Unser FUMS-Alfred-Draxler Cord Sauer hatte sich zu Jahresbeginn einem Experiment verschrieben: Neben Werder Bremen sollte fortan auch der FC Schalke 04 eine größere Rolle in seinem Leben spielen. Weg vom ruhigen Werder-Umfeld – auf der Suche nach Antworten auf die Frage, wie es Fans anderer Vereine so geht. Dass es Schalke wurde – purer Zufall. Von Losglück kann ein halbes Jahr später allerdings keine Rede sein: Im Gegenteil. Im direkten Vergleich ließen sich sportlich kaum Unterschiede ausmachen – sowohl für Grün-Weiß als auch für Königsblau lief es relativ beschissen. Aber immerhin abseits des Rasens hat Schalke für genügend Kontrast gesorgt, denn was dort in den vergangenen sechs Monaten los war, reicht für die komplette Vereinshistorie dreier normal tickender Klubs. Ein (Zwischen-)Fazit.


Schalke, was geht eigentlich ab mit dir? Bisschen Bundesliga zocken, paar Transfers, Sommerpause genießen. Wäre zu langweilig, oder? Sechs Monate verfolge ich dich jetzt intensiver als normalerweise und das kürzlich über die Bühne gebrachte Saisonende und die damit eingeläutete Sommerpause sollte für viele Fans wie auch für mich bedeuten: Urlaub von dir. Urlaub vom Chaosklub. Eine kleine Entziehungskur, endlich mal wieder Seele baumeln lassen. Sorgenfrei. Hey, immerhin keine Relegation! Aber so richtig ruhig wird es eben nie um dich, auch wenn die jüngsten Ereignisse zur Abwechslung mal erfreuliche sind.

Clemens Tönnies tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück und macht Platz für einen Neuanfang. Ein weiterer Neuanfang auf Schalke. Dieser war allerdings der vielleicht erforderlichste und überfälligste von allen. Der Rücktritt hätte bereits unmittelbar nach seinem rassistischen Spruch vor Saisonbeginn erfolgen müssen. Das dreimonatige Ruhen seiner Ämter und vor allem, wie es zustande kam – äußerst fragwürdig und diskutabel. Typisch Schalke eben. Tönnies war auf so vielen Ebenen nicht mehr tragbar, so weit kann ich gar nicht zählen. Dass er geht, macht den 30. Juni 2020 für viele Fans zum Feiertag. Der mit Abstand beste Tag einer verkorksten Saison, wenn man so will. 

Netzreaktionen zum Tönnies-Rücktritt: „Alles hat ein Ende, sogar der Wurstfabrikant.“

Sportlich gesehen beendet Schalke die Spielzeit als zweitschlechteste Rückrundenmannschaft, ist mittlerweile 16 Spiele ohne Sieg. Sechzehn. Spiele. Und zwischendurch fährt der Vater von Max Meyer im Lambo durch Gelsenkirchen und lästert über den „Pleiteklub“, bei dem sein Sohn vor geraumer Zeit noch Profi war und seine Brötchen verdient hat. Und zwischendurch kündigt Schalke 24 verdienten Fahrdienst-Mitarbeitern. Und zwischendurch Ticketrückerstattungs-Eigentor dank „Härtefallantrag“-Skandal. Wie viele Eigentore kann man eigentlich schießen? Schalke – mal ehrlich, was geht ab? Merkste noch was? Ok, die Nummer mit der Gehaltsobergrenze ist cool: Kein Spieler, der ab sofort auf Schalke unterschreibt, soll mehr als 2,5 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Zwingend erforderliche Sparmaßnahme, klar. Aber Not macht eben auch erfinderisch. Die Entscheidung könnte Strahlkraft für die ganze Liga haben.

Lieber FC Schalke 04, ich habe seit Jahresbeginn verstärkt ein Auge auf dich geworfen. Das Problem ist: Es gab zu viele Vorkommnisse und Entscheidungen, bei denen ich gleich zwei Augen hätte zudrücken müssen, um dich noch irgendwie auch nur ansatzweise weiter gut zu finden. Ein idealer Start für eine Liebesbeziehung sieht anders aus, flirten kannste nicht. Aber ich bleibe dran. Vielleicht tut uns ne kleine Pause gut, aber dazu müsstest auch du mich jetzt mal ein paar Wochen in Ruhe lassen. Schaffste das? Atme mal durch und löse dich von all der Altlast. Am 1. Spieltag 20/21 geht es von vorne los. Nicht überall gibt es den klassischen Reset-Button, sportlich funktioniert das gelegentlich ganz gut. Sportlich – und da bin ich mir spätestens jetzt ganz sicher – ist aber die kleinste Gelsenkirchener Baustelle.


Von Cord Sauer
(ist mit der Kombo Werder-Schalke-FUMS wirklich die ärmste Sau, die hier so rumläuft, Anm. d. Red.)

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