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Es gab wohl schon ruhigere Zeiten bei Borussia Mönchengladbach. Die Verkündung des Wechsels von Trainer Marco Rose am Ende der Saison zu Borussia Dortmund wurde von den Fans nicht gerade mit Freude aufgenommen und die aktuelle sportliche Krise scheint bei den Fohlen das Fass allmählich zum Überlaufen zu bringen. Max Eberl hat sich deswegen nun mit einem offenen Brief direkt an die Fans gewendet.


Offener Brief von Max Eberl

In dem Brief, der auf der Homepage der Fohlen veröffentlich wurde, heißt es:

Liebe Fans!

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, als wir das letzte Heimspiel unter „normalen Bedingungen“ im BORUSSIA-PARK hatten. Mit „normale Bedingungen“ verstehe ich die Art und Weise, wie wir Fußballspiele mit Zuschauern erlebt haben, erleben durften, in der Zeit vor der Corona-Pandemie.

Ihr fehlt uns sehr. Es fehlt die Atmosphäre, die ein volles Fußballstadion erzeugt. Es fehlen die gemeinsamen Emotionen, der Jubel, die Ekstase in schönen Momenten, aber auch der Ärger, die Wut und – ja, ich gebe zu, selbst das fehlt mir – die Pfiffe nach einer vielleicht schlechteren Leistung. Ihr seid weit weg, Ihr dürft nicht in die Stadien und Ihr dürft auch nicht einfach mal zum Training kommen, dort zuschauen, wie die Mannschaft und die Trainer arbeiten und vielleicht auch mal ein paar Worte miteinander wechseln, so wie das bei Borussia immer möglich war.

Dass Ihr Eure Emotionen dennoch loswerden müsst, das erleben wir in den letzten Tagen und Wochen auf einem anderen Weg als „vor Corona“. Wir lesen sie in Zeitungsinterviews, in Blogs und auf Bannern, die Ihr am Stadion aufhängt. Ich habe auch Verständnis für die Enttäuschung und die Kritik, die dort geäußert wird. Enttäuschung über die Entscheidung unseres Trainers, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln (was ihm aber auf Grund des Vertrages möglich war), Enttäuschung über die Ergebnisse in den letzten Spielen, Kritik an meiner Entscheidung, mit Marco weiterzumachen. Ich verstehe die Emotionen, ich verstehe, dass sie raus müssen. Aber habt auch Verständnis, dass ich nicht jede Form von Kritik verstehe und so manches Wort und manchen Satz nicht angebracht finde und mich darüber geärgert habe.

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Auch ich bin ein emotionaler Mensch, ich glaube, das wisst Ihr und das hat so mancher von Euch schon zu hören bekommen. Bei meiner Aufgabe für Borussia muss ich Emotionen aber zur Seite schieben und meine Entscheidungen auf der Basis von Wissen und Verstand treffen. Gerade in den letzten Wochen sind wir immer wieder mit Gerüchten und unwahren Behauptungen konfrontiert worden, die irgendjemand in die Welt setzt und die über die sozialen Netzwerke und die Medien verbreitet werden. Ich verstehe, dass das die Emotionen noch mehr schürt, und dennoch muss ich klar unterscheiden zwischen dem, was ein Gerücht ist und dem, was die Wahrheit ist.

Unser Verein steht über allem. So verstehen wir, Stephan Schippers und ich, unsere Arbeit immer. Wir und ich entscheiden an dem Tag, an dem Entscheidungen gefällt werden müssen, und nicht aufgrund von zwischenmenschlichen Gefühlen, nicht aufgrund von Rücksichtnahme auf andere, nicht auf Druck von außen und auch nicht aus eigener Eitelkeit heraus. Der wichtigste Punkt bleibt: Wir wollen für Borussia Mönchengladbach die besten Entscheidungen treffen.

Uns ist Zusammenhalt extrem wichtig und wir wünschen uns sehr, dass wir alle dieses Gefühl wieder bekommen, das immer für Borussia Mönchengladbach stand, seitdem wir 1999 in diesen Verein gekommen sind. Es geht um Energie und Stärke als Verein und für unsere Mannschaft auf dem Platz! Wenn ich lese, dass Fans „der Stecker gezogen“ wurde, weil unser Trainer uns verlässt und sie sich nicht mehr für die laufende Saison interessieren, weil dieser Trainer noch auf unserer Bank sitzt, dann fehlt mir das Gefühl von Zusammenhalt und Kampfgeist für Borussia. Sich einer Situation ergeben und die Segel streichen, das kann ich nicht nachvollziehen. Mein „Stecker“ wird niemals gezogen sein, so lange ich diesen Job zusammen mit allen machen darf. Aufgeben wird und darf niemals ein Thema sein.

Ich trage die Verantwortung und mir geht es nur und ausschließlich um das Wohl und Wehe des Vereins. Dabei muss ich Emotionen beiseite schieben und mit Ratio und Verstand entscheiden. Ich kann verstehen, dass sich nicht jeder mit jeder meiner Entscheidungen identifiziert, aber es geht um Borussia und nicht um Applaus und ich denke schon auf Grund der letzten Jahre, dass das Vertrauen so groß sein sollte, dass man dann trotzdem gemeinsam den Weg weitergeht. Borussia ist und bleibt besonders und ich wünsche mir, dass wir auch jetzt zeigen, dass Borussia besonders ist. Wir haben in der Vergangenheit viele spezielle, auch schwierige Situationen gemeistert. Das werden wir auch dieses Mal tun.

Euer

Max Eberl


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