Während vor allem die unterklassigen Ligen im Männerfußball bereits wieder in den Fußballalltag eingestiegen sind, ging es für viele Fans von Bundesligavereinen am vergangenen Wochenende das erste Mal wieder ums Ganze – und das sogar live im Stadion. Auch für unsere Autorin Eva-Lotta Bohle, die bei Bayreuth gegen Bielefeld war und über das trügerische Gefühl von Normalität berichtet.


Gebt mir einen Unikurs um 9 Uhr und ich beschwere mich darüber, dass ich „früh“ aufstehen muss. Gebt mir das erste Auswärtsspiel seit März 2020 und ich stehe freiwillig um 5 Uhr morgens auf, um siebeneinhalb Stunden später in Bayreuth anzukommen, damit ich mir das Pokalspiel von Arminia Bielefeld gegen die Spielvereinigung aus der Regionalliga im Hans-Walter-Wild-Stadion angucken kann. Im Nachhinein eine Entscheidung, die ich erst mal nicht bereue: Neun Tore, ein durchaus mitkämpfender Gastgeber, Dauerregen und Tribünen ohne Dach, gute Stimmung auf den Rängen – auch wenn die Abwesenheit der eigenen organisierten Fanszene durchaus hörbar war – und einfach die Erfahrung, die eigene Mannschaft mal wieder aus der Nähe zu betrachten. Im Stadion die Anfeuerungsversuche der Fans hören, statt der Kommandos der Spielenden auf dem Platz. Endlich wieder Stadionfeeling.

Trotz aller Nostalgie und Euphorie: Von Normalität will ich trotzdem nicht sprechen. Denn auch wenn es die bekannten 3G-Vorraussetzungen für den Einlass von Zuschauer*innen gab, die am Einlass auch mehr oder weniger kontrolliert wurde und es auf dem Papier eine FFP2-Maskenpflicht im ganzen Stadion ebenfalls Teil des Hygienekonzeptes war, so sah es auf den Tribünen doch eher nicht nach Abstandregelung nach Plan aus – egal ob Gäste- oder Heimbereich. Hinzu kam, dass ein angebotener Block überhaupt nicht existierte und die zugewiesenen Plätze auch eher schwieriger zu finden waren. Kurz gesagt: An irgendeiner anderen Stelle als dem glücklicherweise sehr leeren Block neben den Gästefans hätte ich mich sehr unwohl gefühlt.

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Ein großes Problem waren vor allem Situationen, in denen kein Leit- oder Ordnungssystem die Zuschauer*innen in Abständen einteilen konnten: Der Einlass oder der Getränkestand zum Beispiel. Beides Orte, an dem weder auf Abstand noch auf Maske geachtet wurde. Auch außerhalb der Sitz- und Stehplätze wurde die Maskenpflicht nicht umgesetzt. Ich gebe dafür nicht mal unbedingt dem austragenden Verein die Schuld. Natürlich hat ein Regionalligist nicht das Personal und die Mittel zur Verfügung, um da ein perfekt funktionierendes Hygienekonzept auf die Beine zu stellen, dass außerhalb von einigermaßen kontrollierbaren Flächen wie Sitz- und Stehplätzen sehr anfällig für Ansammlungen ohne Abstand sind. Aber es zeigt eben, dass Maßnahmen wie die des 1. FC Kölns nicht nur liga- sondern auch deutschlandweit von anderen Vereinen übernommen werden sollten.

Für mich bleibt am Ende dieses Stadionerlebnisses zum einen die Freude über ein Stück altes Fußballfeeling, aber eben auch die Angst, dass es schnell wieder vorbei sein könnte mit der trügerischen Stadionnormalität.


Von Eva-Lotta Bohle

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