze der Liga vor ihm. Den könnte Pizarro auch noch in Sachen „Ältester Spieler der Bundesliga“ von Platz 4 verdrängen. Am 34. Spieltag ist er mit 40 Jahren, 7 Monaten und 15 Tagen dann vier Tage älter – Klaus Fichtel auf Platz 1 mit 43 Jahren, 6 Monaten und 2 Tagen zittert sicher auch schon langsam. Pizarros ältester Sohn wird bald 19 und könnte längst mit Papa auflaufen. Life Goals, die es sonst nur in der Kreisliga gibt.

Eigentlich müssten sie in Bremen noch eine Pizarro-Statue auf die vier Stadtmusikanten stellen und in München beim Oktoberfest „ClaudiO‘ zapft is“ rufen. Der 3. Oktober 2018 ist natürlich ein Feiertag. Ich finde: Wenn es keiner wäre, hätten wir trotzdem für einen Tag die Arbeit niederlegen und einem der geilsten Kicker der letzten 20 Jahre huldigen müssen. In Bremen trägt er das Trikot mit der Nummer 4. Wenn sie bei Werder Humor haben, hängen sie am Freitag beim Heimspiel gegen Wolfsburg eine 0 dahinter. Und nächste Saison dann eine 1. Pizarro ist längst eine Legende und demontiert sein Denkmal nicht, wie es andere machen, die den Absprung nicht schaffen. Nein, er haut fleißig Zement auf den Sockel. Und für mich, mit meinen mit meinen knapp 37 Lebensjahren, ist er irgendwie auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung, dass es noch eine theoretische Chance auf ein Bundesliga-Spiel für mich noch gibt.


Von Thomas Poppe
(ist auch schon eine Legende, wird aber niemals auch nur eine Sekunde Bundesligaluft schnuppern, Anm. d. Red.)

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