Ein gutes Streitgespräch ist die beste Unterhaltung

Patrick Wasserziehr empfängt jeden Sonntagabend bei Sky90 hochkarätige Gäste aus der Welt des Fußballs und steht darüber hinaus regelmäßig selbst als Reporter am Spielfeld. Wir haben den Mann, der seit unglaublichen 28 Jahren – bis auf eine kurze Unterbrechung – bei Sky (früher Premiere) am Start ist, getroffen. Ein Gespräch über die Qualität von Interviews im deutschen Sportjournalismus, berufliche Distanz zu Gesprächspartnern, impulsive Begegnungen mit Matthias Sammer, das Streben nach maximalem Erfolg und ein mögliches Engagement beim Hamburger SV.


Patrick Wasserziehr – wenn du dich selbst in drei Worten beschreiben müsstest, welche Worte wären das?
Beziehen sich die Worte auf den Privatmenschen oder auf das Berufliche?

Gerne aus beruflicher Perspektive.
Dann würde ich sagen: Journalistisch, gelassen und kompetent. Das würde ich jetzt im Idealfall über mich sagen. Ich bin ein lebensbejahender, zuversichtlicher Mensch. Ich bin auch nachdenklich, aber in erster Linie passen Worte wie Zuversicht, Glaube, Hoffnung, zu mir. Und Familie.

Vereinstreue würde auch gut passen – du bist mit einer kleinen Unterbrechung seit 1992 bei Premiere/Sky. Da gab es doch sicher mal das eine oder andere Angebot, auch mal die Seiten zu wechseln, oder?
Zunächst einmal freue ich mich über diese Beobachtung. Das kann man sicher auch so sagen. Ich bin ein Mensch, der eine gewisse Treue, eine gewisse Konstanz im Leben hat. Bei Sky muss ich jetzt sagen – es gab einen Zwischenschritt bei tm3, das ist eine eigene Geschichte. Es gibt in jedem Berufsleben Höhen und Tiefen. Unter dem Strich hat mir Sky das geboten, was ich am liebsten mache und was ich glaube ich am besten kann. Nämlich über Sport so zu berichten, wie wir das tun. Sicher hat es auch mal Anfragen gegeben, aber ich fühle mich auf der richtigen Seite. Ich wollte immer Journalist werden. Und das bin ich geworden und das fühlt sich bis heute gut und richtig an.

Stichwort Gelassenheit. Ist das etwas, das gewachsen ist oder würdest du sagen: Wenn ich 15 Jahre zurück schaue, war ich bisschen anders drauf…?
Also ich brenne nach wie vor für eine Sendung oder eine Geschichte und kann mich jedes Mal neu dafür begeistern. Aber mit Gelassenheit meine ich: Es ist und bleibt Fußball. Man könnte jetzt sagen – und ihr seid ja für die Sprüche zuständig – Bill Shankly: „Im Fußball geht es nicht um Leben und Tod, es geht um viel mehr.“ Ich weiß, wie er das gemeint hat. Mein Credo ist: Die Erde dreht sich langsam aber sicher weiter. Also ob der HSV jetzt in der ersten oder zweiten Liga spielt. Ich gehe jetzt nicht an das Thema ran und sage: Es ist mir alles egal, aber dass man im Prinzip sagt: Wir reden über Fußball. Nicht mehr und nicht weniger. Ich finde es gut, wenn man versucht, Gelassenheit zu verkörpern. Ob es mir immer gelingt, weiß ich nicht. Aber es ist ein Ansatz.

Du bist Journalist, du bist Moderator. Was bist du mehr?
Ich glaube, das eine schließt das andere nicht aus. Moderator heißt ja dem Wortsinne nach auch: Vermitteln, beschwichtigen. Bei Sky90 bedeutet das für mich, dass sich alle meine Gäste auch als solche fühlen. Das heißt, ich behandele sie fair und fair bedeutet, dass jeder seine Sichtweise erläutern kann. Für einen Moderator gibt es da allerdings mehrere Seiten der Medaille. Moderation und Journalismus schließt sich nicht aus. Ich wollte immer so unabhängig wie möglich bleiben, auch wenn es in der heutigen Zeit nicht immer ganz einfach ist.

Aber unabhängig heißt für mich auch, immer eine berufliche Distanz zu meinen Gesprächspartnern zu haben. Ich bin bis heute mit keinem persönlich befreundet. Ich habe zu vielen freundschaftliche Beziehungen, aber ich habe keinen Freund und will das auch nicht.

Es muss immer klar sein, wo die Grenze verläuft. Eine gewisse Form der Distanz, also im Sinne von Hajo Friedrichs: Nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten – das ist für mich wichtig.

[Während dieser Antwort rührt Patrick Wasserziehr in seinem Espresso und schließt ab mit folgendem Satz]

Ich kann übrigens selber im Kaffee rühren (lacht).

Das musst du jetzt bei jedem Gespräch sagen, oder?
Das hat sich gerade nur so ergeben. Es gibt manchmal einen Spruch, das finde ich auch okay. Da ich selber viele Jahre Fußball gespielt habe und immer noch spiele, weiß ich, was es bedeutet, Sprüche zu machen und Sprüche abzubekommen. Wenn so eine Situation da ist, dann lädt sie dazu ein.

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Impulsive Interviews mit Matthias Sammer, Streitkultur und Wasserziehrs Umgang mit dem Kaffee-Gate

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